Donnerstag , 29. September 2016
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Den ersten Lauf haben Schäferhündin Dana vom Rio Negro und Besitzer Uwe Wildemann aus Asbach bei Bonn schon hinter sich. 81 Punkte sind ein gutes Ergebnis. Foto: t&w
Den ersten Lauf haben Schäferhündin Dana vom Rio Negro und Besitzer Uwe Wildemann aus Asbach bei Bonn schon hinter sich. 81 Punkte sind ein gutes Ergebnis. Foto: t&w

Deutschlands beste Spürnasen

emi Wendhausen. Schäferhündin Dana hechelt und setzt sich, der rund halbstündige Parcours über den Acker hat sie sichtlich mitgenommen. „Die Hündin nimmt die Fährte gut auf und sucht konzentriert. Sie verweist schräg. Neigt zum Losstürmen“, verkündet die Richterin. Ihr Fazit: 81 Punkte. Ein gutes Resultat, mit dem auch Besitzer Uwe Wildemann zufrieden ist. Die Höchstpunktzahl von 100 Punkten erreichen nur äußerst wenige Vierbeiner. Denn die Anforderungen bei der Deutschen Meisterschaft der Fährtenhunde des Verbands für das Deutsche Hundewesen (VDH) sind hoch. Gestern fanden die ersten Läufe, ausgerichtet von den Hundesportvereinen in Lüneburg, Stelle und Geesthacht, in Wendhausen statt. Heute und morgen folgen die weiteren Durchgänge in Geesthacht.
Ab 7.30 Uhr treten Fährtenleger eine mindestens 3000 Schritte lange Spur in den Acker. Die Männer und Frauen laufen hier und da im Zickzack, trampeln Bögen aus und legen etwa streichholzgroße Gegenstände ab, die die Tiere auffinden müssen.
Eine besondere Tücke auf der Strecke: die Verleitung. 30 Minuten bevor der Hund zu suchen beginnt, durchkreuzt eine weitere Person die Fährte. Lassen sich die Spürnasen durch sie auch nur kurzzeitig von ihrer Spur abbringen, gibt es sofort Punktabzug. Der droht unter anderem auch, wenn der Hund die Winkel und Bögen auf der Strecke nicht richtig ausschnüffelt oder die Gegenstände nicht ordentlich anzeigt ­ zum Beispiel, indem sich das Tier hinlegt.
Jeder der insgesamt 29 Hunde muss an zwei verschiedenen Tagen sein Können unter Beweis stellen. Dana vom Rio Negro hat ihre Sache im ersten Durchlauf gut gemacht. Die Schnauze tief am Boden, ließ sich die fünfjährige Schäferhündin kaum auf die falsche Fährte führen und legte sich bei jedem aufgefundenen Gegenstand brav ab. Besitzer Uwe Wildemann, der sie über die gesamte Strecke hinweg an der Leine führte, litt mit: „Das war ganz schön aufregend. Man darf dem Hund ja nicht helfen, man kann nur zusehen.“
Dreimal pro Woche trainiert Uwe Wildemann vom Schäferhundverein RSV 2000 bei Bonn mit seiner Hündin. Und das seit vielen Jahren. Dana wurde schon im Welpenalter zum Fährtenhund ausgebildet: „Im Alter von zehn Wochen beginnt das Training für die jungen Tiere.“ Und das ist ganz schön zeit­intensiv erst recht, wenn der Hund zu den Besten des Land gehören soll.
Sandra Bryndel ist Vorsitzende des Hundesportvereins PHV Lüneburg. Sie weiß, was die Deutsche Meisterschaft von den Vierbeinern abverlangt: „Auf diesem Niveau braucht der Hund neben einem guten Näschen und dem Willen, sich da durchzubeißen, vor allem eines: eine sehr gute Kondition.“ Und was ist nun das Ziel des Ganzen? „Natürlich die Teilnahme an der Weltmeisterschaft der Fährtenhunde im April im thüringischen Oberdorla“, antwortet Bryndel wie aus der Pistole geschossen. Dann fügt sie hinzu: „Die schönste Belohnung ist es, wenn der Hund ausgelastet und zufrieden ist. Dann sind auch die Hundebesitzer zufrieden.“