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Trotz eines Großeinsatzes der Feuerwehr konnte das Lösecke-Haus nicht gerettet werden. Die Bewohner verloren ihr Hab und Gut. Der Weiße Ring half neun der Opfer finanziell mit zusammen 19 000 Euro.
Trotz eines Großeinsatzes der Feuerwehr konnte das Lösecke-Haus nicht gerettet werden. Die Bewohner verloren ihr Hab und Gut. Der Weiße Ring half neun der Opfer finanziell mit zusammen 19 000 Euro.

Streich endet für Retter tragisch

rast Lüneburg. Der Feuerwehrmann aus dem Kreis Lüneburg hat Bereitschaft in seiner Wache in Hamburg, hört plötzlich vor dem Wachraum Geräusche, öffnet die Tür. In dem Moment fliegt ein selbst gebastelter Knallkörper durch die Tür, explodiert. Der Mann zieht sich Verletzungen zu, erleidet einen Tinnitus.

Was als ,,Streich“ der Kollegen gedacht war, endete tragisch. Das Opfer ist seit mehr als einem Jahr arbeitsunfähig. ,,Er ist auch durch mangelnde Fürsorge belastet. Seine Dienststelle hat ihn in keiner Weise unterstützt, die Täter versuchten, den Fall zu verharmlosen“, sagt Gerhard Hoene, Leiter der Lüneburger Außenstelle der Opferhilfeorganisation Weißer Ring, die dem Mann bei Durchsetzung seiner Rechte half, auch das Gespräch mit dessen Dienststelle suchte: ,,Mittlerweile sind vier Täter vom Dienst suspendiert, der Prozess gegen sie beginnt voraussichtlich im Herbst.“ Anlässlich des morgigen Tages des Kriminalitäts­opfers zieht Hoene eine Bilanz seiner Arbeit und die seiner vier Mitarbeiter.

Der Weiße Ring war auch nach dem Großfeuer am 2. Dezember am Stint zur Stelle, die Außenstelle Lüneburg organisierte hier die wohl größte finanzielle Hilfe in ihrer Geschichte, Hoene: ,,Die neun Opfer, die im Lösecke-Haus gewohnt und all ihr Hab und Gut verloren hatten, erhielten Anfang Januar zusammen 19000 Euro. Angesichts des bundesweiten durchschnittlichen Jahresetats des Weißen Rings von rund 14 Millionen Euro ist das ein erheblicher Betrag.“

Auch hier erfolgte die Hilfe schnell, unbürokratisch und unmittelbar. Im vergangenen Jahr erhielten neben menschlicher Zuwendung und anderer Unterstützung 45 Opfer insgesamt 11200 Euro an materieller Hilfe (2012 waren es 16500 Euro für 45 Opfer). Es wurden 23 Beratungschecks im Wert von je 150 Euro für rechtsanwaltliche Beratungen ausgegeben (2012: 22).

Geholfen wurde zum Beispiel einem Rentner: ,,Er ist sehbehindert, hatte einen Zettel mit seiner PIN-Nummer und die EC-Karte im Portemonnaie. Der Freund seiner Enkelin, die zeitweise mit ihm beim Großvater wohnte, hatte sich mehrfach die EC-Karte gegriffen und Geld am Automaten gezogen.“ Die Beute: rund 3500 Euro. Der Weiße Ring leistete eine Soforthilfe von 150 Euro und legte 1500 Euro nach, damit der Senior sein Leben weiter bestreiten konnte.

Dass häusliche Gewalt nicht immer von Männern ausgeht, weiß Hoene durch einen anderen Fall: ,,Ein junges Paar hatte was getrunken, geriet in Streit. Dabei wurde der Mann von seiner Freundin geschlagen, getreten und gebissen krankenhausreif. Hier halfen wir materiell.“ Schnelle Hilfe brauchte auch eine Frau. Sie hatte ihren Mann und dessen Mutter angezeigt, da beide Hanfplantagen in ihrem Haus betrieben. Die Frau zog aus. Da der Mann aber noch mit das Sorgerecht für die Kinder hat, weiß er, wo sie wohnt. Hoene: ,,Er bedrohte sie mehrfach, kündigte sogar eine Brandstiftung an. Wir haben die Frau finanziell bei Sicherungsmaßnahmen für ihr Haus unterstützt.“

Der Schwerpunkt der Opferbetreuung lag mit 21 Fällen bei Körperverletzungen und häuslicher Gewalt, gefolgt von Sexualstraftaten (12 Fälle), Diebstahl (10 Fälle), und anderen Taten wie Raub, Brandstiftung und Stalking.
Der Weiße Ring in Lüneburg kooperiert mit anderen Einrichtungen, arbeitet etwa eng mit der staatlichen Stiftung Opferhilfe Niedersachsen zusammen. Oder auch mit der Psychiatrischen Klinik am Wienebütteler Weg, die ins Traumanetzwerk integriert ist. Gerhard Hoene: ,,Das Land Niedersachsen hat ein Traumanetzwerk installiert, wo Opfer, die unter einer Tat leiden, sehr kurzfristig psychotherapeutische Hilfe erhalten können, damit sich eine Belastung nicht verfestigt. Hier sind die ersten zehn Therapiestunden kostenfrei.“ Bei niedergelassenen Psychiatern müsse man teilweise Monate auf einen ersten Termin warten.

Der Weiße Ring finanziert sich über Mitgliedsbeiträge (2,50 Euro monatlich), Spenden, Geldauflagen der Gerichte und sehr wesentlich durch testamentarische Verfügungen. Die Lüneburger Außenstelle ist täglich rund um die Uhr (gegebenenfalls mit Anrufbeantworter) unter (04131) 58130 erreichbar. Das kostenfreie bundesweite Opfertelefon ist täglich von 7 bis 22 Uhr unter % 116006 zu erreichen.