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Der Bahnhof Hitzacker mit 1060 Quadratmeter Nutzfläche wird Anfang April in Berlin versteigert. Das Mindestgebot liegt bei 32 000 Euro. Foto: nh
Der Bahnhof Hitzacker mit 1060 Quadratmeter Nutzfläche wird Anfang April in Berlin versteigert. Das Mindestgebot liegt bei 32 000 Euro. Foto: nh

Bahnhöfe unter dem Hammer

emi Hitzacker/Soltau. Künstleratelier, Gastronomiebetrieb oder Privatwohnung: Für den Mindestpreis von 32000 beziehungsweise 49000 Euro können Interessierte demnächst zwei Immobilien der besonderen Art aus dem Lüneburger Umland kaufen. Am 4. April kommen in Berlin das rund 1060 Quadratmeter große Empfangsgebäude des Bahnhofs Hitzacker sowie der Soltauer Bahnhof mit mehr als 1500 Quadratmetern Nutzfläche unter den Hammer. Sie sind die Nummern 13 und 14 im Katalog und damit zwei von insgesamt 15 Bahnhöfen aus sechs Bundesländern, die bei der Frühjahrs-Auktion von „Karhausen“ versteigert werden.

Das Berliner Auktionshaus hat seit 2010 im Auftrag eines britischen Finanzinvestors und der Deutschen Bahn bereits über 500 Bahnhöfe aus dem gesamten Bundesgebiet vermarktet. Auktionator Matthias Knake betont: „Das heißt aber nicht, dass die betreffenden Bahnstrecken dann stillgelegt werden.“ Die Bahn behalte weiterhin Teilflächen in den Gebäuden, beispielsweise für Technikräume. Infoschalter seien oftmals ohnehin bereits privatisiert.

Laut Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis würden heute viele Bahnhofsgebäude nicht mehr benötigt und stünden leer. „Das ist ja nicht sinnvoll.“ Sowohl das Objekt in Hitzacker als auch das in Soltau seien zuvor im Internet angeboten worden ohne Erfolg. „Wir haben festgestellt, dass wir durch Auktionen einen größeren Kreis erreichen können“, begründet Meyer-Lovis die Entscheidung für das Auktionshaus „Karhausen“. Die Einnahmen aus den Versteigerungen gingen an die Bahn.

Der denkmalgeschützte Hitzackeraner Bahnhofsbau aus dem Jahr 1872 liegt an der aktiven Strecke Dannenberg-Lüneburg, der Wendlandbahn. Derzeit sind etwa 116 Quadratmeter davon an die Bahn vermietet. „Auch wenn in vielen Bereichen saniert werden muss, das Gebäude hat Charme und eine solide Grundsubstanz“, sagt Knake. Das Mindestgebot für den Rotklinkerbau mit einem mehr als 1000 Quadratmeter großen Grundstück beträgt 32000 Euro.

„Ob ein Objekt zum Startpreis oder zum zehnfachen Betrag weggeht, hängt neben der Anzahl an Interessenten auch stark von seiner Lage ab“, berichtet Matthias Knake. Dass es gar nicht an den Mann gebracht werde, sei ungewöhnlich: „Ein Bahnhof wird in der Regel immer verkauft. Von 20 bleibt vielleicht mal einer übrig.“

Das Bahnhofsgebäude in Soltau sei auf Grund seiner Lage gut vermarktbar, glaubt der Auktionator. In der näheren Umgebung zu dem gelben Gebäude in Massivbauweise (Baujahr ebenfalls um 1872) befinden sich Wohn- und Mischgebiete. Das Grundstück (Gesamtgröße: 3062 Quadratmeter) liegt in direkter Nachbarschaft zum Bahnsteig Soltau. „Weil dort reger Verkehr herrscht, würden sich für die Nutzung beispielsweise ein Kiosk oder ein Reisebüro anbieten“, meint Knake. Aber auch für die Wohnnutzung sei es gut geeignet.

Mitbieten kann für die beiden Objekte grundsätzlich jeder. „Der, der persönlich kommt, muss natürlich Geld mitbringen“, sagt Auktionator Knake. „Der, der nicht nach Berlin fahren kann, kann als Telefonbieter teilnehmen. Dazu muss er sich vorher bei uns melden und Formulare ausfüllen. Auch eine Bonitätsprüfung ist erforderlich.“

Was die Versteigerung der beiden Bahnhöfe in Hitzacker und Soltau angeht, ist Matthias Knake optimistisch: „Beide sind in relativ gutem baulichen Zustand. Wir sind zuversichtlich, dass wir die loskriegen.“

Dann könnten in den Gebäuden schon bald Künstlerateliers, Gastronomiebetriebe oder Privatwohnungen der besonderen Art entstehen vielleicht sogar zum Schnäppchenpreis von rund 32000 beziehungsweise 49000 Euro.

5 Kommentare

  1. Na hoffentlich ziehen dann keine Spielhallen ein. Der wunderschöne Lüneburger Westbahnhof ist hierdurch seit Jahrzehnten ein Schandfleck. Das „Entree in die Stadt“ – ein Spielcasino!

  2. Zumindest für den Bahnhof Hitzacker, der an einer aktiven Bahnstrecke liegt, ist klar, dass dort aufgrund des Immissionschutzes keine Wohnnutzung zu genehmigen ist – also nichts mit der Privatwohnung der besonderen Art.

    • Die Bahnstrecke Lüneburg-Dannenberg wird im 3 Stunden Takt von 6-21 Uhr befahren. Von zuviel Lärm kann man da kaum reden. Die Strecke wird sowieso über kurz oder lang stillgelegt, wenn es keine Castortransporte mehr gibt. Es gibt genügend alte Bahnhöfe an aktiven Strecken die bewohnt sind. Die Immoblienpreise in Hitzacker sind aufgrund der demographischen Entwicklung allerdings im Keller, so dass es schwer wird für diesen Kasten einen Käufer zu finden.

  3. Es geht da nicht um die derzeitige Frequenz der Bahnstrecke: Auskunft des Bauamts ist, dass eine Genehmigung von Wohnnutzung an einer aktiven Bahnstrecke kaum möglich sein wird. Die Strecke könne theoretisch jederzeit mit einer deutlich höheren Frequenz befahren werden. Dass müsse bei der Genehmigungserteilung berücksichtigt werden. Damit scheide Wohnnutzung, zudem der Denkmalschutz Schallschutzmaßnahmen zusätzlich erschwere, im Prinzip aus.

  4. Wohnen im Bahnhof : Wie das geht zeigt dieser Link >http://www.bahnhof-ev.org/gebaeude/lageplan.shtml

    Dort in Ottersberg ist wahrscheinlich das Bauamt Lüchow nicht zuständig, aber in Niedersachsen gibt es nur ein Baurecht – oder ?

    Die Grundidee ist in Hitzacker ja ähnlich wie in Ottersberg, ein Verein der den alten Bahnhof erhält.

    Viel Erfolg .

    max