Mittwoch , 28. September 2016
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Eine pfiffige Idee: Klempnermeister Dennis Ridella lädt Passanten morgen nahe der IHK in Lüneburg zum Pfeifenbauen ein.
Eine pfiffige Idee: Klempnermeister Dennis Ridella lädt Passanten morgen nahe der IHK in Lüneburg zum Pfeifenbauen ein.

Klempner pfeifens von den Dächern

emi Lüneburg. „Woran denken Sie, wenn Sie Klempner hören?“, fragt Dennis Ridella und gibt die Antwort gleich selbst: „Genau, an Gas, Wasser, Sch…“ Doch dass das nur die halbe und umgangssprachliche Wahrheit ist, wollen der Klempnermeister aus Bad Bevensen und seine Kollegen morgen, am Sonnabend, 5. April, den Lüneburgern lautstark pfeifen.

Von 10 bis 16 Uhr bauen sie in der Grapengießerstraße nahe der Industrie- und Handelskammer mit Passanten Pfeifen aus Metall. Der Auftritt in Lüneburg ist eingebettet in einen Weltrekordversuch, an dem 20 Länder weltweit teilnehmen. Ziel der Aktion „Spengler Beruf mit Pfiff“: 20000 Pfeifen herstellen und so vor allem junge Leute für den Handwerksberuf interessieren. Denn, was nur die wenigsten wissen: Klempner auch Spengler oder Flaschner genannt stellen unter anderem Metallbauteile für Dächer und Fassaden her.

„Ich kannte diesen Beruf auch nicht, als ich vor 17 Jahren angefangen habe“, gibt Dennis Ridella zu. „Bei meiner Firma habe ich mich damals eigentlich als Dachdecker beworben.“ Heute ist der 33-Jährige bei „Hermann Bade Dächer“ in Bad Bevensen Klempnermeister und weiß, worauf es ankommt: „Alles, was der Dachdecker macht, machen wir in Metall. Wir müssen auch mal auf Kirchendächer rauf bis zu 130 Meter hoch. Dafür muss man absolut höhentauglich sein.“

Klempner fertigen unter anderem Wetterfahnen und Kugeln für Gebäude, aber auch Kunstgegenstände vom Wandbrunnen bis zur Wohnzimmerlampe. „Das ist in Teilbereichen filigrane Arbeit.“ Verarbeitet werden hauptsächlich Metalle wie Kupfer, Blei, Zink, Aluminium und Edelstahl. Während der dreieinhalbjährigen Ausbildung muss man laut Dennis Ridella viel zeichnen. Räumliches Sehen ist deshalb wichtig. Später ist man dann viel unterwegs: „Wir arbeiten im gesamten deutschen Raum und sehen Stellen, an die man sonst nicht hinkommt“, wirbt der Klempnermeister für sein Handwerk, in dem akuter Nachwuchsmangel herrscht. Der Weltrekordversuch soll Abhilfe schaffen.

Die Pfeifen, die morgen in der Lüneburger Fußgängerzone gebastelt werden, wurden vor 111 Jahren vom Flaschnermeister Gottlieb Scheu in Baden-Württemberg erfunden. Er baute die Pfeifen für Schulkinder und beschenkte sie auf dem Nachhauseweg. Die Kinder waren mit ihrem schrillen Gepfeife kaum zu überhören so wusste im Handumdrehen das ganze Dorf: Der Flaschner ist im Ort.

Auf diesen Effekt setzen auch die Aktionen an 40 Standorten in 20 Ländern. Beteiligt am Weltrekordversuch sind unter anderem Frankreich, Norwegen, Polen, Australien und Südafrika. Voraussichtlich alle zwei Stunden werden Bilder, Kommentare und Zwischenstände auf Facebook (www.facebook.com/spenglermitpfiff) gepostet. Denn im Sinne der Pfeife soll die Aktion nicht heiße Luft, sondern Turbulenzen erzeugen.