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Sie wollen einen kollektiven Kulturfreiraum am Bahnhof Hitzacker schaffen: Ein paar Gründungsmitglieder des Vereins KUBA studieren fleißig den Auktionskatalog. Das Gebäude wird am 4. April in Berlin versteigert.
Sie wollen einen kollektiven Kulturfreiraum am Bahnhof Hitzacker schaffen: Ein paar Gründungsmitglieder des Vereins KUBA studieren fleißig den Auktionskatalog. Das Gebäude wird am 4. April in Berlin versteigert.

Ort der Bewegung und des Ankommens

emi Hitzacker. In der Fassade des Bahnhofs Hitzacker klaffen tiefe Löcher, von den weißen Fensterrahmen blättert Farbe ab und die Wände des Rotklinkerbaus sind mit Graffiti beschmiert. „Wir müssen etwas unternehmen, damit es mit dem Bahnhof nicht weiter den Bach runtergeht“, denkt Hauke Stichling-Pehlke immer wieder. Als er und seine Frau Ursula Pehlke aus der Zeitung erfahren, dass das Gebäude am 4. April für das Startgebot von 32000 Euro versteigert werden soll, wittern sie ihre Chance. Mit vereinten Kräften wollen sie das sanierungsbedürftige Gebäude kaufen. Der Artikel wird zum Stein des Anstoßes, der im Handumdrehen eine kleine Lawine zum Rollen bringt.

Der Traum von einem selbstverwalteten Kunst-, Kultur- und Begegnungszentrum führt in Windeseile 26 Menschen im Alter von 17 bis 70 Jahren zusammen. Künstler, Sozialpädagogen, Handwerker und Tänzer gründen einen Verein namens „KuBa e.V. ­ Kulturbahnhof Hitzacker“ und sammeln Geld für die „Gemeinschaftsidee“. Mehr als 30000 Euro haben die Mitglieder nun schon zusammen ­ ein guter Anfang, aber der Weg ist noch weit.

Etwa 38000 Euro wird inklusive Nebengebühren allein schon das Anfangsgebot kosten ­ das haben sich die Mitglieder ausgerechnet. Danach sind weitere Summen für die Sanierung notwendig. Aber so weit will noch niemand planen. „Wir denken nur bis zur Auktion“, sagt Hauke Stichling-Pehlke, um den sich auf der Rückseite des Bahnhofs eine buntgemischte Gruppe geschart hat.

Wenn alles klappt, wie die Vereinsmitglieder sich das wünschen, soll das leerstehende Gebäude schon bald mit neuem Leben gefüllt werden: „Einige Mitglieder wollen regelmäßig Räume für Kurse nutzen“, berichtet Ursula Pehlke, „zum Beispiel für Theater, Tanztheater und Ausstellungen, aber auch für Flüchtlings-, Kinder- und Jugendarbeit“. Das Tolle sei ja, dass auch Kinder und Jugendliche problemlos mit dem Zug zum geplanten Kulturbahnhof kommen könnten. Das Gebäude soll sich zum offenen Nachbarschaftstreff entwickeln, ein Begegnungsort mit Symbolkraft sein: „Der Bahnhof steht für Bewegung, aber auch für Ankommen“, erklärt Claudia Brämer. „Das passt gut zum Treffpunkt für jedermann.“

Auch der Bürgermeister Hitzackers ist von der Idee begeistert: „Ich kann nur stolz auf meine Bürger sein, wenn sie durch Eigeninitiativen zum Wohle der Stadt ihre Verbundenheit und Zugehörigkeit zeigen“, sagt Holger Mertins (FDP). „Ein lebhafter Bahnhof kann sich zu einem Anziehungspunkt entwickeln, siehe Uelzen, und die Attraktivität der Stadt stärken.“ Eine finanzielle Unterstützung durch die Stadt sei aufgrund des „defizitären Haushalts“ zwar nicht möglich. Aber: „Bei planungsrechtlichen Vorhaben können Verwaltung und Politik unterstützen.“

An Hilfsangeboten mangelt es der „quirligen Melange“ nicht, sagt Ursula Pehlke. „Es gibt mindestens 70 Leute, die das Projekt unterstützen.“ Dennoch fehlen den Gründungsmitgliedern einige Tausend Euro, um ihren Traum wahrzumachen. „Interessierte können sich durch Spenden oder zinslose Darlehen einbringen“, wirbt Pehlke um weitere Freiwillige. Ein paar der Gründungsmitglieder wollen am 4. April mit möglichst viel Geld zur Auktion nach Berlin fahren  als Transportmittel kommt natürlich nur eines infrage: die Bahn.

Alle, die die Gruppe kennen lernen möchten, haben dazu Gelegenheit beim nächsten Treffen morgen, Sonntag, 30. März, ab 19 Uhr in der „Elbvielharmonie“ Hitzacker, Deichstraße 7, statt. Weitere Informationen gibt es unter %05862/985079 oder kulturbahnhof-hitzacker@web.de.