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Das Bundesverkehrsministerium erwägt, auf regelbare Wehrverschlüsse entlang der Ilmenau wie hier in Wittorf zu verzichten, um Kosten zu sparen. Foto: A/ca
Das Bundesverkehrsministerium erwägt, auf regelbare Wehrverschlüsse entlang der Ilmenau wie hier in Wittorf zu verzichten, um Kosten zu sparen. Foto: A/ca

Ilmenau in schwerem Fahrwasser

dth Bardowick/Lüneburg. Nach dem Willen des Bundesverkehrsministeriums mit Sitz in Bonn soll der Elbe-Nebenfluss Ilmenau seinen Status als Bundeswasserstraße verlieren. Das geht aus einem Antwortschreiben des Ministeriums an den Landkreis Lüneburg hervor. Angeblich habe auch das Land Niedersachsen bereits im Dezember zugestimmt, die Ilmenau zu entwidmen. Des Weiteren plane der Wasserverband der Ilmenau-Niederung mit Sitz in Embsen den Ilmenau-Abschnitt zwischen Lüneburger Ratsmühle und Hoopte im Kreis Harburg in sein Eigentum zu übernehmen. Von den Planungen zeigt sich nicht nur Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt negativ überrascht, zumal damit die Hoffnungen auf eine Ertüchtigung der Schleusen enttäuscht werden dürften.

„Weder die Landkreise Lüneburg und Harburg noch die betroffenen Kommunen sind über diese Planungsschritte bisher informiert worden“, sagt Landrat Nahrstedt. „Das ist unverständlich und ärgerlich, vor allem, da wir Landkreise und Kommunen in den bisherigen Prozess eng eingebunden waren.“ Mit Verwunderung und Verärgerung reagiert auch Harburgs Landrat Joachim Bordt: „Wir schließen uns der Einschätzung von Landrat Nahrstedt an. Es kann nicht angehen, dass wir vor vollendete Tatsachen gestellt werden.“

In einem gemeinsamen Schreiben hatten die Landkreise und Kommunen den Bundesverkehrsminister gebeten, die Ertüchtigung der Ilmenau-Schleusen schnellstmöglich umzusetzen. So soll eine weitere Absenkung des Wasserstandes verhindert werden, die bereits jetzt die angrenzenden Flächen in Mitleidenschaft zieht, heißt es. Amphibien könnten in den Ilmenau-Altarmen nicht mehr überwintern, der Lebensraum der Wiesenvögel sei bedroht. Auch die historische Bebauung in der Hansestadt Lüneburg sei gefährdet. „Der Wasserstand der Ilmenau muss daher auch weiterhin über die Schleusen reguliert werden“, fordert Landrat Nahrstedt. Die drei historischen Nadelwehre Wittorf, Fahrenholz und Bardowick gelten zudem als schützenswerte Baudenkmäler. Gemeinsam mit den anderen Unterzeichnern will sich Landrat Nahrstedt weiter für den Erhalt der Schleusen einsetzen.

Laut einer Machbarkeitsstudie des Wasser- und Schifffahrts­amts Lauenburg und des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) fielen bei einer Ertüchtigung der Schleusen Kosten in Höhe von 19 Millionen Euro an. Solange die Ilmenau auf dem Abschnitt zwischen der Lüneburger Ratsmühle und Hoopte Bundeswasserstraße ist, müsste diese Kosten der Bund tragen.

Doch das Bundesverkehrsministerium hat offenbar eine Alternative zur Schleusen-Ertüchtigung ins Auge gefasst. In dem Antwortschreiben heißt es: „Mit dem Verzicht auf regelbare Wehrverschlüsse und gesonderte Fischaufstiegsanlagen können die Kosten reduziert werden. Damit verbundene geringe Wasserstandsabsenkungen und deren Auswirkungen auf die Landwirtschaft können durch geeignete Gestaltung fester Wehrschwellen oder den Einbau von Sohlgleiten beherrscht werden.“ Gleichwohl würde das das Ende der Freizeitschifffahrt bedeuten, die nach Bonner Ansicht ohnehin „vernachlässigbar“ sei.

Nach Angaben des Bundesministeriums werde angestrebt, dass die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung das Planfeststellungsverfahren für die Umgestaltung der Schifffahrtsanlagen und die erforderlichen Baumaßnahmen durchführt. Im Anschluss solle die entwidmete Ilmenau ins Eigentum des Wasserverbands der Ilmenau-Niederung übergehen. Doch unterschrieben ist dort bisher noch nichts, heißt es beim Verband auf LZ-Nachfrage.

„Wir haben nur gesagt, wir könnten uns vorstellen, die Unterhaltungspflicht zu übernehmen. Wir haben die technischen Voraussetzungen und das technische Know-how“, sagt Johannes Hilmer, Geschäftsführer des Wasserverbands, „aber wir können die Unterhaltung der Ilmenau nicht aus unseren Mitgliedsbeiträgen finanzieren und dürfen das auch nicht. Wir wären dann auf Drittmittel angewiesen.“ Hilmer stellt auch klar: „In dem jetzigen Zustand sind wir nicht bereit die Ilmenau zu übernehmen, sondern erst, wenn die in Rede stehenden Maßnahmen aus der Machbarkeitsstudie umgesetzt sind.“