Dienstag , 27. September 2016
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Die Familie Clavin reist mit einem Tuk-Tuk, einer Motorrad-Rikscha. Über Monate waren Eltern und Kinder unterwegs, sie planen die nächste Reise. Foto: nh
Die Familie Clavin reist mit einem Tuk-Tuk, einer Motorrad-Rikscha. Über Monate waren Eltern und Kinder unterwegs, sie planen die nächste Reise. Foto: nh

Weite Welt als Klassenzimmer

ca Lüneburg. Hausaufgaben hat Amelie schon mit Blick auf einen mit Palmen bestandenem Strand oder direkt am Pool eines Hotels erledigt monatelang. Denn ihre Eltern haben das Klassenzimmer des Teenagers schon dreimal verlegt: nach Sri Lanka, Malaysia, Borneo und Brunei. Auch ihre jüngste Tochter Smila haben Malte und Annette Clavin bereits mitgenommen auf Weltreisen. Clavin, gebürtiger Lüneburger, kommt mit seiner Familie am Sonnabend, 29. März, zu zwei Vorträgen an die Ilmenau. Um 16 Uhr geht es in Hörsaal2 der Universität um „Weltklasse“, um 20 Uhr steht das Thema „Burma Gold, Geister und Giganten“ im Mittelpunkt.

„Wir sind schon früher viel gereist“, erzählt der 47-Jährige. Doch als er und seine Frau sich 1999 kennenlernten, „mussten Reisepläne erst einmal in der Schublade verschwinden. Als Amelie drei war, haben wir die Ideen wieder rausgeholt“: Es ging zunächst auf spanische Inseln wie Mallorca und Menorca, später folgten als „Test“ vier Wochen in Thailand, darauf für ein halbes Jahr nach Kambodscha, Laos und Vietnam. Als 2008 Amelies Schwester Smila zur Welt kam, ging es kurz darauf wieder los, mehrere Monate nach Sri Lanka. „Wir haben unsere Große damals aus der Schule genommen und selber unterrichtet“, sagt ihre Mutter. Sie habe Kontakt zu den Lehrern gehalten und den Lehrplan abgestimmt: „In der Grundschule ist das absolut machbar.“ Unterlagen habe man zu Hause vorher eingescannt oder sich Arbeiten per Fax schicken lassen, trotzdem wog Amelies Schultasche stolze sechs Kilo. Die Lehrer seien zufrieden gewesen, das Pensum habe die Tochter mehr als erfüllt.

Doch Amelie habe eine Menge mehr gelernt. Biologieunterricht wurde ganz praktisch: Die Familie sah sich eine Aufzuchtstation für Schildkröten an. Und natürlich versteht man das Zusammenleben von Menschen in anderen Kulturkreisen besser, wenn man sie in ihrem Alltag längere Zeit begleitet. Auch ihre Not. So haben die Clavins auf Einladung eines deutschen Diplomaten ein Flüchtlingslager in Asien besucht. In Burma etwa sei die Herrschaft der Militärs „deutlich zu spüren gewesen und auch die Gastfreundschaft der Menschen“, sagt der Vater. Angst habe die Familie nicht gehabt: „Wer so reist wie wir, ist verletzlich. Das empfinden die Menschen und sind daher ganz offen.“

Clavin, der am Schwalbenberg sein Wirtschaftsabitur ablegte und in der Schlieffen-Kaserne seinen Wehrdienst ableistete, und seine Frau müssen sich einiges einfallen lassen, um ihre Weltentdeckungen zu finanzieren. Er arbeitet als Fotograf, Reiseleiter und Unternehmensberater. Auch die Vorträge bringen Geld in die Kasse der in Berlin lebenden Familie. „Wir müssen auf mehreren Beinen stehen, um das hinzubekommen“, sagt er. Die Wohnung werde in der Reisezeit untervermietet. Die 14-jährige Amelie findet das Leben spannend, freut sich auf die nächste Reise, die wieder nach Asien führt. Und wenn man den Clavins zuhört, hat man das Gefühl, auch mit kleinen Kindern steht reiselustigen Eltern die Welt offen wenn sie sich gut vorbereiten.

In den mit eindrucksvollen Aufnahmen begleiteten Vorträgen geht es um die Herausforderung, mit Töchtern und Söhnen in die weite Welt zu gehen, aber auch um den Zauber eines Landes wie Burma. Wer Karten bestellen will, kann dies im Internet unter www.clavin-photo.com. Zudem gibt es Karten im LZ-Ticketshop am Sand sowie bei Unibuch auf dem Campus.