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Thorsten Klomfass an seinem Arbeitsplatz in Bienenbüttel: Zunächst zeichnet der 36-Jährige seine Cartoons mit Bleistift vor. Den Feinschliff erledigt er per Grafiktablett am Computer. Foto: t&w
Thorsten Klomfass an seinem Arbeitsplatz in Bienenbüttel: Zunächst zeichnet der 36-Jährige seine Cartoons mit Bleistift vor. Den Feinschliff erledigt er per Grafiktablett am Computer. Foto: t&w

Mit Cartoons aus der Krise

emi Bienenbüttel. Seine erste „Vernissage“ hatte Thorsten Klomfass im Alter von drei Jahren: „Da habe ich mit dem Lippenstift meiner Mutter ein Fresko an die Wand auf dem WC gemalt“, sagt er augenzwinkernd. Von da an hörte der gebürtige Lüneburger nicht mehr auf mit dem Zeichnen. Doch bis Thorsten Klomfass sein Hobby zum Beruf machte, sollten noch viele Jahre vergehen. Nach einer tiefen Lebenskrise vor zwei Jahren brach er seine kaufmännische Lehre ab und schlug einen neuen Weg ein. Seit 2011 ist er als freiberuflicher Cartoonist in Bienenbüttel tätig, veröffentlicht in Magazinen und bei einem Schulbuchverlag.

Das Arbeitszimmer von Thorsten Klomfass ist spärlich eingerichtet. Eine Kommode mit Kaffeemaschine, ein Sessel, Stapel voll alter, gerahmter Cartoons, ein Stuhl, Postkarten und viel freie Wand. So kahl das Zimmer, so überbordend der Schreibtisch: Zeichnungen, Bunt- und Bleistifte liegen kreuz und quer neben Grafiktablett und Monitor auf der dunklen Holzplatte verstreut. Eine kleine, bunte Insel, auf der der 36-Jährige seine Ideen zu Papier bringt. Am liebsten ab 5 Uhr morgens und bei klassischer Musik. Wenn das Haus dann aufwacht, darf es auch gern AC/DC sein.

Die skurrilen Begebenheiten des Alltags haben es Thorsten Klomfass angetan. „Wenn plötzlich bei mir zu Hause die Heizung von der Wand fällt, wie neulich, oder wenn ich irgendwo etwas beobachte und anfange zu lachen, dann habe ich mein Thema.“ Zu Hause am Schreibtisch wird es in einen Cartoon, eine Art Bildgeschichte mit Pointe, verwandelt. Ärzte, Tiere, Pflanzen und auch der Sensenmann („immer ein bisschen tollpatschig“) tauchen mit kugelrunden Augen in seinen Cartoons auf.

Auf einem weißen Blatt fängt Klomfass zunächst mit „ganz vielen Bleistiftstrichen“ an zu zeichnen. Dann überlegt er, ob Mimik und Gestik der Figuren stimmen, fragt sich: „Was will ich damit zum Ausdruck bringen?“ Ist alles zu seiner Zufriedenheit, zieht der Bienenbütteler die Konturen mit dem Fineliner nach. Anschließend wird der Entwurf eingescannt und am Computer weiterbearbeitet. „Mit dem Grafiktablett fahre ich die Linien nach, setze Farben, Licht und Schatten ein.“ Erst ganz zum Schluss folgen die Sprechblasen.

Die Leserichtung der Cartoons ist stets von links oben nach rechts unten, wie bei einer Buchseite. „Rechts steht die Pointe und die muss zünden. Der Betrachter entscheidet mit einem Blick innerhalb von Sekunden, ob der Cartoon gut ist oder schlecht.“ Genau das reizt Thorsten Klomfass.

Um erst einmal selbst herauszufinden, was gute Cartoons ausmacht, durchforstete Thorsten Klomfass unermüdlich das Netz. „Ich habe einfach im Internet geguckt, was mir gefällt. Comics habe ich davor nie gelesen.“ Da der 36-Jährige vor seinem Berufswechsel auch nie mit Grafikdesign zu tun hatte, bat er letztlich über Facebook professionelle Zeichner um Tipps. Wie er seinen eigenen Stil fand? „Man darf nie zufrieden sein mit dem, was man schon gemacht hat.“

Eine Prise „Kreativität, Abstraktionsfähigkeit und um die Ecke denken“ gehören auch dazu. Und Menschenkenntnis. Die erlangte der Bienenbütteler während seiner kaufmännischen Lehre. Hätte die ihn nicht in die Krise gestürzt, wäre Thorsten Klomfass vermutlich kein Cartoonist geworden.