Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Eine Woche lang war die Kamera immer dabei, als Sternekoch Frank Rosin (hinten) für seine Sendung auf Kabel eins dem Ehepaar Oliver und Conny Lahn dabei half, das Landhaus Eyendorf in die Erfolgsspur zu führen. Foto: dth
Eine Woche lang war die Kamera immer dabei, als Sternekoch Frank Rosin (hinten) für seine Sendung auf Kabel eins dem Ehepaar Oliver und Conny Lahn dabei half, das Landhaus Eyendorf in die Erfolgsspur zu führen. Foto: dth

Sternekoch als letzter Ausweg

dh Eyendorf. „Wir stehen am Rand der Klippe, dieses Projekt ist unsere letzte Chance.“ Oliver Lahn, Besitzer des Landhauses Eyendorf, steht das Wasser bis zum Hals. Ihn und seine Frau Conny quälen Geldsorgen und Existenzangst. Ihre letzte Hoffnung heißt Frank Rosin. Der Sternekoch hilft in seiner Dokusoap „Rosins Restaurants“ auf Kabel eins Gastronomen, die vor der Pleite stehen, ihr Lokal wieder zum Laufen zu kriegen und kam zu diesem Zweck jetzt nach Eyendorf.
Das größte Problem der Besitzer: Sowohl Oliver als auch Conny Lahn sind Quereinsteiger. Der leidenschaftliche Hobby-Koch ist gelernter Bauzeichner, seine Frau ausgebildete Bankkauffrau. „Die Leidenschaft für die Gastronomie ist bei beiden zwar da, aber das Fachwissen fehlt einfach“, hat Frank Rosin schnell erkannt. So musste er zunächst für „gastronomische Ordnung und Disziplin“ im Landhaus Eyendorf sorgen. Anschließend wurden Lokale in der Umgebung getestet, um abzuwägen, wie sich Oliver und Conny Lahn von der Konkurrenz abheben können. „Die Speisekarte haben wir entsprechend angepasst und gekürzt“, berichtet der 49-jährige Inhaber. Denn regionale Köstlichkeiten waren eher die Seltenheit, die aus Hamburg stammenden Inhaber setzten eher auf typische Schnitzelvarianten.
Um sich kulinarisch abzuheben, wird nun nicht nur auf die polnische Küche von Klaudia Lach gesetzt, die während der Dreharbeiten von der Küchenhilfe zur Köchin wurde, sondern auch auf Fleisch aus der Region. So war Rosin auch bei Schlachter Ewald Albers in Egestorf und wurde bei der Kostprobe fast sprachlos. „Die Wurst, das Fleisch: unglaublich gut!“
Baustellen gabs an den sechs Drehtagen reichlich: Oliver Lahn bekam bei Rosin einen Intensiv-Koch-Kursus, die Räume wurden renoviert, das Inhaber-Ehepaar lernte die Kalkulation. „Die Preise bisher waren willkürlich und aus dem Bauch heraus“, legte Rosin den Finger in die Wunde. „Die Inhaber wussten nicht, was ein Gericht im Einkauf kostet und wie groß der Gewinn tatsächlich ist. Das ist ein typisches Problem für Quereinsteiger, da fehlen die Grundsätze eines Geschäftsmannes.“
Die Lahns sind erst seit drei Jahren in der Gastronomie. Nach einem verkorksten Start im Restaurant einer Schützengilde suchte das Ehepaar im Januar 2012 in Eyendorf den Neuanfang. „Wir hatten hier keinen leichten Start, haben alles versucht, es wurde nicht besser“, erzählt Conny Lahn. Existenzangst und Geldsorgen wurden immer größer, bis sich die 55-Jährige Mitte 2013 entschloss, sich bei „Rosins Res-taurant“ zu bewerben. Drei bis vier Wochen später kam ein TV-Team zum Casting, anschließend gab es in unregelmäßigen Abständen Telefonate. „Ich hatte damit schon wieder abgeschlossen, dann stand Frank Rosin auf einmal doch in der Tür“, erinnerte sich Conny Lahn. Dann ging alles ganz schnell: Testessen mit Gästen, Renovierung, Kochkursus, Kalkulation immer mit der Kamera an der Seite. Nun wähnen sich die Eyendorfer auf dem richtigen Weg: „Wir wollen das Landhaus wieder mit Leben füllen, und das wird uns mit Franks Hilfe hoffentlich gelingen.“
Dass Rosin in der Lage ist, Gastronome wieder auf Kurs zu bringen, hat er mehrfach bewiesen. Für „Rosins Restaurants“ dreht er gerade die sechste Staffel, rund 15 Sendungen werden pro Jahr ausgestrahlt, rund eine Million Zuschauer schalteten zuletzt regelmäßig ein. Auch nach dem letzten Drehtag ist seine Arbeit für das Landhaus Eyendorf noch lange nicht beendet. „Etwa ein Jahr lang stehen mein Team und ich weiter beratend zur Seite. Wir gehen erst raus, wenn der Laden wieder läuft. Denn am Ende müssen die Lahns ja allein durch den Dschungel“, erklärte der Sternekoch.
Ausgestrahlt wird die zweistündige Sendung vom Landhaus Eyendorf voraussichtlich am Dienstag, 18. März, ab 20.15 Uhr auf Kabel eins.