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Neun Jahre Haft für Vergewaltiger

rast Lüneburg. ,,Er überfiel eine ihm unbekannte, völlig fremde Frau am hellichten Tag. Er sprang mit einem Messer in der Hand aus einem Maisfeld hervor und zerrte die Frau ins Feld.“ Dabei war bei dem 26 Jahre alten Angeklagten laut Axel Knaack, Vorsitzender Richter der 10. Großen Strafkammer am Landgericht Lüneburg, die Einsichtsfähigkeit vorhanden: ,,Ihm war in diesem Moment klar: Das darfst Du nicht tun.“ Wegen einer besonders schweren Vergewaltigung verurteilte die Strafkammer den Mann gestern zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren.

Der Angeklagte, der in einem Wohnheim für Behinderte in Wustrow lebte, hatte gestanden, im Sommer 2013 auf einem Feldweg zwischen Salzwedel und Wustrow eine 34 Jahre alte Joggerin mehrfach vergewaltigt zu haben. Für den 26-Jährigen sprach sein Geständnis und dass er laut Knaack ,,eine in diesem Fall wirklich schwere Kindheit hatte, beide Eltern waren Alkoholiker“. Dass er selbst vor dem Überfall Alkohol trank, habe die Tat allerdings nicht beeinflusst. Denn als er später im Wohnheim auftauchte, verhielt er sich nach Aussagen von Heimmitarbeitern normal, weder der Alkohol sei ihm anzumerken gewesen, noch dass Schlimmes passiert sei.

In der Urteilsbegründung hielt der Vorsitzende Richter dem 26-Jährigen vor, dass er bereits 2006 von der Jugendkammer des Landgerichts Magdeburg wegen einer ähnlichen Tat verurteilt wurde  wegen einer versuchten Vergewaltigung erhielt er eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, die Bewährung wurde später aufgehoben, er musste ins Gefängnis. Bei der Vergewaltigung nun in der Nähe von Wustrow habe es ,,eine Vielzahl von Aktionen“ über einen längeren Zeitraum hinweg gegeben, mehr als zehn Mal sei es zum Geschlechtsverkehr gekommen. Axel Knaack: ,,Es gab massive Folgen für das Opfer, es ist schwerstgeschädigt.“ Die 34-Jährige hatte unter anderem ausgesagt, sie leide heute noch unter Todesangst, immer wieder spielten sich die brutalen Szenen der Vergewaltigung in ihrem Kopf ab. Die Folgen sind dem Mann laut Urteil nicht klar gewesen, Knaack: ,,Aber genau das zeigt seine besondere Gefährlichkeit.“ Wäre er jetzt nicht verurteilt worden, wäre sein Rückfallrisiko sehr groß  der psychiatrische Gutachter hatte prognostiziert, dass es bei 80 Prozent liege. Der Richter: ,,Mit dem Angeklagten muss eine Menge passieren, um dieses Rückfallrisiko zu minimieren.“ Eine Unterbringung in der Psychiatrie wäre aber nicht möglich, eine Grundlage dafür habe der Gutachter nicht gesehen. Die Strafkammer setzt nun darauf, dass die Sozialtherapeutische Abteilung im Strafvollzug mit dem Mann Erfolge erzielen kann.

Die Staatsanwaltschaft hatte zehn Jahre Haft gefordert, die Anwältin des Opfers zwölf Jahre. Der Verteidiger plädierte auf eine deutlich geringere Strafe.