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Gutachter Stephan Kritzinger (l.) und IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert präsentieren die Studie. Sie sind sicher: Der Bau der A 39 bringt der Region mehr als ein Ausbau der Bundesstraße 4. Foto: be
Gutachter Stephan Kritzinger (l.) und IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert präsentieren die Studie. Sie sind sicher: Der Bau der A 39 bringt der Region mehr als ein Ausbau der Bundesstraße 4. Foto: be

Blühende Landschaften

ca Lüneburg. Die Wirtschaft könnte wachsen, Orte zwischen Lüneburg und Wolfsburg würden von Verkehr und damit von Lärm und Abgasen entlastet, Pendler kämen schneller zur Arbeit, mehr Gäste dürften touristische Angebote in der Lüneburger Heide nutzen der Bau der umstrittenen A39 wäre ein Gewinn für die Region. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten der Baseler Beraterfirma progtrans, das die Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg gestern vorgestellt hat.

Gutachter Stephan Kritzinger erwartet, dass rund 12500 Unternehmen, die ihren Sitz entlang der 105 Kilometer langen Trasse haben, von der Fernstraße profitieren könnten. So liegen 15 Gewerbegebiete mit 900 Hektar Fläche im Umfeld der geplanten Autobahn, darunter Lüneburg, Vastorf und Bardowick. Große Vorteile sieht der Schweizer vor allem für Uelzen, das bislang, anders als Lüneburg, noch nicht an das Autobahnnetz angeschlossen ist.

Die Kritik von Autobahngegnern wie Eckehard Niemann, die neben Belastungen für Anwohner auch die Wirtschaftlichkeit der Trasse infrage stellen, konterten Gutachter und IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert: Der Kosten-Nutzen-Faktor liege bei 1:1,9, für einen verbauten Euro bekomme man über die kommenden 30 Jahre quasi 1,90 Euro wieder herein. Aktuell werden die Baukosten mit 1,1 Milliarden Euro beziffert.

Kritzinger spricht von einem „Lückenschluss“, der untersuchte Korridor, der von Lüneburg an Uelzen, Gifhorn und Wittingen vorbei nach Wolfsburg führt, verlaufe durch ein verkehrlich betrachtet unterversorgtes Gebiet mit rund 560000 Einwohnern. Die bessere Erreichbarkeit komme verarbeitender Wirtschaft und Bauwirtschaft zugute, wie ebenfalls der Verkehrs- und Tourismusbranche und dem Handel. Auch würde die Autobahn durch diese Effekte einen erwarteten Bevölkerungsschwund stoppen.

Eine große Rolle spiele dabei der zunehmende Güterumschlag in den Häfen, neben Hamburg auch Lübeck, Bremen und Bremerhaven. Der aktuellen Seeverkehrsprognose des Bundes zufolge soll der Güterumschlag bis 2030 um 80 Prozent zunehmen, allein die Metropole Hamburg werde ein Plus von 90 Millionen Tonnen verzeichnen. Darin stecke die Chance, dass Logistikunternehmen sich beispielsweise im Hamburger Umfeld ansiedeln könnten sofern die Standorte gut zu erreichen seien. Kritzinger: ,,Die A39 wäre eine wichtige Voraussetzung dafür.“ Aber es sei keine Garantie, auch ein Logistikzentrum etwa nach Lüneburg zu locken, räumte der Gutachter auf Nachfrage ein: Lüneburg versucht bekanntlich seit Jahrzehnten vergeblich, ein so genanntes Warenverteilzentrum zu schaffen, weil sich hier Straße, Kanal und Schiene treffen. Die Autobahn könne nur ein Anreiz sein. Es gelte, noch andere Pluspunkte in die Waagschale zu werfen.

IHK-Hauptgeschäftsführer Zeinert weiß, dass die Wirtschaftsorganisation dicke Bretter bohren muss, um einen Autobahnbau zu erreichen. Nicht nur der Protest der Bürgerinitiativen und zu erwartende Prozesse dürften das Projekt verzögern, sondern auch die Tatsache, dass die A39 im Bundesverkehrswegeplan nicht auf den vorderen Plätzen steht. Zeinert: „Wir machen uns da keine Illusionen. Es gibt im Moment keine auskömmliche Finanzierung. Die A39 steht im Wettbewerb mit anderen Verkehrsvorhaben.“ Aber die IHK werde mit ihren Partnern in Berlin darum kämpfen, dass die Piste zwischen Elbe und Mittellandkanal gebaut werde.

4 Kommentare

  1. kann man die ihk auch für falschaussagen , oder anders genannt, für ihr lobbyistentum auch belangen? es wird zeit, dass es möglich wird, diejenigen zur verantwortung zu ziehen, die für steuerverschwendung verantwortlich sind. die politiker, die darauf reinfallen, sollten dabei nicht außen vor stehen.

  2. Nicht aufregen, die IHK macht nur ihren Job, genau wieder der ADAC…

    Zum Glück gibt es auch sinnvolle Arbeit von dem IHK-Lobbyverband wie AZ-Online meldet: „Die Umschlagsgeschäfte im Wittinger Hafen laufen blendend – und die IHK Lüneburg-Wolfsburg will dafür sorgen, dass der Elbe-Seitenkanal künftig noch größere wirtschaftliche Impulse für die Region bringt. “ Ein Förderverein soll Elbe-Seitenkanal pushen!

  3. Jürgen Hempel Lüneburg

    blühende Landschaften hatte bereits Alt- Kanzler Dr. Helmut Kohl mit der Wende dem Osten voraus gesagt. Auch die IHK ist CDU angehaucht, kaum zu glauben diese Märchen. Viele Grüße aus dem sonnigen Kapstadt

  4. Diese Aussagen in Verbindung mit der evtl. zu bauenden A 39 dienen nicht der Sachlichkeit, Herr Bruns.
    Mein Vorschlag – in Kapstadt ansiedeln und von dort alles kommentieren. Bei jeder Maßnahme gibt es Menschen, die davon profitieren und andere, die Nachteile davon haben. Hier, einen für beide Seiten akzeptabelen Mittelweg finden, das ist die eigentliche Aufgabe und nicht, alles von vornherein herunterzureden.