Donnerstag , 29. September 2016
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Wie gehen wir in Zukunft mit dem Wolf in Niedersachsen um? Diese Frage stand jetzt im Mittelpunkt einer Diskussions- und Informationsveranstaltung mit mehreren Experten an der Leuphana. Foto: t&w
Wie gehen wir in Zukunft mit dem Wolf in Niedersachsen um? Diese Frage stand jetzt im Mittelpunkt einer Diskussions- und Informationsveranstaltung mit mehreren Experten an der Leuphana. Foto: t&w

Vom Umgang mit dem Wolf

emi Lüneburg. Kaum ein anderes Tier polarisiert derzeit so stark wie der Wolf. Wie groß das Interesse und die Befürchtungen in Bezug auf die Rückkehr des Raubtieres sind, wurde einmal mehr am Dienstagabend deutlich. Rund 500 Zuhörer waren der Einladung der Grünenfraktion im niedersächsischen Landtag zur Informations- und Diskussionsveranstaltung „Der Wolf zurück in Niedersachsen“ gefolgt. Weil der Platz im ursprünglich vorgesehenen Hörsaal der Leuphana Universität nicht ausreichte, musste die Versammlung in einen größeren Raum umziehen.

Ein „Forum für direkten Austausch“ wolle man bieten, schickte Moderatorin Miriam Staudte, Mitglied der Grünen im Landtag, der rund zweistündigen Veranstaltung voraus. Doch die Diskussionsrunde geriet beinahe zur Nebensache angesichts zweier langer Experten-Vorträge.

Dr. Britta Habbe, Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft, informierte 40 Minuten lang über das Wolfsmonitoring und den aktuellen Stand der Entwicklung. Rund 30 Minuten widmete sich Melina Heinrich, Artenschutzreferentin im Umweltministerium, der Frage: „Wie gehen wir in Zukunft mit dem Wolf um?“. Hans-Joachim Janßen, Grünen-Abgeordneter im Landtag, sorgte für eine politische Einschätzung. Fünf Minuten blieben Mathias Brockob, um die Probleme aus Sicht des Landesschafzuchtverbands deutlich zu machen. Dabei drückte gerade er die Sorgen vieler anwesender Nutztierhalter aus.

Einige Maßnahmen im Umgang mit dem Wolf seitens des niedersächsischen Umweltministeriums (MU) fasste Melina Heinrich zusammen. Die Entwicklung der Population werde im Rahmen des Wolfsmonitorings von der Landesjägerschaft beobachtet. Zudem solle Ende dieses Jahres ein überarbeitetes Wolfskonzept herausgegeben werden, das den Umgang mit den Tieren regelt. An dem Konzept sei unter anderem der Arbeitskreis (AK) Wolf ein Gremium, in dem Vertreter aus den Bereichen Naturschutz, Jagd, Forst und Tierzucht/Tierhaltung ihre Erfahrungen und Belange einbringen beteiligt. Der Arbeitskreis solle neu ausgerichtet werden und künftig ein breiteres Spektrum an Interessensgruppen abdecken. Zudem arbeite das MU derzeit an der „Förderrichtlinie Wolf“. Sie soll Hilfe beim Schutz vor dem Wolf beziehungsweise Schadenersatz regeln. Wann die Richtlinie in Kraft trete, dazu machte Heinrichs keine Angaben und handelte sich den Unmut von Mathias Brockob ein.

