Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Adi ist nicht mehr allein: Der Storch ist inzwischen vermutlich auch im Winter Dauergast in Artlenburg, jetzt ist auch seine Partnerin aus dem wärmeren Süden wieder im Flecken eingetroffen. Foto: nh/twesten
Adi ist nicht mehr allein: Der Storch ist inzwischen vermutlich auch im Winter Dauergast in Artlenburg, jetzt ist auch seine Partnerin aus dem wärmeren Süden wieder im Flecken eingetroffen. Foto: nh/twesten

Störche beziehen ihre Horste

lj Erbstorf. Schnäbelklappern statt eines anschwellenden Heultons ist derzeit von der ehemaligen Feuerwehrsirene in Erbstorf zu hören. Der Blick nach oben zeigt ein großes Nest aus Reisig. Darin stehen zwei Störche und wärmen sich in der Märzsonne, bereiten sich vor auf die kommende Brutzeit.

Mit steigenden Temperaturen nimmt auch die Zahl der Weißstörche zu, die aus ihren Winterquartieren zurückkehren und ihre Nistplätze beziehen. Das Weibchen war bereits am Donnerstag im Erbstorfer Horst an der Dorfstraße/Ecke Grüner Jäger Weg gelandet, gestern folgte dann das Männchen. Und auch in Artlenburg ist Dauergast Adi nicht mehr allein, sondern teilt sein Nest seit Ende Februar mit einem Weibchen. 33 Brutpaare zählte Storchenbetreuer Hubert Horn im vergangenen Jahr links der Elbe, so viel wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnung im Jahr 1971.

Bereits im elften Jahr freut sich Heinz Georg Düllberg über die Rückkehr der Störche nach Erbstorf: „Seit 2004 nistet ein Paar auf der alten Feuerwehrsirene“, sagt der Hobbyornithologe, „und seit 2006 stets das selbe, das nun zurück ist aus dem spanischen Winterquartier.“ Dass es die zwei Tiere stets wieder in den Adendorfer Ortsteil verschlägt, liegt nicht nur an der Lage des Horstes. „Störche sind nesttreu. Nach einer ersten erfolgreichen Aufzucht kommen beide Partner Jahr für Jahr zurück“, erklärt Düllberg.
Dass diese zwei Weißstörche bereits Anfang März zurück sind, liegt an ihrer Flugroute sie sind sogenannte Westzieher. Diese kommen aus Nordafrika oder Spanien über Frankreich zu ihren Nistplätzen. Ostzieher hingegen fliegen über die Türkei und den Bosporus, kommen erst Anfang April an ihren Brutplätzen an.

Ebenfalls die Westroute wählte der weibliche Artlenburger Storch. Bereits seit Anfang des Jahres wartete Adi, vermutlich ein Wintergast, in seinem Nest auf dem Dach eines großen Wohnhauses an der Großen Straße auf seine Partnerin. Die ist nun eingetroffen. „Ich kann die Tiere von meinem Büro aus beobachten“, sagt Artlenburgs Bürgermeister Rolf Twesten.

Pünktlich zur Rückkehr der Zugvögel wurde auch die erste Rote Liste wandernder Vogelarten erarbeitet (siehe auch Bericht Seite 16). Darin fordern der Deutsche Rat für Vogelschutz und das Bundesamt für Naturschutz internationale und nationale Schutzmaßnahmen für Flugrouten und Rastplätze. Der Weißstorch gehört zwar nicht zu den gefährdeten Arten, aber Düllberg nennt Aspekte, von denen wandernde Vögel grundsätzlich profitieren: „Die Hauptflugrouten müssen frei von Freileitungen für Elektrizität und Windrädern gehalten werden. Und wichtig sind geschützte Gebiete auf der Reise, damit die Tiere in Ruhe Nahrung finden können.“

Entscheidend für den Storchennachwuchs ist laut Düllberg auch das Wetter. Es darf weder zu trocken, noch zu feucht sein. Besonders wenn die Jungstörche im Mai nach der Paarung und einmonatigen Brutphase geschlüpft sind, suchen die Eltern nach kleiner Nahrung wie Regenwürmern. Gelegentlicher Regen ist dafür ideal so wie im vergangenen Jahr ab Juni. 65 junge Störche zählte Storchenbetreuer Horn. Im Durchschnitt sind es 54. Rechts der Elbe in der Gemeinde Amt Neuhaus waren es sogar noch deutlich mehr. Bei insgesamt 45 Brutpaaren beobachtete Storchenbetreuer Helmut Eggers 105 Jungtiere.

In Erbstorf wird Düllberg nun geduldig warten, „dass die Altvögel Nahrung zum Nest bringen, dann ist es soweit“. Und mit Glück lassen sich die Jungtiere sogar von der Straße aus beobachten.“ Auf der ehemaligen Feuerwehrsirene wird das Klappern noch lauter. Zu den Schnäbeln der Altvögeln kommen noch zwei bis drei kleinere hinzu. Bis die Jungen nach acht bis neun Wochen flügge werden und im Spätsommer ihre erste Reise in den Süden antreten.