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Kai Maluck im Karakorum-Gebirge in Pakistan: Der frühere Lüneburger berichtet im März in einerm Dia-Vortrag über seine Reisen. Videos gibt es auf der LZ-Internetseite. Foto: nh
Kai Maluck im Karakorum-Gebirge in Pakistan: Der frühere Lüneburger berichtet im März in einerm Dia-Vortrag über seine Reisen. Videos gibt es auf der LZ-Internetseite. Foto: nh

Extreme Erfahrungen am Abgrund

ina Lüneburg. In der Nacht vom 22. auf den 23. Juni 2013 wurden in einem Basiscamp auf dem Weg zum Gipfel des pakistanischen Nanga Parbat zehn ausländische Bergsteiger und ein pakistanischer Begleiter durch Terroristen ermordet. Seitdem warnt das Auswärtige Amt auf seiner Internetseite vor Reisen in die Region: „Landesweit besteht eine Gefährdung durch politisch-religiös motivierte Gewalttaten.“ Kai Maluck und seine Begleiter Clemens Pischel und Gaby Lappe hielt der gewaltsame Übergriff jedoch nicht davon ab, ihre bereits zweite Expedition ins pakistanische Karakorum-Gebirge zu starten. „Wir haben die Risiken abgewogen und uns dann ganz bewusst dazu entschieden, diese faszinierende Gegend ein weiteres Mal für vier Wochen zu bereisen.“ Was der ehemalige Lüneburger erlebt hat, erzählt er im März bei einem Votrag in seiner alten Heimat.

Schon im Jahr zuvor fielen dem heute in Braunschweig lebenden Extremkletterer vor allem die herzliche Art der Einheimischen auf, die er alles andere als fremdenfeindlich erlebte. „Sie sind leidenschaftlich und in ihren Gefühlsäußerungen entsprechend extrem, aber bedroht haben wir uns nie gefühlt. Im Gegenteil wir wurden zu vielen Familien nach Hause eingeladen, auch wenn sie noch so arm waren.“ Auch auf ihren Besteigungen in der für Kletterer noch weitestgehend unbekannten Gegend wurden sie von zahlreichen Trägern unterstützt. „Bei diesem Job verdienen die Männer an einem Tag soviel wie sonst in einem Monat.“

Im Sommer 2012 bestieg das Trio mit einer weiteren Begleiterin über das Bergdorf Bisil den Solu- und Pakora-Gletscher. Kai Maluck erklomm im Alleingang durch eine steile Eisrinne den 5301 Meter hohen Gipfel. „Da ich der Erste war, der diese Felsspitze erstieg, gab ich ihr den Namen Braunschweig Brakk, was in der Landessprache soviel heißt wie Braunschweiger Felsgipfel.“

Im Sommer 2013 war die anspruchsvolle Granitwand des Pakora Brakk das Ziel der Mitglieder des Deutschen Alpenvereins, Sektion Braunschweig. Allein die Vorbereitungen waren „ungeheuerlich“, sagt Maluck. Ein Dreivierteljahr wurde die Strecke geplant, wurden Routen abgesprochen und das Material besorgt: sturmstabile Zelte, Steigeisen, Seile, Eisbeile, witterungsresistente Schlafsäcke. „Als unser Gepäck ankam, sorgten wir vor Ort für eine wahre Postsensation“, erinnert sich der 38-Jährige. Kein Wunder, bei sieben Tonnen Gepäck und Transportkosten von rund 1000 Euro bei der Hinfracht.

Wie wichtig die perfekt abgestimmte Ausstattung war, habe sich bei den Zelten gezeigt. Mit speziellen Gestellen, Spanngurten und Bohrhaken schlugen die drei Kletterer ihre beiden Hochlager auf 700 Meter über dem Talboden. Zum Waschen und Zähneputzen mussten sie sich eine steile Felswand entlang manövrieren.

Wesentlicher als die eindrucksvollen Erlebnisse in gefahrvollen Höhen seien ihm aber die Begegnungen mit den Menschen gewesen, betont Maluck. „Wenn wir ein Zelt aufschlugen, starrten uns die Einheimischen oft stundenlang an, weil sie Fremde wie uns noch nie gesehen hatten.“ Auch in einem streng nach Geschlechtern getrennten Bad formierten sich Zuschauer, um dabei zu sein, wenn „Hellhäutige“ in Unterwäsche ins Wasser stiegen. In einer Dorfschule verteilte das Kletterteam Bücher, Stifte und Hefte. „Die Kinder dort freuen sich wie verrückt über alles Lesbare.“

Kai Maluck, der bereits als Kind mit seinen Eltern oft weite Reisen unternahm, kam über einen damaligen Klassenlehrer am Johanneum auf den Klettergeschmack. „Wir haben 1989 eine Klassenreise in den Harz unternommen seitdem reizt mich das Bezwingen von Felswänden.“ Inzwischen selbst Gymnasiallehrer will er seine Leidenschaft auch an seine Schüler weitergeben. „Eine Kletter-AG habe ich schon gegründet.“

Einen Dia-Vortrag hält Kai Maluck am Freitag, 28. März, im Lüneburger „KraftWerk“ am Pulverweg. Karten kosten dort im Vorverkauf und an der Abendkasse 5 Euro.