Der Geschäftsführer des Landesschafzuchtverbands kritisierte: „Bislang sind die Schafhalter im Regen stehen gelassen worden mit dem Wolf. Innerhalb der letzten sieben Jahre haben wir es nicht geschafft, eine Präventionsrichtlinie hinzubekommen.“ Zwar sei vor sieben Jahren der AK Wolf eingerichtet worden, allerdings: „Die Beschlüsse zum Wolfsmanagement fielen letztlich im Ministerium. Dazu wurden die Betroffenen dann nicht mehr gefragt.“ In puncto Entschädigungen seien die bürokratischen Hürden sehr hoch, monierte Brockob. Bisher seien die Schafshalter in Vorleistung gegangen, hätten im vergangenen Jahr bis zu 140000 Euro in Sicherungsmaßnahmen investiert. „Das Land hat dafür keinen Euro für die Prävention übernommen.“

Es könne bei den finanziellen Hilfen nicht nur um Schäden gehen, die erfasst werden können, warf Landvolk-Vorsitzender Jens Wischmann aus dem Publikum ein. Es gebe beispielsweise auch bei Rinderhaltern Aufwendungen, die nicht bewiesen werden können. „Zum einen, weil man stärkere Zäune bauen muss, zum anderen, weil man ein ganz anderes Angstgefühl hat um seine Herde.“ Die gesamte Freilandhaltung sei durch den Wolf in einem anderen Licht zu betrachten.

Doch nicht nur die Sorgen der Tierhalter waren Thema bei der Veranstaltung. In einer im Großen und Ganzen sachlich geführten Diskussion wollte ein Zuhörer wissen, ob er seinen dreijährigen Sohn angesichts der Wolfspräsenz weiter unbesorgt im Waldkindergarten spielen lassen könne. Antwort von Britta Habbe: „Wo Lebewesen im Spiel sind, gibt es keine hundertprozentige Garantie. Aus Erfahrung können wir aber sagen, dass die Übergriffe von Wölfen auf Menschen sehr wenige sind.“ Am Ende gingen sicherlich viele Gäste schlauer nach Hause. Ob sie auch beruhigter waren, bleibt offen.

3 Kommentare

  1. Nicht der Wolf ist das Problem, sondern einzig der Mensch. Mir ist kein Fall bekannt, dass ein Wolf in den letzten Jahren einen Menschen in unserem Land angegriffen hat. Wenn ein Wolf ein Tier reißt, dann doch wohl nur, damit er nicht verhungert. Ein Wolf kann eben nicht in die Frittenbude gehen. Etwas mehr Respekt gegenüber dem Tier wäre wichtig, richtig und ratsam.

  2. Der Wolf ist wieder da und das ist auch gut so. Die Menschen haben ihn – wie so viele andere Tierarten – vertrieben, gejagd und ausgerottet. Wir können wirklich froh sein, dass diese Tiere uns in Deutschland eine zweite Chance geben!

  3. Südlich von Lüneburg -im angrenzenden Bienenbütte, so sich in direkter Nachbarschaft zu dem Ort, an dem im vergangenen Herbst mehrere Schafe von einem Wolf gerissen wurden, ein Waldkindergarten befindetl- „informieren“ neuerdings Wolfsbeauftragte in den Waldkindergärten die Kinder, Erzieher und Eltern, wie sie sich gegen den Wolf schützen können.
    Es wird vermittelt, wie groß und schwer so ein Tier ist und es werden Rollenspiele gespielt, in denen die Kinder die Wölfe nachstellen. So wird in einem sog. „Rudelspiel“ durch die Kinder dargestellt, wie sich der Wolf vor dem Menschen zurückzieht, wenn er auf ihn trifft.
    Als Krönung wurde den Kindern (3-5 jährige !!) geraten, sich GROSS zu machen, laut zu singen und sich langsam rückwärts zurückzuziehen, wenn man auf einen Wolf treffen sollte.
    „Tolle“ Tipps für kleine Knirpse …
    Ich als Elternteil bin jedenfalls alles andere als überzeugt und kann den Vater in der Veranstaltung vollkommen verstehen. Meine Tochter habe ich auf jeden Fall wegen der Wölfe nicht wie geplant im Waldkindergarten angemeldet. Dabei sollte sie eigentlich wie ihr großer Bruder die Natur direkt kennenlernen und von den Vorzügen der Waldpädagogik profitieren.