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Mit einer Kreisberegnungsanlage können Landwirte Wasser und damit Ressourcen schonen. Doch um sie einsetzen zu können, braucht es große, freie Ackerflächen, die es in der Region kaum gibt. Um sie zu schaffen, müsste Landschaft verändert werden. Und das ist selten konfliktfrei. Foto: A/off
Mit einer Kreisberegnungsanlage können Landwirte Wasser und damit Ressourcen schonen. Doch um sie einsetzen zu können, braucht es große, freie Ackerflächen, die es in der Region kaum gibt. Um sie zu schaffen, müsste Landschaft verändert werden. Und das ist selten konfliktfrei. Foto: A/off

Anpassung an Klimawandel, aber wie?

Nach fünf Jahren Forschung hat die Landwirtschaftskammer Niedersachsen gestern in Uelzen ihre Ergebnisse des Projektes Klimzug-Nord präsentiert. Untersucht wurden verschiedene Maßnahmen zur Anpassung der Landwirtschaft in der Region an den Klimawandel von der Klärwasserversickerung bis zum Anbau afrikanischer Hirse. Ein Projekt, das zum Gelingen aller Maßnahmen beitragen könnte, ist der Dynamische Kulturentwicklungsplan. Ein Werkzeug mit sperrigem Namen und hehrem Ziel.

off Lüneburg. Der Plan der Landwirte ist am Ende gescheitert. Im Modellgebiet Obere Wipperau (Kreis Uelzen) steht nach fünf Jahren Projektphase weder eine Kreis- noch eine Linearberegnungsmaschine, die Bewässerung ist nicht ökonomischer, nicht planbarer und auch nicht sparsamer geworden. Trotzdem spricht Projektleiterin Imke Mersch von einem Erfolg, denn die Mitarbeiterin der Landwirtschaftskammer Niedersachsen hält nach jahrelanger Arbeit ein anderes Ergebnis in den Händen: den Dynamischen Kulturlandschaftsplan. Oder ein Instrument zur Lösung von Landnutzungskonflikten.

Die Entwicklung des Dynamischen Kulturlandschaftsplans war ein Projekt, das die Kammer im Rahmen des Programms „Klimzug-Nord“ in den letzten fünf Jahren wissenschaftlich begleitet hat. Und im Gegensatz zu Kollegen kann Imke Mersch keine Ergebnisse wie Einsparpotenzial, Ertragsausbeute oder Wasserverbrauch liefern. Dafür könnten ihre Ergebnisse wegweisend sein für die Umsetzung von konfliktreichen Vorhaben in der Landwirtschaft. Auch außerhalb des Modellgebiets.

Im Mittelpunkt des Kammerprojektes stand der Klimawandel. „Ziel war es ein Instrument zu entwickeln, mit dem die Agrarstruktur so angepasst werden kann, dass die Landwirte unter den Klimawandelbedingungen ausreichende Entwicklungsmöglichkeiten haben und gleichzeitig die Ansprüche des Natur- und Landschaftshaushaltes gewahrt werden“, so Mersch. Ein Vorhaben, bei dem Landnutzungskonflikte programmiert sind.

Ausgangssituation im Modellgebiet war der Plan einiger Landwirte. „Gemeinsam wollten sie auf wassersparendere Kreis- oder Linearberegnung umstellen“, erklärt Mersch, „doch dafür sind Flächen von mindestens 20 Hektar nötig, ohne größere Hecken- oder Baumbestände.“ Eine Landschaftsstruktur, die es in der Region nur selten gibt. „Das heißt, es hätten Hecken oder kleinere Baumgruppen weichen müssen.“ Ein Konflikt mit dem Naturschutz. Und ein Fall für den Dynamischen Kulturlandschaftsplan.

An einem Runden Tisch haben alle Parteien ihre Wünsche geäußert, Prioritäten wurden gesetzt, Ist- und Sollzustand erfasst. „Die Ergebnisse wurden in einer Karte erfasst und übereinander gelegt“, sagt Imke Mersch. Auf einen Blick waren erstmals besonders wertvolle Natur- und Ackerflächen sichtbar, außerdem Schutzgebiete, sensible Ökobereiche, Straßen, Acker- und Waldgrenzen.

„So sind alle Interessen sichtbar, alle Ansprechpartner aufgeführt, und man kann an einer Lösung arbeiten.“ Biotope könnten vernetzt, Flächen getauscht, Hecken an der einen Stelle entfernt, an einer sinnvolleren neu gepflanzt werden.

In die Praxis umsetzen sollte das die Lenkungsgruppe eines eigens gegründeten Kulturlandschaftsverbandes. „Vertreten sind darin alle, die Interesse an der Entwicklung einer Kulturlandschaft haben“, so Mersch. Von der Fachbehörde bis zur Land- und Forstwirtschaft. Gemeinsam versuchen sie, Lösungen zu entwickeln, wenn für eine neues Beregnungssystem wie im Modellgebiet Eingriffe in die Landschaft notwendig sind. Manche Konflikte konnten so gelöst werden. Andere nicht.

In der Oberen Wipperau scheiterte der Bau neuer Beregnungsmaschinen letztlich am Geld. „Es fehlte eine staatliche Förderung zur Schaffung der Beregnungs-Infrastruktur“, sagt Mersch. Auch diese Erfahrung wertet die Projektleiterin heute als Gewinn: „Jetzt wissen wir: Der Handlungsspielraum zur Anpassung der Agrarstruktur an den Klimawandel ist ohne Fördermittel nur klein.“

Ob und wie der Dynamische Kulturlandschaftsplan künftig in der Praxis genutzt wird, ist offen. „Jetzt machen wir unsere Erkenntnisse erstmal öffentlich, werden die Projektergebnisse publizieren“, sagt Mersch. Sie ist allerdings überzeugt: „Dieses Werkzeug ist gut geeignet, um im kleineren Rahmen vor Ort Lösungen bei Landnutzungskonflikten zu finden.“ Und die gibt es in fast allen Regionen und nicht nur dann, wenn es um Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel geht.