Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Sie haben sich erste Plätze geholt und für den Landesentscheid qualifiziert (vorn, v.l.): Erik Nekat, Roger Pearson, Jannes Noack, Kimberly Nissen, Henrike Quasdorf sowie (hinten, v. l.) Moritz Arians, Till Prochaska, David Theidel und Jan-Ole Schwenck. Foto: hön
Sie haben sich erste Plätze geholt und für den Landesentscheid qualifiziert (vorn, v.l.): Erik Nekat, Roger Pearson, Jannes Noack, Kimberly Nissen, Henrike Quasdorf sowie (hinten, v. l.) Moritz Arians, Till Prochaska, David Theidel und Jan-Ole Schwenck. Foto: hön

Ideen für die Energiewende

hön Lüneburg. Was haben Plastik, Drähte in Atom-Größe, ein Heißluftballon und Vertretungspläne gemeinsam? Sie machen aus Schülern erfolgreiche Nachwuchsforscher. In der Leuphana Universität wurden am Sonnabend die Sieger des Regionalwettbewerbs Jugend forscht/Schüler experimentieren Nordostniedersachsen geehrt. Wettbewerbsleiterin Andrea Schroedter lobte die innovativen und ungewöhnlichen Ideen ebenso wie das Durchhaltevermögen von Schülern, betreuenden Lehrern und Eltern. Die diesjährigen Beiträge hätten mal wieder gezeigt, dass Forschung auch immer wieder heißt: „10 Prozent Inspiration, 90 Prozent Transpiration.“

Bürgermeister Andreas Meihsies zeigte sich begeistert von dem Forscherdrang der Nachwuchswissenschaftler und -wissenschaftlerinnen: „Ihr geht den Dingen auf den Grund, scheut euch nicht davor, Dinge zu denken, die noch nie zuvor gedacht wurden.“ Zur Siegerehrung im großen Hörsaal waren Vertreter aus Politik, Schule und Wirtschaft zu Gast, so auch die Bundestagsabgeordnete Hiltrud Lotze. Die Bilanz der Lüneburger Schulen kann sich sehen lassen: Sechs erste Plätze gingen an Schüler des Johanneums, des Gymnasiums Oedeme und des Gymnasiums Lüneburger Heide.

Moritz Arians (15) vom Gymnasium Oedeme beschäftigte sich bei „Schüler experimentieren“ im Fach Chemie mit einer der dringendsten Fragen der Energiewende: Wie lässt sich überschüssige Windpark-Energie speichern? Dafür testete er eine Brennstoffzelle auf Protonen-Austausch-Membran-Basis (PEM) und untersuchte Latent-Wärmespeicher  besser bekannt als Taschenwärmer.

Der elfjährige Gummibärchen-Kleber-Experte Lukas Domenik Lüttchens  ebenfalls Schüler am Gymnasium Oedeme  schaffte es zwar nicht auf einen der begehrten ersten drei Plätze, wurde aber für seine besondere Leistung von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit dem mit 50 Euro dotierten Sonderpreis Umwelttechnik ausgezeichnet.

Die Jüngsten unter den Gewinnern, Erik Nekat, Roger Pearson und Jannes Noack (12, 13 und 11 Jahre) vom Gymnasium Lüneburger Heide, stellten eine Innovation für die Ältesten vor. Um unnötige Wege zum Briefkasten zu vermeiden, entwickelten sie einen Funk-Briefkasten, der per gehisster Flagge eigenständig eingegangene Post meldet. Zusätzlich zum ersten Platz im Fach Technik („Schüler experimentieren“) würdigte der Verein Deutscher Ingenieure e.V. die Leistung mit einem mit 75 Euro dotierten Sonderpreis.

Ebenfalls im Wettbewerb „Schüler experimentieren“ überzeugten Kimberly Nissen und Henrike Quasdorf (beide 12) die Physik-Jury. Die Jungforscherinnen vom Johanneum experimentierten mit dem Auftrieb eines Heißluftballons  unter anderem, indem sie dessen Gewicht veränderten, und landeten damit ganz oben auf dem Treppchen.

Alle Lüneburger Wettbewerbssieger bei Jugend forscht besuchen das Johanneum. Till Prochaska (16) ließ im Fach Mathematik/Informatik die Konkurrenz hinter sich. Er entwickelte eine Smartphone-App für Schüler, die bereits zu Hause über Stunden-Ausfälle informiert und dafür sorgt, dass Schüler in Zukunft nie mehr zu früh aufstehen müssen.

Bereits zum wiederholten Mal dabei ist Jan-Ole Schwenck (18). Der „Wiederholungstäter“ optimierte in seinen Experimenten die Herstellung von Kunststoff. Um Polyester (Kunststoff) zu synthetisieren, ließ er Butan (ein Flüssiggas) und Bernsteinsäure miteinander reagieren und untersuchte anschließend die Eigenschaften des Reaktionsproduktes. Er überzeugte die Jury, wurde Erster im Fach Chemie und erhielt zusätzlich einen Sonderpreis für innovative Messverfahren.

David Theidels (16) Auszeichnung im Fach Physik brachte den gut besuchten Hörsaal zum Jubeln und die trockene Bemerkung des Laudatoren: „Das haben selbst einige Juroren nicht verstanden.“ Werden zwei metallische Kontakte getrennt, bildet sich ein sogenannter Nanodraht, der nur wenige Atome groß ist. David Theidel untersuchte, wie UV-Licht auf diese Nanodrähte wirkt.

19 Nachwuchstalente ziehen in die nächste Runde ein. Der Landesentscheid von Jugend forscht findet am 24. März in Clausthal-Zellerfeld, der von Schüler experimentieren vom 27. bis 29. März in Oldenburg statt.

Viel Applaus und die goldene ,,Jugend-forscht-Nadel“ erhielt Sören Schwartze von der Werum AG für sein langjähriges Engagement als Pate und Unterstützer für Jugend forscht. Ohne das finanzielle und organisatorische Engagement der Lüneburger Firma sei Jugend forscht schlicht nicht realisierbar, bedankte sich Wettbewerbsleiterin Andrea Schroedter. Schwartzes Nachfolge tritt Dirk Ebbecke, ebenfalls von Werum, an.

Welche Türen Jugend forscht in die Welt der Wissenschaft öffnen kann, zeigte ein besonderer Gast: Daniel Pflüger hat jüngst den deutschlandweiten Wettbewerb in Physik gewonnen und fliegt nun zur International Science and Engineering Ausstellung nach Las Vegas  zum weltweit größten Schüler-Forschungswettbewerb.