Aktuell
Home | Lokales | Mit Lachs gegen die Einsamkeit
Kochexperte Paul Jacob (l.) bringt Wilfried Hein, Wilfried Kogge und Frieder Bartels (v. l.) bei, wie man dem Lachs den nötigen Pfiff verleiht.
Kochexperte Paul Jacob (l.) bringt Wilfried Hein, Wilfried Kogge und Frieder Bartels (v. l.) bei, wie man dem Lachs den nötigen Pfiff verleiht.

Mit Lachs gegen die Einsamkeit

ina Lüneburg. Der Lachs muss nur noch einmal gewendet werden, dann landet er auf dem Teller. „Jetzt schnell, sonst brennt er an“, empfiehlt Paul Jacob in heiter moduliertem Befehlston. Der ehemalige Verpflegungsgruppenführer bei der Bundeswehr und Küchenleiter des Lüneburger Berufsbildungszentrums hat für den Hauptgang Lachsfilet mit Kräuterschaum und Paprika-Reis auf die Speisekarte genommen. Zur Vorspeise gibt es Zwiebelsuppe und Frischkäse mit Datteln auf Weißbrot, zum Nachtisch Crème Caramel mit einer Zuckerkruste und Schlehenlikör. „Kochgruppe für Männer, die mit Verlust und Abschied leben“ lautet das Motto, unter dem sich jeden letzten Donnerstag im Monat bis zu zehn Teilnehmer in der Küche der Deutschen Angestellten Akademie in der Heinrich-Böll-Straße treffen, um sich dort von Paul Jacob und seiner Ehefrau Traute ehrenamtlich anleiten zu lassen. Initiator ist der Freundeskreis Hospiz im Städtischen Klinikum Lüneburg. Für zehn Euro Kostenbeitrag pro Person werden alle Zutaten plus Wein besorgt, der Tisch von den Auszubildenden der DAA liebevoll eingedeckt.

„Vom Zwiebelschneiden bis zum Salatdressing habe ich hier schon jede Menge gelernt“, erklärt Frieder Bartels, der bereits seit eineinhalb Jahren an dem Kochevent teilnimmt. „Ich konnte schon ganz gut kochen, lerne hier aber auch immer noch viel dazu“, ergänzt Wilfried Hein. Nachdem seine Frau vor sechs Jahren an einer Tumorerkrankung gestorben war, schnitt er eines Tages aus ihren Frauenzeitschriften die Rezepte aus und begann, sich das Kochen selbst beizubringen. „Inzwischen kann ich ohne große Mühe ein leckeres Drei-Gänge-Menü gestalten.“ Paul Jacob kennt aber auch andere Fälle: „Hier waren auch schon Männer, die nicht mal wussten, wie man ein Spiegelei brät.“

Neben dem Kochen spielen Austausch und Spaß eine große Rolle. „Wir reden über alles, was uns beschäftigt, und nehmen so am Alltag der anderen teil“, sagt Armin Wesa, der zwar schon fünf Mal dabei war, heute aber mit Spätburgunder seinen Einstand gibt. Neu in der Runde ist Rudolf Weseloh, der als Bekannter von Paul Jacob zur Gruppe stieß und auch regelmäßig kommen will. Er ist nicht verwitwet, kann aber männliche Gesellschaft und fundierte Küchentipps gut gebrauchen. Apropos: Wieso gibt es das Angebot nicht für Witwen? Paul Jacob sagt prompt: „Die können kochen.“ Infos über den Freundeskreis Hospiz: %731500 (Hotline) oder 772874 (Büro).