Aktuell
Home | Lokales | Stinte haben es besonders eilig
Hunderte Kilogramm des leckeren Stints holen Fischer Wilhelm Grube und seine Mitarbeiter schon jetzt täglich aus der Elbe, versorgen Feinschmecker aus der Region. Foto: Michael Behns
Hunderte Kilogramm des leckeren Stints holen Fischer Wilhelm Grube und seine Mitarbeiter schon jetzt täglich aus der Elbe, versorgen Feinschmecker aus der Region. Foto: Michael Behns

Stinte haben es besonders eilig

pet Hoopte. Das hat auch der erfahrene Elbfischer Wilhelm Grube (58) in seinem langen Berufsleben noch nicht so oft erlebt: ,,Mindestens zwei Wochen früher als normal ist der Stint gekommen. Grund ist der milde und auch kurze Winter. Das Wasser in der Elbe hat schon Temperaturen um sechs Grad.“ Feinschmecker freut es mächtig: 200 Kilogramm Stint holten Grube und seine Mitarbeiter etwa gestern früh aus dem Strom, 400 Kilogramm waren es noch einmal am Nachmittag. Bis Mitte April dauert normalerweise die Stintsaison. ,,Mal sehen, ob die Saison in diesem Jahr früher zu Ende geht, dann vielleicht Anfang April“, sagt Grube.

Die Kormorane signalisieren Wilhelm Grube seit einigen Jahren, wann es sich lohnt, die auf einer Länge von 20 Kilometern zwischen Norderelbe und Geesthacht ausgelegten 120 Reusen zu leeren: ,,Am Verhalten und an den Bewegungen der Vögel erkennen wir, dass der Stint da ist.“ Mehrere Meter tief tauchen die Vögel und holen sich ihre Beute.

Vor zehn Tagen hatte Grube seine Reusen ausgelegt, am vergangenen Freitag war mit 60 Kilogramm zum ersten Mal eine nennenswerte Menge Stint eingeholt worden. Seitdem steigt der Ertrag täglich und die gefangenen Tiere sind in diesem Jahr auch auffällig groß und schwer. ,,Bis zu 25 Zentimeter lang, 60 Gramm schwer. Viel mehr als im vergangenen Jahr“, so Grube.

Meistens früh morgens, gegen 5 oder 6 Uhr, und dann noch einmal am frühen Nachmittag kontrollieren Wilhelm Grube und seine Mitarbeiter seitdem die Reusen. Dabei ist auch Sohn Per-Willem (21). ,,Auszubildender zum Fischer im 2. Lehrjahr“, stellt der Vater stolz seinen Nachfolger vor. Und Fischer ist auch der sehnliche Berufswunsch von Sohn Jonas, 9 Jahre alt.

Wilhelm Grube ist der einzige Elbfischer, der im Frühjahr zwischen Hamburg und Geesthacht große Mengen an Stint fängt. Er versorgt damit sein eigenes Lokal und Restaurants im großen Umkreis, auch in und um Lüneburg. In dieser Zeit ziehen die Stinte aus dem Mündungsgebiet der Elbe den Strom hinauf, legen dort ihren Laich ab, um dann wieder in Richtung Nordsee zu ziehen. Wenn er seine Stinte fängt, hat es Wilhelm Grube vor allem auf die männlichen Tiere abgesehen. ,,Das sind 90, 95 Prozent unseres Fangs. Sie schwimmen mehr in der Strommitte, im tieferen Wasser“, erklärt der Fischer aus Leidenschaft, der schon als Achtjähriger seine ersten Stinte aus der Elbe geholt hat.

Vom Arme-Leute-Essen ist der Stint in den vergangenen Jahrzehnten längst zur Delikatesse geworden. Geräuchert bietet Wilhelm Grube den Fisch in seinem Lokal an, in Sauer gelegt, nach Matjesart, als Stintsuppe am liebsten isst er ,,seinen“ Stint aber seit eh und je gebraten: Der Kopf des Stints wird entfernt, dann wird er gesalzen, in Roggenschrotmehl gewendet, in Speck und Pflanzenöl ausgebraten, dann mit Speckkartoffelsalat und Apfelmus serviert. ,,Ich esse das fast täglich“, lächelt der Elbfischer.