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Die Polizei hat die Kriminalstatistik für Stadt und Landkreis Lüneburg vorgestellt. Als ein Ergebnis ist die steigende Anzahl an Autodiebstählen auszumachen.
Die Polizei hat die Kriminalstatistik für Stadt und Landkreis Lüneburg vorgestellt. Als ein Ergebnis ist die steigende Anzahl an Autodiebstählen auszumachen.

Autos bei Dieben begehrt

ca Lüneburg. Die Zahl der Straftaten hat abgenommen, von 12825 im Jahr 2012 auf 12538 im Jahr 2013. Zunahmen gab es aber im Bereich der Eigentumskriminalität. Die Aufklärungsquote ist von gut 60 auf 57 Prozent gesunken. So liest sich in Kurzform die Kriminalstatistik für Stadt und Kreis Lüneburg. Polizeichef Hans-Jürgen Felgentreu bilanziert: „In unserer Region lebt es sich sicher.“ Gleichwohl seien seine Kollegen immer wieder gefordert wie Sisyphos, der in der griechischen Mythologie eine Kugel wieder und wieder einen Berg hochrollen muss. Gemeinsam mit Steffen Grimme, Leiter der Kriminalpolizei, stellte der Leitende Polizeidirektor das Zahlenwerk vor.

Einige Schlaglichter: Die Zahl der Körperverletzungen ist mit 1395 (2012: 1385) nahezu konstant geblieben. Beim Raub gab es eine Abnahme von 103 auf 92 Taten. Einen Mordversuch und zwei Totschlagsdelikte nennt die Statistik, darunter das blutige Beziehungsdrama Am Berge, als ein Imbissbetreiber seine Ex-Frau auf offener Straße niederstach. Ein sattes Plus gab es bei den Autodiebstählen, die Zahl schnellte von 66 auf 112 empor. Bei den Wohnungseinbrüchen nahm die Zahl der Fälle um 52 auf 480 zu. Auch bei den Fahrraddiebstählen gab es trotz Kontrollen und Präventionsaktionen einen Anstieg um knapp 50 auf 1053 Delikte.

Für Einbrüche und Fahrradklau haben die obersten Ermittler mehrere Erklärungen. Da Lüneburg eine Vielzahl von Hilfeeinrichtungen habe, sei die Zahl von Drogenkonsumenten hoch. Die Folge: Beschaffungskriminalität. Erst kürzlich fasste die Polizei einen Junkie, dem sie rund 80 Einbrüche zur Last legt. Dazu kommen organisierte Banden. Bundesweit agierende Gauner plündern beispielsweise Zahnarztpraxen, sie haben es auf Gold und Instrumente abgesehen. Auch beim Autodiebstahl sehen die Beamten die organisierte Kriminalität am Werk: osteuropäische Banden, die längst alle möglichen technischen Sperren geknackt haben und Autos auf Bestellung in Richtung Baltikum oder Russland schaffen.

Den Einbruch bei der Aufklärungsquote führt Felgentreu auf mehrere Faktoren zurück. Zum einen seien Ermittlungsgruppen gebildet worden, um Delikte gezielt anzugehen, zum Beispiel Metalldiebstahl. Mit Erfolg: Aktuell steht eine Bande vor Gericht, die Bahnanlagen und Werkstätten in Norddeutschland angegangen ist und in Uelzen gestellt wurde. Aber auch das Elbehochwasser habe Kräfte für Absperrmaßnahmen gebunden. Grimme ergänzte: Gezielt sei die Polizei gegen Familienclans vorgegangen, die in der Vergangenheit für viele Delikte gut waren: „In Kaltenmoor brennen keine Autos mehr, auch Massenschlägereien haben ein Ende.“

Zu schaffen machen den Beamten Verfahren um Kinderpornografie. Aktuell werten die Ermittler ein Terabyte an Daten aus, das entspreche etwa einer Million Bildern. Die drei Kollegen, die sich diese Aufnahmen anschauen müssten, nutzten Angebote der Supervision, um diese Arbeit erledigen zu können. Es dauere Monate, bis diese Fälle an die Staatsanwaltschaft abgegeben werden könnten.

Mit mehr Personal sei nicht zu rechnen, sind sich die Polizeichefs einig. Daher schieben sie Mitarbeiter in besonders belastete Bereiche, versuchen, in kritischen Zeiten, wenn etwa Einbrüche zu erwarten sind, Stärken hochzufahren. Im Normaldienst ist das nicht zu schaffen, rund 120 Überstunden schieben die Schutzleute im Schnitt vor sich her.