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Demonstranten protestieren mit einer Mahnwache auf der bundesweit ersten Biogas-Tankstelle in Jameln gegen die geplante Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Mit dabei waren auch Biogasbetreiber aus der Gemeinde Thomasburg. Foto: cw
Demonstranten protestieren mit einer Mahnwache auf der bundesweit ersten Biogas-Tankstelle in Jameln gegen die geplante Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Mit dabei waren auch Biogasbetreiber aus der Gemeinde Thomasburg. Foto: cw

Biogas-Betreiber sehen schwarz

cw Lüchow/Bavendorf. Mit einem bundesweiten Aktionstag hat die Initiative Erneuerbare Energien gestern auf die Konsequenzen der geplanten Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) hingewiesen. Nach dem aktuellen Referentenentwurf müssen die Betreiber von Biogasanlagen mit großen finanziellen Einbußen rechnen. Einige Kritiker gehen sogar so weit, zu sagen: Ziel des Entwurfes sei es, weniger grünen Strom zu produzieren.

Die Bioenergie-Region Wendland-Elbetal, zu der auch das Modelldorf Thomasburg mit seinen beiden Anlagen gehört, hat sich gemeinsam mit dem Bauernverband Nordostniedersachsen und der Akademie für Erneuerbare Energien an dem Aktionstag beteiligt. Gleichzeitig startete auf der bundesweit ersten Biogastankstelle in Jameln eine Mahnwache zur Rettung der Energiewende.

„Der Gesetzentwurf ist eine Katastrophe für die Betreiber und die ganze Zulieferindustrie“, betonte Henrik Barrelmann, Biogasanlagenbetreiber aus Bavendorf. „Das ist volkswirtschaftlich der größte Wahnsinn, den man sich vorstellen kann.“

Genauso sahen es auch Firmenvertreter, Fachleute und Kommunalvertreter, die bei der Bioenergie-Region Wendland-Elbetal die Konsequenzen des Entwurfes diskutierten. „Es geht hier nicht nur um die Betreiber selbst, sondern um einen ganzen Wirtschaftszweig, der weltweit vor dem Aus steht“, machte Horst Seide, Präsident des Fachverbandes Biogas klar. „Die ganze Welt schaut auf Deutschland: Wenn wir die Erneuerbaren an die Wand fahren, wird kein anderes Land mehr in diese Technik investieren.“

Bislang war Deutschland Vorreiter: Die ganze Technologie rund um das Biogas sei in den ländlichen Regionen Deutschlands erfunden und realisiert worden, so Seide. Das hatte zu einem erheblichen Strukturwandel geführt. Firmen setzten auf die neue Technik und siedelten sich in den ländlichen Regionen an.

„Für uns ist es seit drei Jahren schwierig“, sagte Felix Fröhlich von der Firma Dreyer und Bosse, die sich auf Blockheizkraftwerke spezialisiert hat. „Wir hatten 100 Mitarbeiter, sind jetzt bei 87 und wenn der Entwurf durchkommt, werden wir weitere 20 Prozent abbauen müssen.“ Dr. Christian Decker, Geschäftsführer der LDS-Steuerberatungsgesellschaft sieht ebenfalls schwarz für die Zukunft: „Zwei von den elf Biogasanlagen, die wir betreuen, sind definitiv gefährdet“, sagte er. „Da wurde mit viel Herzblut an etwas Innovatives herangegangen und nun reicht es nicht einmal mehr für ein zweites Standbein.“ Auch für ihn selbst ist es ein Problem: „Ich habe eigens Mitarbeiter in diesem Bereich schulen lassen.“

Der Gesetzentwurf zieht noch weitere Kreise: „Die Zahl der Studenten ist um bis zu 50 Prozent zurückgegangen“, rechnete Carina Arndt, Studienleiterin der Akademie für Erneuerbare Energien vor. „Dabei werden derzeit überall Fachkräfte händeringend gesucht.“

Die Tragweite der geplanten Novelle des EEG war auch den Demonstranten in Jameln klar: „Erneuerbare Energien sind die Zukunft“ hieß es da auf einem Transparent. Oder: „Rettet die Energiewende“. Die Politiker der Region versprachen Einsatz: „Wenn es nicht anders geht, gehen wir auf die Straße“, machte Klaus-Peter Dehde (SPD) deutlich. Er will Bundesumweltminister Sigmar Gabriel in die Region einladen. Auch sein Kollege von der CDU, Clenzes Bürgermeister Sascha Liwke, will „alles Mögliche dafür tun, dass dieses Gesetz nicht umgesetzt wird“.

Für Henrik Barrelmann aus Bavendorf ist eines klar: „Es ist politisch gewollt, dass aus der dezentralen wieder eine zen­trale Energieversorgung wird“, sagte er. „Man könnte meinen, der Gesetzentwurf wurden von E.ON und RWE gemeinsam geschrieben.“