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Ob der Heide-Express zwischen Lüneburg und Soltau bald wieder Gesellschaft durch einen regulären Bahnbetrieb erhält, will das Land Niedersachsen Anfang April entscheiden. Foto: be
Ob der Heide-Express zwischen Lüneburg und Soltau bald wieder Gesellschaft durch einen regulären Bahnbetrieb erhält, will das Land Niedersachsen Anfang April entscheiden. Foto: be

„Lüneburg-Soltau“ bleibt im Rennen

dth Lüneburg/Hannover. Die alte Bahnstrecke Lüneburg-Soltau ist unter den letzten acht, die aus Sicht des Landes für eine Reaktivierung in Frage kommen. Mit der Bahnstrecke Maschen-Buchholz bleibt eine weitere Trasse aus der Region im Rennen. Für andere alte Linienführungen in Nordost-Niedersachsen ist der Zug bei dem Prüfungsprozess unter Federführung des Wirtschaftsministeriums in Hannover abgefahren. Bereits am Freitag hat der vom Ministerium eingesetzte Lenkungskreis seine einstimmige Empfehlung abgegeben, acht ausgewählte Schienenstrecken detaillierter auf deren Reaktivierungswürdigkeit untersuchen zu lassen. Die endgültige Entscheidung, welche Strecken tatsächlich wieder in Betrieb gehen, soll im April fallen.

Bewertet wurden die Strecken nach Kriterien wie „Verkehrspotenzial“, „Ziele der Raumordnung und Landesplanung“, „Konkurrenzsituation“ bis hin zu den Kosten. In der Rangfolge der letzten acht, angeführt von der Strecke Braunschweig-Gliesmarode-Harvesse, landete die Strecke Maschen-Buchholz im Nachbarkreis Harburg auf Platz vier. Die landkreisübergreifene Strecke Lüneburg-Soltau steht auf Platz fünf. Knapp abgehängt sind die regionalen Strecken Zeven-Tostedt (Platz neun) und Lüneburg-Bleckede (zehn). Die Strecke Celle-Soltau kommt auf Platz 16, gefolgt von der Trasse Winsen/Luhe-Hützel-Soltau (17).

„Ich freue mich sehr, dass jedenfalls eine der beiden Lüneburger Strecken in die engere Wahl gekommen ist und ich hoffe sehr, dass sich auch für die Bahntrasse nach Bleckede zu einem späteren Zeitpunkt noch eine Lösung finden lässt“, teilt etwa die Lüneburger Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers (SPD) in einer ersten Reaktion mit.

Derzeit wird die Strecke Lüneburg-Bleckede von der Bleckeder Kleinbahn bespielt, mit Museumszügen der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg e.V. (AVL). Die AVL verkehrte unter anderem auch mit dem Heide-Express als Touristenattraktion zuletzt wieder regelmäßig zwischen Lüneburg und Bispingen. Bispingens Bürgermeisterin Sabine Schlüter sieht jene Verbindung als Beleg für die Nachfrage nach weiterem Personenverkehr auf der Schiene. Und solange die weiterführende Strecke Lüneburg-Soltau noch im Topf bleibt, dürfen auch noch Zugfans der Lüneburger Universität weiter träumen vom „Leuphana Express“, der Studenten vom Lüneburger Bahnhof zum Uni-Gelände kutschieren könnte.

Ursprünglich waren landesweit rund 80 stillgelegte Strecken zur Ertüchtigung vorgeschlagen worden. Nach dem Ausschlussprinzip wurde kräftig ausgesiebt, bis zuletzt im Dezember nur noch 28 Strecken übrig blieben (LZ berichtete). Dabei fielen auch Strecken in Lüchow-Dannenberg hinten runter, was im Nachbarkreis für Enttäuschung sorgte. Dass in der anderen Richtung im weiteren Prüfverfahren nun auch Winsen/Luhe-Hützel-Soltau wieder ausrangiert wurde, dürfte hingegen für Aufatmen bei Winsens Bürgermeister André Wiese (CDU) gesorgt haben. Der hatte befürchtet, dass die Aussicht auf einen besseren Personennahverkehr nur ein Köder für die Kommunen sei, um den Güterverkehr auf der Schiene weiter auszubauen.

Weiter im Raum steht die Kritik der kommunalen Spitzenverbände: Der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund hatte neben dem Niedersächsischen Landkreistag wiederholt angemahnt, dass das Land bei der Reaktivierung lediglich 75 Prozent der Investitionskosten fördern wolle, die restlichen 25 Prozent den Kommunen und Kreisen aufgebürdet würden. Welche Kommunen und Kreise sich genau künftig darüber mit dem Land auseinander setzen dürfen, soll im April feststehen. Dann will der Lenkungskreis mit Wirtschaftsminister Olaf Lies die Entscheidung fällen.

2 Kommentare

  1. Gute Ideen, die die Anwohner wohl aber nicht teilen werden. Warum man Lüneburg-Bleckede in Betracht zieht weiß ich nicht, da es eine Sackgasse ist? Das ganze hat irgendwas von einem Nostalgieprojekt. Warum plant eigentlich das Land so etwas und nicht die Deutsche Bahn? Soll da quersubventioniert werden?

  2. Das Land ist für den Schienenpersonennahverkehr zuständig. Die Deutsche Bahn (und auch der metronom) fährt ihre Regionalzüge auch nur im Auftrag des jeweiligen Bundeslandes.
    Wie auch der private KfZ-, Luft-, Schifffahrts- und Luftverkehr ist auch der Eisenbahnverkehr auf Subventionen angewiesen. Lediglich der Fernverkehr und die Unterhaltung des Schienennetzes laufen hier eigenwirtschaftlich.
    Die Deutsche Bahn wäre auch ansonsten nicht zuständig, da die Eisenbahnstrecke im Besitz der Osthannoverschen Eisenbahnen ist.

    Zur Strecke selbst: Zum Potenzial tragen wahrscheinlich das Anbinden südlicher Lüneburger Stadtteile und der Universität an den Lüneburger Bahnhof, sowie das Erschließen der Touristenorte Amelinghausen und Bispingen bei. Nicht zuletzt führt die Strecke auch dicht am Heide-Park vorbei und schafft eine durchgehende Verbindung nach Soltau, von wo aus man weitere Ziele wie Walsrode oder Bremen erreichen kann. Es gibt mit Pendlern- und Touristenpotenzial gleich zwei potenzielle Nutzergruppen. Der hohe Erfolg der von der Gemeinde Bispingen iniierten wöchentlichen Touristenfahrten nach Lüneburg im Sommer kann als Indikator gewertet werden.