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Der Bau der Spundwand am Elbedeich vor dem Wohnmobilstellplatz in Hohnstorf ist abgeschlossen, jetzt soll noch auf einer Länge von 300 Metern die Kleieschicht verstärkt werden. Foto: be
Der Bau der Spundwand am Elbedeich vor dem Wohnmobilstellplatz in Hohnstorf ist abgeschlossen, jetzt soll noch auf einer Länge von 300 Metern die Kleieschicht verstärkt werden. Foto: be

Warmer Regen für Deichbauer

kre Hohnstorf/Lüneburg. Es ist nur eine Atempause, die Pe­trus den Elbanwohnern gönnt: Denn nach dem Hochwasser ist vor dem Hochwasser. Das weiß Norbert Thiemann, Geschäftsführer des Artlenburger Deichverbandes. Und das weiß auch Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne). Das Land stellt deshalb für den Hochwasserschutz im Binnenland insgesamt 16,4 Millionen Euro bereit. Für die Planung und Umsetzung von Hochwasserschutzmaßnahmen.

,,Mit diesem Geld können voraussichtlich 39 Vorhaben von Kommunen, Verbänden und Land fortgeführt oder neu begonnen werden“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landes. Geld bekommt unter anderem der Artlenburger Deichverband: Beim Setzen einer Spundwand am Hohnstorfer Deich in Richtung Brücke hatten die Experten festgestellt, dass beim Bau des Deiches in den 1970er-Jahren viel zu wenig Kleie verbaut wurde. ,,Teilweise beträgt die Kleieschicht auf der Wasserseite nur 20 Zentimeter“, erläutert Thiemann. Das sei viel zu wenig. ,,Dadurch steigt die Gefahr, dass der Deich bei Hochwasser schneller durchfeuchtet“, verdeutlicht der Deichexperte das Problem.

Warum die Deichbauer vor 40 Jahren beim Bau des Hochwasserschutzes mit Kleie knauserten, kann sich auch Thiemann nicht erklären. Fest steht nur  ,,die Kleieschicht muss mindestens einen Meter dick sein“. Jetzt also muss auf 300 Metern Deich erst einmal genau kontrolliert werden, wo wieviel Kleie fehlt. 60000 Euro kostet diese Untersuchung. Wenig im Vergleich zu den Reparaturarbeiten, wenn erst einmal damit begonnen wird, die fehlende Kleieschicht einzuarbeiten. Die Summe dafür kann Thiemann jetzt allerdings noch nicht benennnen.

Dafür liegen die Rechnungen für den Bau der rund 300 Meter langen Spundwand vor. „600000 Euro hat die gekostet“, berichtet Thiemann. Am vergangenen Montag sei Bauabnahme gewesen. Jetzt müssen nur noch fehlende Malerarbeiten an dem Bauwerk vorgenommen werden. Der Bau der Spundwand wurde notwendig, nachdem auf dem Deichplateau Hohlräume entdeckt worden waren.

Geld aus dem Topf für Hochwasserschutzmaßnahmen bekommt auch die Samtgemeinde Elbtalaue im Nachbarkreis Lüchow-Dannenberg für die Variantenuntersuchungen des Hochwasserschutzes in Neu Darchau und am Kateminer Mühlenbach. Bei Neu Darchau wollen Deich- und Brückenbauer in den kommenden Monaten den Schulterschluss üben. Geprüft werden soll, ob und wie die Pläne für den Hochwasserschutz und den Bau einer Elbbrücke in Einklang zu bringen sind.

Dass die Konzepte kollidieren, sich die Planer gegenseitig behindern, halten der zuständige Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und der Landkreis Lüneburg momentan für unwahrscheinlich. Stattdessen hoffen die Behörden auf Synergieeffekte. „Es hat bereits mehrere Gespräche mit dem NLWKN gegeben, mit dem Ergebnis, dass die Deichlinie und die für den Brückenbau erforderliche Trasse für die Umgehungsstraße in einem bestimmten Abschnitt in Deckung gebracht werden sollen“, hieß es bereits Ende Dezember aus dem Kreishaus. Im Klartext: Die Umgehungsstraße im Bereich des Schutzwalles soll auf der Deichkrone verlaufen.