Dienstag , 27. September 2016
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Sozialdemokraten unter sich: (v.l.) Oberbürgermeister Ulrich Mädge, Ministerpräsident Stephan Weil und Landrat Manfred Nahrstedt.
Sozialdemokraten unter sich: (v.l.) Oberbürgermeister Ulrich Mädge, Ministerpräsident Stephan Weil und Landrat Manfred Nahrstedt.

„Straße für die Kinder bauen“

jz Lüneburg. Von wegen „ewiger Oberbürgermeister“! Ulrich Mädge verkniff sich gestern Abend beim Bürgerempfang der SPD Äußerungen zur Y-Trasse, „weil die ja erst 2030 kommen soll und da möchte ich nicht mehr kandidieren.“ Ministerpräsident Stephan Weil zuckte bei diesen Worten nach eigenem Bekunden zusammen, drängte als nächster Redner vor der gefüllten Ritterakademie: „Uli, das überlegst du dir aber noch mal!“

Das letzte Mal hatte Weil Lüneburg vor der Landtagswahl als Kandidat besucht, jetzt wollte er die Kandidaten Mädge und Manfred Nahrstedt als Landrat vor dem Wahltag am 25. Mai unterstützen. Ein wichtiger Termin, findet Weil, weil die jetzige Generation die Pflicht habe, „die Straße zu bauen, auf der die nächste Generation geht, wie ein chinesisches Sprichwort sagt“. Und das bezog der sozialdemokratische Landesvater nicht nur auf den Bau der A39, für die zuvor Mädge vehement geworben hatte: „Wir brauchen die Autobahn, trotz aller Härten für Betroffene, damit Lüneburg weiter Lokomotive für die Region bleibt und nicht zur Schlafstadt wird, wie viele Kommunen im Norden Hamburgs. Es ist gut, wenn jeden Morgen 12000 Pendler auf dem Bahnsteig nach Hamburg stehen. Besser wäre es, 6000 von ihnen fänden hier Arbeit.“

Besuche in Lüneburg seien für ihn immer „lehrreich“, bekannte Weil. Ein Kurz-Praktikum in der Kita Kaltenmoor im August 2013 habe ihm vor Augen geführt, wie sehr sich die Aufgaben der Erzieherinnen im Vergleich zu seiner Generation verändert hätten. „Die Notwendigkeit, Kinder aus vielen verschiedenen Kulturen unter einen Hut zu bringen, bestand früher nicht. Deshalb reicht es nicht, den Rechtsanspruch auf einen Krippen-Platz umgesetzt zu haben. Wir müssen dort auch die personelle Situation verbessern.“

Ein weiteres Gemeinschaftsprojekt von Land und Kommunen ist die schulische Bildung. Um Arbeitsplätze in einer Region zu schaffen, müsse die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erhöht werden. „Das heißt, nach dieser Legislaturperiode brauchen wir eine flächendeckende Versorgung mit Ganztagsschulen.

Nahrstedt lobte die Uni, die in 25 Jahren dafür gesorgt habe, dass der Qualifizierungsgrad der Bevölkerung in der Region so hoch sei wie kaum in einem anderen niedersächsischen Kreis. In das Lob für Forschung und Lehre stimmte Weil ein, beim Stichwort „Bauen“ kratzte er sich erst ausgiebig am Hinterkopf, bevor er ein langgezogenes „Na jaaa“ folgen ließ. Statt ambitionierter Bauprojekte setzt er eher auf den Wegfall der Studiengebühr als Faktor, „der verhindert, dass wir jährlich 50000 Studenten in andere Bundesländer exportieren“.

Weil hielt nicht nur ein flammendes Plädoyer für seine Lüneburger Parteifreunde, sondern auch für die Bedeutung der Europawahl. „Die EU ist ein zivilisatorischer Fortschritt. Nie zuvor gab es in Europa über 60 Jahre Frieden und wachsenden Wohlstand. Ich kann zwar verstehen, dass Spanier angesichts von 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit in ihrem Land an der EU verzweifeln. Aber ich kann nicht verstehen, dass bei uns die EU-Skepsis so groß ist.“ Zumal mit dieser Wahl die Chance bestünde, das Demokratiedefizit der EU zu verringern.

Als Nahrstedt dann den Slogan des früh verstorbenen Uwe Inselmann zitierte: „Stadt und Land Hand in Hand“, endete der Bürgerempfang ohne Nachfragen von Bürgern, die mehrheitlich ohnehin im Besitz des SPD-Parteibuches gewesen sein dürften.