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Im Hintergrund läuft Frank Rosin im Fernsehen: Die Landhaus-Besitzer Oliver und Conny Lahn sehen mit Neugierigen aus dem Dorf zu.
Im Hintergrund läuft Frank Rosin im Fernsehen: Die Landhaus-Besitzer Oliver und Conny Lahn sehen mit Neugierigen aus dem Dorf zu.

Wenn Frank Rosin kocht

emi Eyendorf. Der schwarze Vorhang teilt sich und gibt den Blick frei auf einen alten Holzschrank, ein schwarzglänzendes Klavier und Tische mit heller Dekoration. „Das war alles das Team von Frank Rosin“, berichtet Conny Lahn. Die Besitzerin des Landhauses Eyendorf führt durch die jüngst renovierte Gaststube mit den grau gepolsterten Bänken in einen weiteren Raum. Dort hat sich schon eine Handvoll Gäste um einen Flachbild-Fernseher an der Wand versammelt. „Public Viewing“ ist angesagt: Die Sendung „Rosins Restaurants Ein Sternekoch räumt auf!“ wird ausgestrahlt genau in der Gaststätte, die Rosin im Februar aus der „kulinarischen Insolvenz“ holen wollte. Der Zweisternekoch hilft in seiner Dokusoap auf Kabel 1 Gastronomen, die vor der Pleite stehen, ihr Lokal wieder zum Laufen zu bringen. Er ist auch für das Ehepaar Lahn die letzte Rettung.

„Ein bisschen aufgeregt“ sei sie schon, gesteht Conny Lahn vor der Sendung. „Man wird ja schon zusammengefaltet.“ Als die ersten Bilder über die Mattscheibe flimmern, wird klar, was die 56-Jährige meint: „Nicht essbar“, urteilt der Fernsehkoch über das Menü, das Oliver, Connys Ehemann, den Testessern vom TSV Gellersen aufgetischt hat. Gerade einmal 19 von 50 möglichen Punkten erhält der Hobby-Koch und gelernte Maurer für seine Brokkoli-Suppe, das Schweinefilet und die Mousse au Chocolat. „Mangelhaft“, befindet Rosin und schimpft: „Eine Unverschämtheit.“ Familie Lahn ist schockiert, Tochter Denise bricht gar in Tränen aus.

Die 31-Jährige wusste bis zum Eintreffen von Rosins Filmteam nicht, wie schlecht es um ihre Eltern bestellt ist: 55000 Euro Schulden lasten auf ihren Schultern, dazu kommen noch einmal 20000 Euro an Verbindlichkeiten, weil das Restaurant nichts abwirft. Beide haben Privatinsolvenz angemeldet. Wie sehr die Sorgen drücken, wird deutlich, als auch Oliver Lahn in der Sendung mit den Tränen kämpft und Conny aufgelöst gesteht: „Ich kann nicht mehr.“ Als die Restaurantbesitzer nun einen Monat später die TV-Bilder sehen, rutschen sie enger zusammen. „Man macht sich nackig“, kommentiert der 46-jährige Oliver die öffentlich gezeigten Emotionen.

Wie konnte es so weit kommen für das Paar? „Wir sind irgendwie reingerutscht in die Gastronomie“, berichtet Conny Lahn, die zuvor zehn Jahre für die Grünen in der Hamburger Politik tätig war und mit ihrem Mann eine Event-Firma leitete. Nach einem verkorksten Start im Restaurant einer Schützengilde, übernahm das Ehepaar am 1. Dezember 2012 das Landhaus. Die Entscheidung für Eyendorf haben beide nie bereut: „Das ist unser Traum.“

Damit der nicht platzt wie eine Seifenblase, krempelte Rosin an sechs Drehtagen einiges um: Der Vorraum des Wirtshauses wurde ebenso umgestaltet wie die Gaststube, statt Schnitzelvariationen satt gibt es nun eine abgespeckte Speisekarte und Fleisch aus der Region.

Hat es was gebracht? „Auf jeden Fall“, sagt Conny Lahn. „Die Speisekarte kommt gut an“ und gerade durch die Medienberichte habe es „eine gute Resonanz“ gegeben, seien mehr Gäste gekommen. Durch die Privatinsolvenz hätten sich zudem die größen Existenzängste aufgelöst.

Auch die Testesser vom TSV Gellersen, die zum Public Viewing gekommen sind, sind sich einig: „Die Inneneinrichtung ist gelungen und das zweite Essen von Frank Rosin war viel besser als das erste!“ Moni Bödeker kündigt an: „Irgendwann kommen wir noch einmal unangemeldet!“

Wer die Sendung „Rosins Restaurants Ein Sternekoch räumt auf!“ verpasst hat: Die Folge aus dem Landhaus Eyendorf wird morgen, am Sonntag, um 14.35 Uhr auf Kabel 1 wiederholt.