Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Joey Kelly im Gespräch mit den Schülerinnen Lara (l.) und Mimi auf der Bühne in Marienau. Vom Publikum gab es nach dem Vortrag des Extremsportlers und Musikers stehende Ovationen. Foto: ki
Joey Kelly im Gespräch mit den Schülerinnen Lara (l.) und Mimi auf der Bühne in Marienau. Vom Publikum gab es nach dem Vortrag des Extremsportlers und Musikers stehende Ovationen. Foto: ki

Keine Grenzen und kein Honorar

ki Marienau. Er betritt die Bühne, stellt sich kurz vor und fasziniert spontan seine Zuhörer: Musiker und Extremsportler Joey Kelly. „No limits Hysterie des Körpers“, so das Thema, das Kelly, der für seinen eisernen Willen bekannt ist, jetzt für seinen Vortrag an der Schule Marienau ausgewählt hat. Dabei zeigt er auf, dass alles eine Sache des Kopfes, eine Frage der Selbstüberwindung und des konsequenten Umsetzens und zielorientierten Handelns ist. Eine der größten Herausforderungen war für ihn die Südpol-Exkursion mit dem Deutschen Team. ZDF-Moderator Marcus Lanz war mit dabei, den Kelly vorher noch nicht kannte und nicht wusste, dass er Sport macht. Es war ein schonungsloser Einsatz auf den Spuren der ersten Südpol-Expedition. Eindrucksvolle Bilder zeigen, was die acht Expeditionsteilnehmer leisteten und wie sie in einem vier Quadratmeter großen Zelt lebten. „Nach zehn Tagen und 21 Stunden erreichte das Team gesund und unversehrt die Station“, so Kelly. Für ihn war die Tour bei fast 24 Stunden Dunkelheit täglich und 50 Grad Minus gefühlt eine Wanderung an das Ende der Welt. Doch sagt Kelly auch: „Jammern hilft nie weiter. Im Gegenteil: Stellt man das Jammern ein, geht alles besser.“

Seinen ersten Triathlon versuchte Kelly ohne Training, nur mal so, und ging „baden“. Der Anfang einer Karriere als Extremsportler. Er habe ein Ziel und einen Traum, so Kelly, und sei durch den Sport erst wach geworden. Raus aus der Komfortzone, rein in die Natur. Inzwischen hält er mit acht Ironman im Jahr den Rekord. „Ich gebe alles, ich will gewinnen“, so Kelly. Er erlebte Höhen und Tiefen. Höhen und Erfolg nur durch Disziplin. Doch wann hat er trainiert, wenn er mit der Kelly-Familie auf Tournee war? Von 23 Uhr bis morgens sei er gelaufen und: „Ich kenne alle Städte in Europa.“

Immer neue Herausforderungen und Extreme setzte sich Kelly zum Ziel, unter anderem diverse Ultra-Marathons, Marathon des Sables und den Ultra-Ironman auf Hawaii. Als Kelly auf Hawaii dabei war, erreichte ihn ein Anruf der Familie, er solle den Lauf sofort beenden, weil er abends einen Auftritt habe. Was machte Kelly? Er lief vormittags den Ironman, charterte einen Hubschrauber, und war wenige Minuten vor dem Auftritt an Ort und Stelle. Joey Kelly lebt für den Sport, ohne den Beruf zu vernachlässigen. Bilder und Video-Einblendungen dokumentierten die Stationen des Extremsportlers.

Beeindruckend für die Zuhörer war Kellys 875 Kilometer Lauf durch Deutschland, von Wilhelmshaven bis auf die Zugspitze, ohne Geld nur mit einer Baumarkt-Plane für 9,24 Euro. Von 5 bis 23 Uhr sei er marschiert, habe sich nur aus der Natur ernährt, so Kelly. 15 Kilogramm habe er in den 18 Tagen abgenommen. „Unser Körper hat unvorstellbare Reserven“.

Für die überwiegend jugendlichen Zuhörer skizzierte Kelly auch die Familiengeschichte: Fünf Jahre lang hat sein Vater Theologie studiert und als Mönch gelebt, um Priester zu werden und eine Familie zu gründen. 1976 reiste die Familie in einem alten VW-Bus mit neun Kindern nach Rom. Dort wird der Bus aufgebrochen und geplündert. Die musikalische Karriere der Kelly Family nahm ihren Anfang. Es wurde auf Straßen gesungen und im Hut Geld gesammelt. In einem alten, umgerüsteten englischen Doppeldecker gelebt. In Stuttgart hörte sie ein Plattenvertreter. „Wir erhielten einen Knebelvertrag“, erinnert sich Kelly. 36 TV-Auftritte hatte die Familie von 1979 bis 1981. Dann machten sie sich selbständig. Die Devise des Vaters sei immer gewesen, wir arbeiten und leben frei. So habe die Familie 1982 von vorn angefangen, um ihre Existenz gekämpft, aber immer daran geglaubt, dass sie Erfolg haben werde. „Wir hatten das Ziel vor Augen, Stadien zu füllen und waren total verrückt“. Mehr als 20 Millionen Platten hat die Kelly Family seitdem verkauft. Zehn Jahre lang war Joey Kelly Geschäftsführer des Familien-Unternehmens.

„Er ist ein Geschenk für uns“, dankte Marienaus Schulleiterin Heike Elz dem „No limits“-Mann, der mal eben aus Köln anreiste und nach dem Vortrag wieder zurückkehrte. Und das Ganze, ohne ein Honorar zu verlangen. Die 17-jährige Schülerin Mimi Bohlken hatte vor zwei Jahren einen Vortrag von Kelly gehört und war total begeistert. Zwei Stunden kamen ihr vor wie 20 Minuten. Die 17-Jährige setzte sich mit Kelly für einen Vortrag in Marienau in Verbindung, und er sagte zu. Und wieder verging die Zeit für die Zuhörer wie im Flug, nur dieses Mal an ihrer Schule.