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Carmen Maria Bendorf, Ortsvorsteherin von Rettmer, und Christian Smarsly vor dem seit Jahren nicht mehr bewirtschafteten Landgasthof Fuhrhop, dessen älteste Gebäudeteile aus dem Jahr 1555 sind. Foto: t&w
Carmen Maria Bendorf, Ortsvorsteherin von Rettmer, und Christian Smarsly vor dem seit Jahren nicht mehr bewirtschafteten Landgasthof Fuhrhop, dessen älteste Gebäudeteile aus dem Jahr 1555 sind. Foto: t&w

Einst vier Bauernhöfe, heute Familienidylle

as Lüneburg. Der Ortsteil Rettmer im Süden der Stadt ist in den vergangenen fünf Jahrzehnten stetig gewachsen, zählt rund 2300 Einwohner. Neubaugebiete reihen sich um den historischen Ortskern, doch den dörflichen Charakter hat sich Rettmer weiter bewahrt. In diesem Jahr haben Alt- und Neubürger etwas Besonderes zu feiern: Rettmer blickt auf seine 700-jährige Geschichte zurück. Bei einem Rundgang durch den Ortsteil geben Ortsvorsteherin Carmen Maria Bendorf und der Rettmeraner Christian Smarsly Einblicke in die Ursprünge und Entwicklung von Rettmer.

Treffpunkt ist das ,,Kummerland“, so lautet der Spitzname der ältesten Neubausiedlung, die von 1963 bis 1971 am Hasenburger Ring entstand. Ein Investor namens Kummer hatte dort Geschossbauten und Einfamilienhäuser entstehen lassen wollen, doch er ging in die Pleite. Zum Leidwesen der Bauherren. ,,Damit die Gebäude vollendet werden konnten, mussten die Bauherren noch einmal tief in die Tasche greifen, bekamen aber Unterstützung vom Dorf und Land“, erinnert Christian Smarsly, der nach dem Krieg 1949 nach Rettmer kam und seit Jahren die Entwicklung in Fotos dokumentiert. Nach dem Krieg hätten viele Flüchtlinge, die es nach Lüneburg verschlug, gerne auf Rettmeraner Boden gebaut. Doch die Bauern wollten sich nicht von ihrem Land trennen. ,,Bauer Hartmann war der erste, der dann Flächen für das Baugebiet Hasenburger Ring freigab“, berichtet Carmen Maria Bendorf. In Nachbarschaft dazu entstand bereits seit 1959 ein kleines Gewerbegebiet, wo sich Garbersbau, die Bauhandlung Scharff und Landhandel Peters ansiedelten.

Bis zu der ersten Neubausiedlung bestand Rettmer nur aus einer Handvoll großer Höfe. Von der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1314 bis 1936 bildeten vier Bauernhöfe die Keimzelle. ,,Einer davon war ein Klostergut, das zum Michaeliskloster gehörte. Die anderen drei waren Meierhöfe, die dem Gutsherrn Möller in Heiligenthal unterstanden“, berichtet Smarsly. Rettmer wuchs 1936 um weitere acht Höfe. Der Grund: ,,Als damals Truppenübungsplätze in Bergen-Hohne bei Celle und Senne-Lager bei Bielefeld entstanden, wurden acht Bauern zwangsumgesiedelt nach Rettmer und das Klostergut unter ihnen aufgeteilt.“

Im Ortskern an der vielbefahrenen Lüneburger Straße dokumentiert die Gastwirtschaft Fuhrhop die Historie. Es ist sozusagen einer der vier Urhöfe. 1555 entstand das Zweiständerhaus, alte Balken im Gebäude zeugen noch von dieser Zeit, 1836 wurde es zum Vierständerhaus ausgebaut. ,,Angrenzend befinden sich die Urhöfe Hartmann und der Hof Heins, in der Verlängerung befand sich das Klostergut, 1936 entstand dort der Hof Lüderitz“, berichtet Smarsly. Heute gibt es in Rettmer noch zwei bewirtschaftete Bauernhöfe: Hartmann sowie der Hof Hillmer, dessen Vorfahren einst umgesiedelt wurden.

