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Jens-Peter Finck ärgert sich noch immer über den Atommülltransport, der im November 2010 vor seinem Haus in Seedorf stand. Foto: A/ca
Jens-Peter Finck ärgert sich noch immer über den Atommülltransport, der im November 2010 vor seinem Haus in Seedorf stand. Foto: A/ca

Der lange Castorstopp

ca Lüneburg. Schon in der Nacht zum 8. November 2010 fühlte sich Jens-Peter Finck vom Verwaltungsgericht verlassen. Damals hatte ein Zug mit Atommüll vor seinem Haus in Seedorf gehalten, exakt vierzehneinhalb Meter vom Fenster seines Hauses entfernt. Als der Rentner in Lüneburg anrief, empfand sich niemand so recht als zuständig. Nach gut zwölf Stunden Aufenthalt rollten die Waggons weiter und ließen Finck in seinem Ärger auf den Staat zurück. Auch gestern sah sich der ehemalige Mitarbeiter des Landgerichts Lüneburg von der Justiz nicht richtig gewürdigt. Denn die Richter entschieden nicht im Sinne des Atomkraftgegners. Finck gibt nicht auf, durch einen Schachzug will er den Fall erneut vor Gericht bringen.

Der Reihe nach. Zunächst hatte Finck mit seiner Partnerin Almut Grosser und der Nachbarin Helga Janssen gegen die Bundesrepublik quasi auf Unterlassung geklagt: Ein Castorstopp vor seinem Haus dürfe sich nicht wiederholen. Einen Tag vor der Verhandlung veränderte er sein Ansinnen. Nun sollte das Gericht darauf erkennen, dass es rechtswidrig war, dass der Zug mit den Atommüllbehältern vor den Häusern gehalten habe sowie dass er, Finck, und andere zu Unrecht daran gehindert wurden, dass eigene Grundstück zu betreten beziehungsweise zu verlassen. Aus taktischen Gründen spaltete Finck die Klage auf, so dass er erneut vor die Schranken an der Adolph-Kolping-Straße ziehen kann.

Für Finck und seine Frau, die im Atomprotest zu Hause sind, war der Halt des Zuges mit seinen elf Containern ein einschneidendes Erlebnis. Sie hatten Angst vor der Strahlung und holten einen Messtrupp von Greenpeace heran. Der konnte erst nach einigem Hin und Her mit der Bundespolizei auf das Grundstück an der Bahn. Die Umweltschützer maßen zwar erhöhte Strahlung, doch Grenzwerte wurden nicht überschritten. Finck selber, der ursprünglich bei einer Mahnwache in Oldendorf aktiv war, kam zunächst nicht zu seinem Grundstück. Die Bundespolizei ließ ihn nicht durch, auch versperrte der Zug einen Bahnübergang und somit die Zufahrt. Finck schlug sich passenderweise über den Totenweg zu seinem Haus durch, um es dann mit seiner Frau aus Angst vor dem strahlenden Müll wieder zu verlassen. In der Folge, so der Senior, hätten er und seine Frau unter Unwohlsein, Nervosität und Schlaflosigkeit gelitten und sich ärztlich behandeln lassen.

Angesichts der Atom-Debatte erklärte Finck vor Gericht: „Uns ist klar, dass kein Castor-Transport mehr zu erwarten ist. Aber wir wollen die Vorfälle von 2010 sanktioniert wissen.“ Und damit die eigene Hilflosigkeit, die massive Polizeipräsenz und die unverständliche Entscheidung, den Zug nicht einfach ,,300 Meter weiter in die Pampa rollen zu lassen“, wie er damals sagte. Denn den Zwangsstopp legte der Transport ein, weil in der Göhrde Atomkraftgegner zu Tausenden auf den Gleisen hockten. Helga Janssen merkte an: „Zehn Kilometer entfernt.“ Es wäre also genug Platz gewesen.

Das Gericht wies die Klage ab. Eine Wiederholungsgefahr sei nicht zu erwarten. Das begründete die Kammer allerdings nicht mit Aussagen aus Berlin, dass Gorleben keine weiteren Castoren aufnehmen soll. Die Vorsitzende erklärte, da es ein außerplanmäßiger Halt gewesen sei, sei eine „Wiederholungsgefahr nicht hinreichend wahrscheinlich“.

Finck und seinen Mitstreiterinnen geht es ums Prinzip, er will wieder klagen. Und er hat noch ein strittiges Thema gefunden: Seiner Meinung nach dürfe die Bundespolizei keine Straßen sperren, dies sei lediglich der Landespolizei erlaubt. Die Richter können mit neuer Post aus Seedorf rechnen.