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Landessuperintendent Dieter Rathing (r.) vor der Kapelle auf dem Gelände der Psychiatrischen Klinik im Gespräch mit den für die Klinikseelsorge auch im Städtischen Klinikum zuständigen Seelsorgern Pastor Ralf Kölling, Inge Heck (2.v.l.) und Doris Paland. Foto: t&w
Landessuperintendent Dieter Rathing (r.) vor der Kapelle auf dem Gelände der Psychiatrischen Klinik im Gespräch mit den für die Klinikseelsorge auch im Städtischen Klinikum zuständigen Seelsorgern Pastor Ralf Kölling, Inge Heck (2.v.l.) und Doris Paland. Foto: t&w

Kirche vor neuen Herausforderungen

rast Lüneburg. ,,Die Verantwortung der Kirche geht über die Gemeindearbeit hinaus und was da beispielsweise diakonisch zu leisten ist, geht nur dank einer guten Dienstgemeinschaft von Pastorinnen, Pastoren und Ehrenamtlichen“, sagt Landessuperintendent Dieter Rathing und lobt dabei das Engagement aller, die er jetzt bei seiner 14-tägigen Visitation mit rund 30 Terminen im Kirchenkreis Lüneburg mit seinen 17 Gemeinden kennengelernt hat. Im LZ-Gespräch zum Abschluss der Besuchstour geht er allerdings auch auf die ,,gestiegenen Notwendigkeiten für Strukturanpassungen“ ein.

,,Die Pastoren sind öfter auf Friedhöfen als am Taufstein“, sagt der Regionalbischof mit Blick auf sinkende Mitgliederzahlen: ,,Die Landeskirche verliert pro Jahr etwa ein Prozent ihrer Gemeindemitglieder, die Hälfte durch den demografischen Wandel und jeweils ein Viertel durch Austritte und Taufunterlassungen.“ Recht gut steht dabei der Kirchenkreis Lüneburg da, Superintendentin Christine Schmid nennt hier einen durchschnittlichen Rückgang von 0,5 Prozent im Jahr: ,,2007 hatten wir 63304 Mitglieder, aktuell sind es 61827 bei 130676 Einwohnern.“ Damit sind 41,7 Prozent evangelisch, acht Prozent römisch-katholisch und der Rest verteile sich auf andere Konfessionen oder sei konfessionslos.

Die relativ guten Lüneburger Zahlen führt Christine Schmid auf die ,,Zuzüge in die attraktive Hansestadt“ zurück, während der Kirchenkreis Bleckede über starke Verluste klage, darum auch die geplante Fusion. Rathing: ,,Die Standortfrage für die Verwaltung beider Kirchenkreise, sie könnte in Winsen oder Lüneburg sein, ist noch nicht geklärt, das bindet aktuell unverhältnismäßig viel Kraft.“

Gerade die Kirchen in Lüneburg, wo Rathing selbst wohnt, hätten eine breite Verantwortung übernommen und ständen etwa im Bereich Tourismus vor einer großen Herausforderung, die sie aber vorbildlich meisterten, so der Landessuperintendent: ,,Das gottesdienstliche, kirchenmusikalische und kulturelle Angebot hier ist lebendig und einmalig.“ Hier gebe es auch Einrichtungen und Initiativen, die andere Kreise nicht hätten von der Hochschulseelsorge über die intensive Arbeit mit Menschen mit Behinderungen bis hin zum Fusionsmanagement und der Projektstelle für das Reformationsgedenken 2017. Darüber hinaus werde diakonisch gearbeitet etwa über den Diakonieverband und den Herbergsverein: ,,Daneben gibt es viele kleine, sinnvolle Aktivitäten wie die Kindertafel, das Stövchen, die Präsenz in den Stadtteilen und den Fonds zur Vermeidung von Kinderarmut.“

Lob zollte Dieter Rathing auch den Seelsorgern im Städtischen Klinikum und in der Psychiatrischen Klinik: ,,Ich habe erstmals richtig wahrgenommen, wie sie mittendrin sind im normalen Leben in den Kliniken, wie sie integriert sind. Sie sitzen nicht in einem Zimmerlein und warten, dass jemand anklopft.“ Das weiß auch die Gesundheitsholding zu schätzen, die sich an der Finanzierung beteiligt.

