Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Lokales | Dicke Königinnen im Anflug
Hummeln ernähren sich von Pollen und Nektar. Die Pollen lösen sich durch starkes Flügelschlagen der Insekten von der Blüte ab. So sind die Tiere auch ausgezeichnete Bestäuber. Foto: nh
Hummeln ernähren sich von Pollen und Nektar. Die Pollen lösen sich durch starkes Flügelschlagen der Insekten von der Blüte ab. So sind die Tiere auch ausgezeichnete Bestäuber. Foto: nh

Dicke Königinnen im Anflug

lz/emi Lüneburg. Zu schwer der Körper, zu klein die Flügel nach den Gesetzen der Aerodynamik dürften Hummeln eigentlich gar nicht fliegen können. Und sie fliegen doch! Wie, weiß Thomas Mitschke, Nabu-Vorsitzender und Hummelbeauftragter im Kreis Lüneburg: „Die dicken Brummer lassen ihre Flügel wie Propeller um die Längsachse rotieren. So entstehen Wirbel, die ihnen den nötigen Auftrieb geben und sie durch die Luft schaufeln. Dabei schlagen ihre Flügel fast 200 Mal in der Sekunde.“

In wenigen Tagen oder Wochen, je nachdem wie schnell der Frühling die Oberhand gewinnt, erwachen die Hummeln aus ihrem Winterschlaf. Die gesamte Saison über kann man in Stadt und Landkreis Lüneburg dann relativ viele Arten beobachten. Es gibt aber auch 13 Arten, die gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ganz verschwunden sind. Der Nabu Niedersachsen startet daher in diesem Jahr sein Projekt „Hummelschutz in Niedersachsen“.

Thomas Mitschke erklärt: „Hummeln sind derzeit noch in weichem Torf, Kompost, unter Blättern und in verlassenen Mäusegängen eingegraben. Für die Überwinterung haben sie sich genügend Honig in ihrer Honigblase gespeichert und gegen die Kälte produzieren sie Glycerol, eine Art Frostschutzmittel, welches sie selbst und ihre unmittelbare Umgebung nicht gefrieren lässt.“ Ihr Aufwachen wird von der Boden- und Lufttemperatur bestimmt. „Einig ist man sich, dass ab der Zeit, in der die Lufttemperatur über den Gefrierpunkt steigt, zirka ein Monat verstreicht, bis einzelne Arten zum Vorschein kommen. 2012 war das in Lüneburg der 16. März.“

Jede Hummel, die man in den ersten Wochen sehen kann, sei eine „potenzielle Queen“, sagt Experte Mitschke. Die Königinnen müssen nach ihrem Erwachen schnell zu Kräften kommen und suchen dafür geeignete Frühjahrsblüher. „Oft sind das die ersten Krokusse und Weidenkätzchen. So gestärkt beginnt ihre eigentliche schwierige Mission. Sie suchen einen geeigneten Nistplatz für ihr zukünftiges Hummelvolk, vorzugsweise in der Erde.“

Allerdings bereitet das den Insekten zunehmend Probleme, berichtet Mitschke: „In unseren oft peinlich genau aufgeräumten Gärten und Landschaften fällt es den suchenden Königinnen immer schwerer, eine sichere Nistmöglichkeit zu finden. Sie fliegen dabei fast in Zeitlupe über den Boden, prüfen jede kleine Öffnung, jede Nische.“ Meist werden alte Mäusenester tief in der Erde, unter Schuppen und Garagen aber auch in Komposthaufen genutzt.

Hat die Königin ihren Platz gefunden, sind zirka drei Wochen später die ersten, anfangs deutlich kleineren Arbeiterinnen ihres neuen Volkes zu sehen. Diese helfen der „Queen“, welche nun das Nest bis zum Herbst nicht mehr verlässt. Im Spätsommer bis Herbst schließt sich der Kreis. Dann fliegen die neuen Jungköniginnen aus und tanken Kraft, um den Winter eingegraben unter Moos, Laub oder im Boden zu überstehen.

Der Nabu Niedersachsen startet in diesem Jahr sein Projekt „Hummelschutz in Niedersachsen“, das in den nächsten drei Jahren die niedersächsischen Arten und ihre bislang unbekannten Vorkommen erfassen will. So sollen Hummellebensräume langfristig gesichert, vergrößert und hummelfreundlich gestaltet werden. Dafür werden (auch angehende) Hummelkenner gesucht, welche die Vorkommen seltener Arten unter anderem Deich-, Feld-, Moos-, Heide- und Veränderliche Hummel kennen und mit erfassen wollen. Teilnehmer helfen so mit, die Gebiete zu erfassen und nachfolgend zu kartieren.

Die Beobachtungen im Kreis Lüneburg sind direkt an Thomas Mitschke (toms­insektenhotel@gmx.de) zu richten, gern auch mit einem Foto.