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Schweine in Gefahr: Um eine Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern, sind besondere Schutzmaßnahmen erforderlich. Foto: A/t&w
Schweine in Gefahr: Um eine Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern, sind besondere Schutzmaßnahmen erforderlich. Foto: A/t&w

Schutz vor der Schweinepest

mm Lüneburg. Die Afrikanische Schweinepest (AFP) ist auf dem Vormarsch, noch hat sie Deutschland nicht erreicht, zuletzt wurden Mitte Februar nahe der polnischen Grenze zu Weißrussland zwei infizierte Wildschweine gemeldet. „Das Virus ist nicht auf den Menschen übertragbar, auch nicht durch den Verzehr von infiziertem Fleisch“, stellt Uwe Tiedemann, Präsident der Tierärztekammer Niedersachsen, klar. Doch für die Schweinehaltung ist die Lage bedrohlich. Gibt es infizierte Schweine, müssten ganze Bestände gekeult werden. Einen Impfstoff gibt es nicht. Welche vorbeugenden Maßnahmen nun ergriffen werden, beriet ein Krisenstab im Landwirtschaftsministerium in Berlin, zu dem gehörte auch Tiedemann.

„Wir starten eine Informationskampagne für saisonale Arbeitskräfte aus Osteuropa“, erzählt der Lüneburger Tierarzt. Von dort verbreitet sich das Virus, hauptsächlich durch das Verfüttern von Essensresten und Schlachtabfällen. Übertragen wird die für Schweine in der Regel tödliche Krankheit auch über den direkten Kontakt von Tier zu Tier sowie kontaminierte Stiefel, Kleidung oder Gegenstände.Gerade Saisonarbeiter aus Polen, Litauen und Rumänien oder Transitreisende und Fernfahrer könnten das Virus über die Grenze bringen. Deswegen soll auf Flyern und Plakaten an Autobahnraststätten, auf Parkplätzen und Autohöfen nun gewarnt werden, keine fleischigen Essensreste achtlos wegzuwerfen, sondern nur in Mülleimern zu entsorgen. Wildschweine könnten sonst an infiziertes Fleisch geraten. Das Virus überlebt in gefrorenem, gepökeltem und geräuchertem Fleisch und Wurstwaren, daher ist die Einfuhr von tierischen Produkten und auch Milch aus AFP-betroffenen Ländern nun verboten. Zudem sollen die geforderten Untersuchungen bei getöteten Wildschweinen ausgeweitet werden.

Der Lüneburger Tierarzt Dr. Uwe Tiedemann, Präsident der Tierärztekammer Niedersachsen,  warnt vor einer raschen Verbreitung des Schweine-Virus. Foto: be
Der Lüneburger Tierarzt Dr. Uwe Tiedemann, Präsident der Tierärztekammer Niedersachsen, warnt vor einer raschen Verbreitung des Schweine-Virus. Foto: be

Proben von Verdachtsfällen gehen an das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves). Hier ist man auch auf den Ernstfall vorbereitet. Die „Task Force Veterinärwesen“ unterstützt die Landkreise im Krisenfall. Derzeit sind die Spezialisten in der niedrsächsischen Grafschaft Bentheim im Einsatz, auf einem Legehennenbetrieb in Laar war das H5N1-Virus, sprich die Vogelgrippe, ausgebrochen. „Unsere Leute übernehmen bei Ausbruch einer Tierseuche die übergeordnete Koordination“, sagt Laves-Sprecherin Hiltrud Schrandt. Die Experten managen die Einsätze über die Landkreisgrenzen hi­­naus. Sie richten Krisenzentren ein, sind an der Sperrung von Höfen beteiligt und liefern technischen Sachverstand, wenn Tiere getötet werden müssen. Angefordert werden kann bei der Task Force auch ein mobiles Bekämpfungszentrum. Das umfasst um die 40 Container, darin untergebracht sind unter anderem Büros, Technik und Schutzkleidung. „Es kommt zum Einsatz, wenn die Seuchenbekämpfung mehrere Landkreise betrifft“, sagt Schrandt. Innerhalb von 36 Stunden könne das Zentrum installiert werden.

Dass es nicht zu einer akuten Seuche kommt, daran arbeitet der Berliner Krisenstab, Tiedemann erklärt: „Bei einem nächsten Treffen soll beratschlagt werden, wie die Verbreitung beispielsweie durch eine Ausweitung der Jagd eingedämmt werden kann.“ Für Jäger gilt bereits erhöhte Wachsamkeit. Vermehrt auftretendes Fallwild sollen sie dem Veterinäramt mitteilen und für eine sichere Verwahrung des Tierkadavers sorgen. Der Erreger könnte auch über Jagdtrophäen transportiert werden, die tierseuchenrechtlichen Bestimmungen sollten daher streng beachtet werden. Auch dem Veterinäramt anzuzeigen sei die Auslaufhaltung von Schweinen, teilt der Landkreis Lüneburg mit. Wie sich Schweinehalter und Landwirte schützen können, darüber informiert die Tierärztekammer Niedersachsen im Internet: http://www.tknds.de/cms_tknds/index.php?section=news&cmd=details&newsid=88