Dienstag , 27. September 2016
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Hundekindergärtner Rolf und sein Rudel beim täglichen Spaziergang über den eigenen Hundeplatz.
Hundekindergärtner Rolf und sein Rudel beim täglichen Spaziergang über den eigenen Hundeplatz.

Auf vier Pfoten in die Kita +++ Mit LZplay-Video

jae Lüneburg. Ein eisiger Wind weht an diesem Wintermorgen durch Deutsch Evern. Rolf Stucke hat den Motor seines Minitransporters schon angeworfen, schnell kratzt er das letzte Eis von den Scheiben. „Wir müssen los“, sagt er. Es ist kurz nach acht Uhr und höchste Zeit, um seine Schützlinge abzuholen. Wenig später knattert der weiße Transporter die Dorfstraße hinunter.

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Seit über drei Jahren ist Rolf Stucke in Lüneburg als Hundesitter bekannt.

Seit dreieinhalb Jahren ist Rolf Stucke in Lüneburg als Hundesitter im Einsatz. Jeden Morgen holt er seine vierbeinigen Kunden direkt von zu Hause ab und fährt mit ihnen zum eigens angemieteten Hundeplatz im Gewerbegebiet. Egal ob Beagle, Labrador oder Riesenschnauzer – Ein Hund nach dem anderen verschwindet in Stuckes Hundetaxi, immer unter dem prüfenden Blick von Haushund Paul.

Er war auch der Grund dafür, dass Herrchen Hundekindergärtner wurde. „Ich bin eher durch Zufall dazu gekommen. Wir haben uns damals einen Hund angeschafft, ich dachte, zwischendurch mal kurz raus, das würde reichen – reichte aber nicht“, erinnert sich Stucke, der zu dieser Zeit als Kurierfahrer in Hamburg sein Geld verdiente. Als Paul vier Monate alt war, fing er an, Herrchen auf er Nase herum zu tanzen. Also wurden die Spaziergänge länger, führten immer öfter in einen nahegelegenen Park, in dem auch eine Hundesitterin ihre Runden drehte. Bald war Paul fester Bestandteil der Hundegruppe und Rolf Stucke klar, „das möchtest du irgendwann auch mal machen,“

Das Hundetaxi kommt vor einem Reihenhaus im Lüneburger Osten zum Stehen. Hier wohnt die 13-jährige Hündin Ronja, die von Beginn an zu Stuckes Kunden zählt. Der Hundesitter zückt den Haustürschlüssel. Wenn der große Mann mit der kräftigen Statur die Tür öffnet, weiß die Hündin genau, was sie erwartet. Also geht sie schon mal vor, auf direktem Weg zum Auto, in dem schon 18 andere Vierbeiner auf sie warten. „Die könnte ich auch alleine zum Hundeplatz schicken“, sagt Rolf Stucke und schmunzelt, bevor er sich sich wieder hinters Lenkrad setzt.

Zehn Stunden arbeitet er täglich, die Hälfte davon verbringt er im Auto, den Rest auf den Beinen. Eine etwa 35.000 Quadratmeter große Freilauffläche hat Rolf Stucke gepachtet, umzäunt und Stück für Stück zum Hundeparadies umgebaut. Punkt zehn Uhr trifft er sich hier mit seinen Kolleginnen Annika Stein und Svenja Eisel.  Auch sie haben Hunde im Gepäck, über 40 sind es an manchen Tagen insgesamt. „Die Hunde die wir hier haben sind vorgecastet – so wie bei Dieter Bohlen – das sind in der Regel friedliche Hunde. Wenn sie nicht funktionieren, gebe ich sie auch wieder ab“, sagt Rolf Stucke.

Stuckes eigene Hunde Daisy (links) und Paul haben einen Premiumplatz in Herrchens Wagen.
Stuckes eigene Hunde Daisy (links) und Paul haben einen Premiumplatz in Herrchens Wagen.

Wie oft es nicht funktionierte, kann der 46-Jährige an zwei Händen abzählen: Acht Mal gab er einen Hund wieder zurück, 18.000 Mal ging dagegen alles gut. Denn so oft haben die Vierbeiner schon in seinem Auto Platz genommen. „Das meiste machen die Hunde unter sich aus, ich habe nur vier Regeln für die Hunde: Sie dürfen nicht aggressiv sein, sie dürfen nicht mobben, sie sollten kommen, wenn man sie ruft und da sein, wenn der Bus wieder abfährt.“

Und der fährt immer pünktlich. Um zwölf Uhr ist die erste Gassirunde vorbei, dann beginnt für Rolf Stucke erneut die logistische Herausforderung. Zwei Stunden hat er Zeit, um die Hunde der Vormittagsgruppe zu Hause abzuliefern und die der Nachmittagsgruppe einzusammeln. Dann geht es nochmal für zwei Stunden auf den Hundeplatz, zum Laufen, Buddeln und Toben. Natürlich gibt es auch Hunde, die den ganzen Tag von Rolf Stucke betreut werden. „Die sind dann am Abend auch platt und ausgelastet“, weiß Stucke. Wenn um 18 Uhr die letzten Vierbeiner wieder in ihrem heimischen Körbchen liegen, heißt es auch für Stuckes Hunde Paul und Daisy: Feierabend. Und dann haben sie Herrchen endlich ganz für sich allein.