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Nicole Dodda und Stephan Schulz genießen gerne ein erfrischendes Bier beim Café Schokoflut in der Lauenburger Elbstraße. Foto: tja
Nicole Dodda und Stephan Schulz genießen gerne ein erfrischendes Bier beim Café Schokoflut in der Lauenburger Elbstraße. Foto: tja

Neues Leben nach der Elbeflut

tja Lauenburg. Die Flut der Elbe im Juni 2013 mit dem zweithöchsten Pegelstand der Lauenburger Stadtgeschichte von 9,64 Metern war verheerend doch die Beseitigung der Hochwasserschäden bietet auch die Chance für einen Neuanfang. Und die nutzen immer mehr Gebäudebesitzer und Unternehmer, um ausgerechnet in der Altstadt ihr Glück zu suchen.

Einfach nur weg wollten viele Menschen, als das schmutzige Elbwasser, das sich auch noch mit Abwasser aus der vollgelaufenen Kanalisation mischte, durch die Altstadt schwappte. Und als später die Schäden in Höhe von knapp 30 Millionen Euro sichtbar wurden. Viele Häuser sind noch immer nicht saniert, andere hingegen strahlen bereits wieder in frischem Glanz. Und so gesellen sich zur Töpferei „Der Topf“ von Karin Scherling, die seit ihrem Einzug vor 20 Jahren als Urgestein des Handels in der Elbstraße gilt, immer mehr Geschäfte, Werkstätten und Lokale. „Auf jeden Fall sollte noch mehr Kunsthandwerk in die Straße kommen, dann gäbe es für Touristen mehr zu sehen beim Bummeln“, sagt Karin Scherling. Auch bei ihr an der Elbstraße 89 kaufen überwiegend Touristen.

Karin Scherling ist „Pionierin“, was die Selbstständigkeit in der Elbstraße angeht, ihre Töpferei betreibt sie schon 20 Jahre. Foto: tja
Karin Scherling ist „Pionierin“, was die Selbstständigkeit in der Elbstraße angeht, ihre Töpferei betreibt sie schon 20 Jahre. Foto: tja

An der Elbstraße 20 haben Rita Hansen und ihr Lebensgefährte Fritz Hock die Chance genutzt, sich, wie Hock sagt, einen Traum zu erfüllen: Ein eigenes Café, das „Café Schokoflut“. „Wir waren in der glücklichen Situation, gemeinsam mit Hausbesitzer Jürgen Mahnecke die Beseitigung der Hochwasserschäden angehen zu können und uns das Erdgeschoss gleich so einzurichten, wie wir es gerne hätten. Dafür haben wir auch viel in Eigenleistung getan“, berichtet Hock. An einem der vor der Fassade mit den krummen Eichenbalken stehenden Tische haben Nicole Dodda und Stephan Schulz Platz genommen. „Es ist toll, dass es hier vorangeht“, sagt Nicole Dodda, die in der Nachbarschaft lebt und gerne bei Hansen und Hock einkehrt.

Ein paar Schritte weiter über das runde Kopfsteinpflaster der Elbstraße laden „Die Bonschemacherei“ (Nummer 35) von Marion Jansen und das „Atelier Larock“ von Gundula Lehmann (Nummer 30) zu einem Besuch ein. Zurzeit meistens sonntags wenn die Touristen in die Stadt kommen. Marion Jansen arbeitet eigentlich als Sekretärin, mit ihrer „Bonschemacherei“ hat auch sie sich einen Traum erfüllt. „Mir gehört dieses Haus, und es verschlingt viel Geld, da habe ich ein zweites Standbein gesucht“, begründet sie den Schritt in die Selbstständigkeit. „Es ist toll, dass hier in der Straße endlich wieder Leben einzieht“, sagt sie. Bei 160 Grad kocht sie die Zutaten ihrer Bonbons, zaubert daraus in reiner Handarbeit exklusive Stücke. Die gibt es auch schräg gegenüber bei „Larock“. Heike Dietrich hat ihrer Kollegin und Freundin Gundula Lehmann einen Raum überlassen. „Nach der Flut ist das hier ja noch eine Baustelle, und weil meine frühere Mieterin ausgezogen ist, kam uns die Idee, hier die Taschen von Gundula auszustellen“, berichtet Heike Dietrich. Schon ihr Großvater betrieb in dem Raum seine Goldschmiede-Werkstatt.

Marion Jansen hat „Die Bonschemacherei“ gegründet und verkauft Süßwaren an der Elbstraße 35 meistens sonntags. Foto: tja
Marion Jansen hat „Die Bonschemacherei“ gegründet und verkauft Süßwaren an der Elbstraße 35 meistens sonntags. Foto: tja

Einen ungewöhnlichen Schritt ist Heike von Pirch gegangen. Sie verlegte ihr Studio „Bellissima“ für Kosmetik und Fußpflege vom Büchener Weg in der Oberstadt an die Elbstraße 45. „Hier unten herrscht eine ganz besondere Stimmung, das spüren auch die Kunden“, schwärmt Heike von Pirch. Sie hatte anfangs sogar Angst vor dem Umzug, als ihr erste Kunden mitteilten, sie würden ihr nicht folgen.

„Heute weiß ich, dass es richtig war, die Idee auch in die Tat umzusetzen.“ An der Elbstraße zu arbeiten, sei ein bisschen wie Urlaub machen, sagt die Kosmetikerin. Und freut sich, ihre Chance für einen Neuanfang genutzt zu haben.