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Begleitet von massiven Protesten sind 2010 auf dem Wasserweg neue Transformatoren zum Kernkraftwerk Krümmel transportiert worden. Ab kommenden Dienstag werden vier der bis zu 446 Tonnen schweren Maschinen an andere Standorte gebracht. Foto: tja
Begleitet von massiven Protesten sind 2010 auf dem Wasserweg neue Transformatoren zum Kernkraftwerk Krümmel transportiert worden. Ab kommenden Dienstag werden vier der bis zu 446 Tonnen schweren Maschinen an andere Standorte gebracht. Foto: tja

XXL-Trafos verlassen Atommeiler

tja Geesthacht. Es waren ein gewaltiger Kraftakt und ein Aufwand von rund 30 Millionen Euro. Doch vergeblich: Das Austauschprogramm von 24 Transformatoren auf dem Gelände des Kernkraftwerkes Krümmel im Jahr 2010 zahlte sich für den Energiekonzern Vattenfall nicht aus. Unter dem Eindruck der verheerenden Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima kam schließlich 2011 das endgültige Aus für den bis dahin weltweit leistungsstärksten Siedewasserreaktor am Elbufer bei Geesthacht. Nun sollen die beiden großen Maschinentransformatoren, die den im Reaktor erzeugten Strom in das 380000-Volt-Netz einspeisen sollten, für eine weitere Nutzung abtransportiert werden. Auch zwei etwas kleinere Modelle kommen wieder weg.

Der erste der beiden 446 Tonnen schweren Transformatoren soll am kommenden Dienstag, 18. März, von Krümmel zum Umschlagplatz im Hafen rollen. Dort wird, wie bei der Anlieferung, ein Spezialschiff festmachen, um den Schwertransport aufzunehmen. Gesamtgewicht des Transports auf der Elbuferstraße: gut 600 Tonnen.

Die beiden XXL-Trafos haben bisher keine einzige Betriebsstunde „auf der Uhr“. Sie wurden installiert, nachdem zunächst der erste Trafo 2007 durch einen Defekt spektakulär in Brand geraten war und das Kraftwerk am Elbufer in die Schlagzeilen gebracht hatte. Der zweite Trafo fiel 2009 aus, als versucht wurde, die Anlage zum Teil wieder anzufahren. Seitdem (siehe Chronologie) steht Krümmel still und wird nie wieder Strom erzeugen. Die Menge, die der Siedewasserreaktor pro Jahr erzeugen konnte, reichte aus, um drei Millionen Haushalte mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden Strom zu versorgen.

Vattenfall hat von der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde in Schleswig-Holstein die erforderliche Zustimmung erhalten, die vier Transformatoren im Kernkraftwerk Krümmel durch einen neuen Transformator zu ersetzen. Das Kraftwerk befindet sich im sogenannten „längerfristigen Stillstandsbetrieb“ und benötigt deshalb nur noch Strom für den Eigenbedarf. „Dafür werden weniger Transformatoren benötigt“, erklärt Sandra Kühberger, Sprecherin von Vattenfall in Berlin. „Durch den Transformatorentausch können Energieverbrauch und Kosten gesenkt werden. Gleichzeitig reduziert sich auch die Geräuschentwicklung durch die Trafos“, sagt sie. Die Zuverlässigkeit der Netzanbindung und der Stromversorgung des Kraftwerks bleiben von der Maßnahme unberührt, so Kühberger.

Die Transporte beginnen am 18. März und dauern nach Angaben von Vattenfall voraussichtlich bis Ende März. Für die Transporte muss die Elb­uferstraße jeweils in der Zeit von 22 bis 6 Uhr zeitweilig gesperrt werden. „Bei allen Transporten handelt es sich nicht um Radioaktiv-Transporte, sondern um konventionelle Transporte“, macht Sandra Kühberger deutlich.

Bei der Anlieferung der Trafos hatten bis zu 120 Polizisten die Transportstrecke gesichert. Die Anti-Atomkraftbewegung nutzte damals den Transport, um für ihr Ziel zu demonstrieren. Atomkraftgegner seilten sich über der Straße ab, andere ketteten sich an den Tieflader. Immer wieder gab es dadurch Verzögerungen. Von der Kata­strophe, die ihre Bemühungen ein Jahr später beinahe im Handstreich zum Erfolg werden ließ, ahnten sie damals noch nichts.

Man fürchtete, dass Krümmel nach der Trafo-Erneuerung wieder ans Netz gehen könnte. „Ich gehe davon aus, dass wir diesmal keine Probleme bekommen werden“, sagt Jürgen Hellwig, der Vize-Chef der Geesthachter Polizei. „Wir werden die Transportstrecke sperren und sind auch auf Eventualitäten vorbereitet, aber es ist ein ganz normaler Schwertransport ohne besonderen Charakter“, sagt Hellwig weiter.