Donnerstag , 29. September 2016
Aktuell
Home | Lokales | Wenn Freiheitsstatuen tanzen + + + Mit Fotogalerie
Ausgelassene Stimmung in der Winsener Innenstadt: Die Teilnehmer des Faslamsumzugs begeistern mit kunstvollen Motivwagen wie dem riesigen Drachen aus dem Land des Lächelns. Foto: t&w
Ausgelassene Stimmung in der Winsener Innenstadt: Die Teilnehmer des Faslamsumzugs begeistern mit kunstvollen Motivwagen wie dem riesigen Drachen aus dem Land des Lächelns. Foto: t&w

Wenn Freiheitsstatuen tanzen + + + Mit Fotogalerie

off Winsen/Luhe. Cinderella tanzt am Elbdeich mit Pinocchio, die Ghostbusters trinken Sekt mit der Freiheitsstatue und Schneewittchen singt mit Winnie Puuh. Um kurz vor elf am Sonntagmorgen herrscht in dem kleinen Elbdorf Stöckte Ausnahmezustand. Mehr als 600 Narren, 20 Motivwagen und etliche Fußgruppen haben sich im Querweg versammelt, tanzen, singen, trinken und warten auf den Startschuss für den großen Festumzug. Um kurz nach 12 Uhr ist es dann soweit: Angeführt von dem Vorsitzenden der Stöckter Faslamsbrüder, Marcel Fütterer, setzt sich die Narrenparade in Bewegung für einen der größten Faslamsumzüge in Norddeutschland.

Seit 1969 gibt es das Narrenfest der Stöckter Faslamsbrüder, seit 17 Jahren dabei ist Oliver Frick dieses Jahr als Uncle Sam in Begleitung wunderschöner Freiheitsstatuen. Fünf Monate lang hat der Rechtsanwalt mit seinen Wagenbaumitstreitern an dem Motivwagen „NSA Auch du wirst abgehört“ gebaut, mehr als 4000 Euro haben die 40 Mitglieder der Baugruppe Beecken in ihr Kunstwerk gesteckt. Unübersehbarer Aufwand. Riesengroß ragen Freiheitsstatue und Uncle-Sam-Figur in den Himmel, kunstvolle Konstruktionen, mit denen die Stöckter Chancen auf den Sieg haben könnten. Doch die Konkurrenz ist auch in diesem Jahr wieder hochkarätig. „Und auch wenn ein erster Platz schön wäre“, sagt Frick, „uns geht es in erster Linie um den Spaß.“

In diesem Jahr zum ersten Mal beim Umzug dabei ist Thies Rieckmann. Der Winsener arbeitet in Stöckte und hat im vergangenen Jahr miterlebt, „wie in unserer Werkstatt über Wochen einer der Motivwagen gebaut wurde“. Dieses Mal packte Rieckmann selbst mit an, schweißte das Grundgerüst für einen Drachen, klebte Tapeten und legte ein Rohrleitungssystem für die rauchenden Nasenlöcher. Am Tag aller Tage steht er dann als asiatische Schönheit verkleidet auf dem Wagen „Land des Lächelns“. „Es ist grandios“, schwärmt er. Glaubt man den eingeschworenen Stöckter Narren, hat ihn das Faslamsfieber gepackt und wird ihn so schnell auch nicht wieder loslassen.

Aus Eckernförde, aus Hessen und sogar aus der Schweiz zieht es ehemalige Stöckter jedes Jahr wieder in die alte Heimat. „Faslam will keiner verpassen“, sagt Thomas Meyer. Er steht an diesem Tag im Bischofsgewand am Elbdeich, das Thema seines Wagens: der Protzbischof. Mit Biss und Witz nehmen Meyer und seine Mitstreiter der Baugruppe Sievers den Skandal um den suspendierten Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst auf die Schippe. Vier Monate Arbeit und fast 2500 Euro haben sie dafür investiert. All die Mühe für nur einen einzigen Tag? „Das ist Faslam“, sagt Meyer, „da lohnt sich für diesen einen großartigen Tag auch eine monatelange Vorbereitung.“

Der Höhepunkt des Faslamsumzugs ist jedes Jahr wieder der Einzug in die Winsener Innenstadt. Rund 30000 Zuschauer säumen die Straßen, bewundern die Wagen, feiern und tanzen mit Cinderella, Pinocchio, den Ghostbusters und der Freiheitsstatue. Spätestens zwei Tage später kommt für die fleißigen Wagenbauer allerdings die Ernüchterung. Dann werden die Wagen wieder abgerissen, „das ist mit Abstand der schlimmste Tag im ganzen Faslamsjahr“, sagt Uncle Sam alias Oliver Frick.

Ein Video vom Stöckter Faslamsumzug gibt es heute bei www.lzplay.de.

>>>FOTOGALERIE