Von der Gastwirtschaft Fuhrhop, der ein Investor neues Leben einhauchen will, geht es zum Klosterweg, der seit altersher um den Ortskern he­rumführte. Einzelne Tagelöhner-Häuser wurden hier, als nicht mehr so viele Landarbeiter auf den Höfen benötigt wurden, Ende der 60er-Jahre auch an andere Familien vermietet und verkauft, weiß Smarsly. Treffpunkt für gemeinschaftliche Aktionen war am Klosterweg früher das alte Feuerwehrhaus, 1966 am alten Löschteich gebaut. Nachdem die Brandbekämpfer 1994 in den Neubau der Feuerwehr Süd am Ortsrand einzogen, gründete sich der Verein Altes Feuerwehrhaus. Der richtet jährlich das Osterfeuer sowie das Aufstellen des Maibaums aus Aktionen, bei denen sich Alt- und Neubürger begegnen wie auch auf dem Feld des Bouleclubs gleich nebenan.

Wenige Meter hinter dem alten Feuerwehrhaus erläutert Smarsly ein weiteres Stück Dorfgeschichte: Dort war bis 1887 die Ziegelei Fuhrhop, ,,die Lehmkuhlen befanden sich zwischen den heutigen Wohngebieten Osterwiese und Pilgerpfad-Nord“. Als das Lehm-vorkommen aufgebraucht war, siedelte sich die Ziegelei Richtung Heiligenthal an, wo es Lehm in Hülle und Fülle gab. Doch auch dort ist die Produktion inzwischen eingestellt.

Erstes großes Baugebiet im Ortskern war die Osterwiese, die von 1972 bis 1980 in drei Abschnitten entstand. Nur zwei Jahre nach dem Baustart wurde das Dorf Rettmer eingemeindet ,,mit den mehrheitlichen Stimmen des Gemeinderates“, erinnert Bendorf. In den folgenden Jahrzehnten reihten sich Neubaugebiete wie Perlen um das alte Dorf: Wohnidylle am Klosterweg, Wiesengrund, Pilgerpfad Nord, Bergfeld, Schröderhof, Rettmers Höhe und aktuell Pilgerpfad Süd. Für Carmen Maria Bendorf haben sie den Charme von ,,grünen Idyllen“, der Ortsteil habe eine gute Anbindung zur Innenstadt, verfüge über eine gute Infrastruktur mit Märkten. Das spricht sich rum. Die Ortsvorsteherin hat immer wieder Nachfragen, ob denn nicht Häuser zum Verkauf stehen im Stadtteil, der beliebt sei bei jungen Familien. Sie ist glücklich mit der Entwicklung des Stadtteils kleine Ausnahme: die für ihren Geschmack zu hohen Häuser an der Kante des Neubaugebiets Pilgerpfad Süd. Wünschenswert sei für die Zukunft ein Ärztehaus, sagt die Ortsvorsteherin. Was ihr besonders am Herzen liegt: Wohnprojekte für Senioren, ,,denn wer viele Jahre in unserem schönen Rettmer gelebt hat, soll auch im Alter sein gewohntes Umfeld nicht verlassen müssen“.

Jubiläumsfeier

700 Jahre Rettmer soll am Sonnabend, 26. Juli, gebührend gefeiert werden. Bei einem kleinen Sektempfang wird um 10 Uhr ein Gedenkstein auf der Grünfläche neben der Verkehrsinsel „Am Bergfeld“ enthüllt. Am Nachmittag findet von 15 Uhr an ein Fest für die ganze Familie rund um das Bonhoeffer-Haus statt. Von Pony- 29reiten, Lebendkicker, Hüpfburg, Wollefilzen über Bratwurst bis zum Kuchenbuffet ist für alle Generationen etwas dabei. Institutionen, Vereine und Firmen aus Rettmer werden sich präsentieren. Geplant ist außerdem eine Postkarte, und zum Ende des Jahres wird eine Chronik veröffentlicht.