Donnerstag , 29. September 2016
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Jugendreferentin Tanja Garborek (l.) und Gemeindereferentin Martina Forster sprechen mit dem Präventionsprogramm 100 Ehrenamtliche an, die in der Kinder- und Jugendarbeit tätig sind. Foto:be
Jugendreferentin Tanja Garborek (l.) und Gemeindereferentin Martina Forster sprechen mit dem Präventionsprogramm 100 Ehrenamtliche an, die in der Kinder- und Jugendarbeit tätig sind. Foto:be

Mit Achtsamkeit gegen Missbrauch

rast Lüneburg. Das Kapitel sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche ist für Weihbischof Heinz-Günter Bongartz ,,noch lange nicht abgeschlossen“, wie er in einem LZ-Gespräch sagte. Er war von 2007 bis 2011 Bischöflicher Beauftragter für Fragen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Geistliche im Bistum Hildesheim, rund 35 Fälle seien bekannt geworden. Doch das Problem gehe über die Priester hinaus: „Wir müssen ein entsprechendes Hilfesystem anbieten. Wir bauen aktuell ein Präventionssystem auf, 16000 ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter im Bistum werden in Schulungen sensibilisiert, damit eine Achtsamkeit für das Thema Missbrauch besteht.“ Allein im Dekanat Lüneburg gibt es 100 Menschen, die im Bereich Kinder- und Jugendarbeit aktiv sind. Für 27 von ihnen gab es jetzt im Gemeindehaus von St. Marien unter dem Motto ,,Augen auf… Hinschauen und schützen“ ein Seminar, bereits das dritte Präventionsprogramm in Lüneburg.

Geleitet wurde das Seminar von Tanja Garborek vom Jugendreferat des Dekanats Unterelbe, zu den Teilnehmern zählten unter anderem jugendliche Gruppenleiter, Ehrenamtliche aus dem Kindergottesdienstangebot ,,Kinderabenteuerland“ wie auch Chorleiter und Küster. Garborek: ,,Wir müssen zu einer Kultur der Achtsamkeit kommen zum Schutz der Kinder, Jugendlichen und erwachsenen Schutzbefohlenen.“ So werden die Teilnehmer in einem ersten Schritt für äußere Anzeichen von Misshandlungen sensibilisiert: ,,Hat ein Kind oder Jugendlicher häufiger blaue Flecke oder sogar Knochenbrüche?“ Es gibt auch Anzeichen für seelische Misshandlungen: ,,Das Kind ist in sich gekehrt, wobei es auch gesundheitliche Anzeichen wie etwa Bauchschmerzen gibt, über die es häufig klagt.“ Der Missbrauch kann sich auch anders äußern: ,,Das Kind wird plötzlich aggressiv, schlägt um sich.“ Der Tipp der Jugendreferentin: ,,Diese Verhaltensänderungen müssen angesprochen werden.“

Tanja Garborek vermittelt auch die entlarvenden Täter-Strategien: ,,Sie bereiten ihre Taten vor, nutzen ihre Macht aus und missbrauchen das Vertrauen ihrer Opfer. Sie testen aus, wie weit sie gehen können. Kommt kein Widerstand, geht es einen Schritt weiter.“ Da wird dem Kind klar gemacht ,,Das ist unser Geheimnis“ und ihm suggeriert ,,Das wolltest du doch auch“ hier verdrehen die Täter die Situation mit dem Ziel, dass sich die Kinder schuldig fühlen: ,,Dann fällt es den Kindern schwer, ,Nein zu sagen.“

Das Bistum hat übrigens eine Präventionsordnung mit neuen Standards veröffentlicht. Dazu gehören unter anderem ein erweitertes Führungszeugnis von allen Beschäftigten, eine ergänzende Selbstauskunftserklärung auch für Ehrenamtliche, eine Kindesschutzerklärung von allen, die im kinder- und jugendnahen Bereich tätig sind, sowie verpflichtende Schulungen. Mehr Infos zum Thema unter www.prävention.bistum-hildesheim.de im Internet.

One comment

  1. Angelika Oetken

    Präventions- und Schulungsveranstaltungen sind wichtig. Vorausgehen sollte aber die möglichst genaue Aufklärung und Aufarbeitung schon geschehener Verbrechen. Nur so entstehen passgenaue Konzepte.

    Und an der Stelle gibt es im Bistum Hildesheim noch zu tun
    http://skydaddy.wordpress.com/tag/heinz-gunter-bongartz/

    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die in Kindheit und/oder Jugend Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden