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Jutta Hiereth vor einem der ältesten Häuser in Bad Bevesen. Die ehemalige Lüneburgerin hat die Immobilie gekauft, lässt sie zurzeit sanieren und sucht jetzt noch zwei Frauen, die dort gemeinsam mit ihr einziehen wollen. Foto: kre
Jutta Hiereth vor einem der ältesten Häuser in Bad Bevesen. Die ehemalige Lüneburgerin hat die Immobilie gekauft, lässt sie zurzeit sanieren und sucht jetzt noch zwei Frauen, die dort gemeinsam mit ihr einziehen wollen. Foto: kre

,,Frauen-WG“ im Fachwerkbau

kre Lüneburg/Bad Bevensen. „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“, antwortete einst Altkanzler Helmut Schmidt etwas unwirsch auf die Frage eines Journalisten. Nun, Jutta Hiereth hat Visonen. Die gebürtige Bardowickerin ist trotzdem weit davon entfernt, dem Rat des Altkanzlers Folge zu leisten. Es wäre auch wenig hilfreich. Die 69-Jährige ist nämlich dabei, ihren Traum von einer Frauen-Wohngemeinschaft in Bad Bevensen zu realisieren. Mitten in der Stadt. In einem 1608 errichteten Fachwerkhaus dem ältesten noch erhaltenen Gebäude der Stadt.

Dass die geschichtststrächtige Immobilie zum Verkauf stand, hatte Jutta Hiereth eher durch Zufall mitbekommen und sich sofort in den Fachwerkbau mit den beiden markanten Linden vor der weißen Fassade verliebt. Jetzt ist sie stolze Eigentümerin des Hauses, das zurzeit aber eher an eine Großbaustelle erinnert und erklärt detailliert den Umbau der 196 Quadratmeter Wohnfläche. Und schnell wird klar: Wer ein Projekt wie Jutta Hiereth in Angriff nimmt, braucht neben Tatkraft, Zuversicht und Optimismus vor allem eines: Vorstellungskraft. Sonst läuft man leicht Gefahr, den Überblick zu verlieren.

,,Ich kann mir das alles schon ganz genau vorstellen, wie das in einigen Monaten sein wird, hier mit zwei weiteren Mitbewohnerinnen zu leben“, sagt Jutta Hiereth. Natürlich nicht alle zusammen in einer Wohnung, ,,sondern jede wird ihr eigenes Apartment haben“, berichtet Hiereth. Trotzdem kann sich die 69-Jährige sehr gut vorstellen, auch hin und wieder gemeinsam zu kochen, mit den beiden Mitbewohnerinnen im Garten zu sitzen, zu klönen, zu lachen und zu buddeln. ,,Ich mache für mein Leben gerne Gartenarbeit“, sagt die Neu-Bevenserin: ,,Was gibt es Schöneres, als Blumen zu pflanzen und dabei die Kirchturm-Glocken zu hören? Hier in Bad Bevensen kann ich beides!“

Dass Jutta Hiereth noch auf der Suche nach den zwei Mitbewohnerinnen ist, nimmt sie gelassen. ,,Das wird schon“, ist sie sich sicher. Schließlich gebe es viele aktive, gut situierte Frauen, die sich Veränderung wünschten. ,,Die brauchen vielleicht nur einen Anstoß, um bei einem solchen Projekt mitzumachen.“

Bei Jutta Hiereth war es letzlich der Tod ihres Mannes, der sie dazu bewog, Lüneburg als Wohn- und Arbeitsplatz den Rücken zu kehren und sich in Bad Bevensen mit der Sanierung und Renovierung des 1608 errichteten Hauses eine neue Aufgabe zu suchen. Die Wahl für die Kurstadt fiel ganz bewusst: ,,Ich habe einen Ort gesucht, der überschaubar ist, der gute Verkehrsanbindungen hat, einiges zu bieten hat und in dem die Geschäfte auch gut zu Fuß erreichbar sind.“

Keine Frage: Die ehemalige Lüneburger Geschäftsfrau, die in der alten Salz- und Hansestadt lange Jahre ein eigenes Geschäft für Mode- und Wohnaccessoires betrieben hatte, fühlt sich wohl in ihrer neuen Heimatstadt. ,,Wissen Sie“, sagt sie, ,,Lüneburg ist doch auch nicht mehr das, was es mal war. Immer mehr Filialisten in der Einkaufsstraße, immer weniger inhabergeführte Geschäfte…“

Dass Bad Bevensen im Vergleich zur Lüneburger Altstadt kaum mehr als 200 Jahre alt ist, ist in dem großen Stadtbrand vom November 1811 begründet: Die Gebäude wurden zwar wieder aufgebaut, allerdings mit verändertem Grundriss nach den damals aktuellen Erkenntnissen zu Brandschutz und Hygiene in der Stadt. Verordnet wurde das Stadtbild damals übrigens von Johann Peter Eckermann, dem späteren Privatsekretär und Freund von Johann Wolfgang von Goethe.

All das ist Bad Bevenser Stadtgeschichte, mit der sich Jutta Hiereth und ihre künftigen Mitbewohnerinnen bald intensiver beschäftigen können. Nicht zuletzt inspiriert von der Geschichte des eigenen denkmalgeschützten Hauses, das die Feuersbrunst vor 200 Jahren offenbar weitgehend verschont hatte

Und so ist die Sanierung des Gebäudes selbstverständlich in Absprache mit dem Denkmalschutz auch immer ein Blick zurück in die Geschichte früherer Generationen. ,,Erbaut worden war das Haus von einem Herrn Zimmermann“, hat Jutta Hiereth herausgefunden. ,,Der Mann war Töpfermeister, seine Werkstätten hatte er im Haus.“ Auch bei den Arbeiten im Garten stieß Jutta Hiereth auf Spuren der Vergangenheit. ,,Da habe ich einige Fundamente entdeckt“, berichtet Hiereth und fügt lachend hinzu: ,,Es macht Spaß, so ein Projekt in Angriff zu nehmen!“ Und wie eine 69-Jährige fühle sie sich noch lange nicht. Ins Bild passe, dass Wissenschaftler unlängst herausgefunden haben wollen, dass Unruhestand länger jung halte. Zumindest auf Jutta Hiereth trifft diese Erkenntnis mit Sicherheit zu…

One comment

  1. forchert-prieß

    Ich finde die Idee von Frau Hiereth wunderbar und drücke alle Daumen, dass sie ihre Vision wahr werden lassen kann! Leider wohne ich zu weit weg-und meine Lebenssituation passt nicht in so einen Plan. Aber der Gedanke ist klasse und „schreit“ geradezu nach Unterstützung!

    Herzlichen Gruss aus dem Norden!

    Rose M. Forchert-P.