Die seit der Reformationszeit üblich gewordene und heute alle sechs Jahre stattfindende Visititation versteht sich vor allem als Beratungsinstrument. Der Kirchenkreis und seine Einrichtungen haben Rathing, der sein Amt in Lüneburg vor zweieinhalb Jahren antrat, ihre Entwicklungen und ihre Arbeit vorgestellt. Eine der wichtigsten Herausforderungen ist die Professionalisierung in einigen Bereichen, was in Lüneburg bereits mit der Gründung des Kita-Verbandes und in der Öffentlichkeitsarbeit geschehen ist.

Superintendentin Schmid weiß: ,,Die Gesellschaft wandelt sich, das Leben ändert sich. So können Konfirmanden durch die Ganztagsschule erst abends unterrichtet werden. Das Thema Einsamkeit wird immer stärker, das merken wir bei den Sonntagscafés in der Paulusgemeinde und in Adendorf.“ Um vermehrt jüngere Menschen zu binden, seien neue Ideen gefragt: ,,So läuft jetzt in vier Gemeinden ,Come together als Pilotprojekt, über das Popmusik in die Kirche getragen werden soll. Die Sessions begleitet der Musiker Sebastian Brand.“ So müsse gegengesteuert werden, denn Chrsitine Schmid weiß ebenso wie Dieter Rathing: ,,Wir sind Teil einer kleiner werdenden Kirche.“

2 Kommentare

  1. magnusausonius

    Zu der Entwicklung, durch schwindende Mitgliederzahlen im öffentlichen Leben immer weniger sichtbar zu werden, haben die großen Kirchen in Deutschland maßgeblich selbst beigetragen. Statt die frohmachende Botschaft des Evangeliums vorzuleben und überzeugend zu verkünden, beschäftigen sich ihre Amtsträger, die von der veröffentlichten Meinung mittlerweile nur noch wahlweise als rückständig, geldgierig oder sexuell fehlgeleitet wahrgenommen werden, lieber mit nachrangigen Fragen. Es geht um „fair-trade“-Produkte beim Gemeindefest, liturgische Jam-Sessions, die Bibel in „gendersensitivem“ Deutsch, oder man verzettelt sich in Diskussionen über vermeintliche Schnittmengen zum Islam. Die Kirchenleitungen veröffentlichen Handreichungen zu den Vorzügen der Bürgerversicherung oder zu Nachhaltigkeitsfragen in KiTas. Gleichzeitig werden von breiten Bevölkerungsschichten die grundlegenden Schriften des christlichen Glaubens nicht mehr gelesen und schon gar nicht für das eigene Leben angenommen. Fragen Sie mal die angesprochenen 41,7% (Noch-)Kirchenmitglieder evangelischen Glaubens auf der Straße, ob das Buch der Psalmen im Alten oder im Neuen Testament zu finden ist. Sie werden über das Ergebnis staunen. Vor lauter selbstverleugnender Toleranz gegenüber allem und jedem ist man dabei, die eigenen Wurzeln verdorren zu lassen und die weltverändernde Kraft und Schönheit von Gottes Wort zu vergessen.

  2. Vorab: Es gibt keinen Gott, es gibt keine Götter! — Die evangelische Kirche in Deutschland besteht hauptsächlich aus Karteileichen. — Es gehen nur ungefähr 3,6% der Mitglieder am Sonntag in die Kirche. — Bei uns in Regensburg sind im Januar über 2 Promille der Mitglieder ausgetreten. — Ohne die „teuflischen“ (abrenuntiatio diaboli) Kleinkindtaufen, gegen das Selbstbestimmungsrecht, wären die beiden großen christlichen Kirchen nur Randerscheinungen.