Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Architekt Gunnar Schulze hat die Sanierung der Fassade geplant. Er steht vor dem alten Luhmannschen Brauerei-Komplex, in dem heute auch das Lokal Pons zu Hause ist  die Kneipe gehört zu den ältesten der Stadt.
Architekt Gunnar Schulze hat die Sanierung der Fassade geplant. Er steht vor dem alten Luhmannschen Brauerei-Komplex, in dem heute auch das Lokal Pons zu Hause ist  die Kneipe gehört zu den ältesten der Stadt.

Operation im Wasserviertel

ca Lüneburg. Mal landete ein Auto in einer der Utluchten, die Vorbauten wurden mit modernen Steinen wieder hochgezogen. Ein Band aus Tausteinen, Ziegel, die gedreht sind wie ein Seil, verschwand, nachdem sich ein Stein gelöst hatte. Es war billiger, die Zier abzuschlagen, als teuer zu ergänzen. Dieter Luhmann kann einiges über die Wunden der letzten Jahrzehnte an seinem Haus an der Salzstraße am Wasser erzählen. Das Gebäude soll nun wieder ein schöneres Antlitz erhalten: Gerade ziehen Arbeiter ein Gerüst hoch, bald rücken Handwerker an, um die Fassade zu restaurieren. Fördermittel, die im Sanierungsgebiet Wasserviertel fließen, sorgen für das „Facelifting“.

Architekt Gunnar Schulze vom Lüneburger Büro Henschke, Schulze und Reimers ist mit dem Projekt betraut. Die Architektengemeinschaft zeichnet auch für den Wiederaufbau des Lösecke-Hauses verantwortlich. Voraussichtlich in zwei Bauabschnitten führen Fachleute die Arbeiten am Pons-Gebäude aus. Zunächst ist der Giebel zur Wasserseite dran, danach die Mauern zur Lünertorstraße. Allein für den ersten Part rechnet Schulze mit einer Bauzeit von sieben Monaten: „Man weiß nie, was einen noch erwarten kann.“ Da man von oben nach unten arbeite, werde das Gerüst nicht die gesamte Zeit stehen.

In dem Haus ist das Lokal Pons zu Hause, eins von vielen in einer langen Reihe. Es ist eine der ältesten Kneipen der Stadt. Ihre Geschichte reicht weit zurück. Das Gebäude wurde nach einem Brand 1517 auf einem Keller errichtet, der aus dem Jahr 1408 stammt, wahrscheinlich ist er noch älter. 1589 wurde das Haus aufgestockt und zu einem Brauhaus umgebaut, bis in unsere Zeit wurden hier Hopfen und Malz verarbeitet. Unter dem Dach erstrecken sich noch Lagerräume aus uralter Zeit. Es gab Umbauten, Erweiterungen, so gehörte zu dem Komplex auch der Teil, der sich zum Wendischen Dorf erstreckt. Inzwischen hat dieser Bereich aber neue Besitzer.

Saniert werden soll nur die Fassade. Weitere Arbeiten im Inneren würden wohl Kosten im Millionenbereich verursachen, schätzt Luhmann. Für die Operation an der Außenhaut hat Architekt Schulze grob 200000 Euro veranschlagt. 44000 Euro fließen aus Fördermitteln für den ersten Bauabschnitt. Der Hausbesitzer ist dankbar dafür, es hat die Entscheidung für die Sanierung leichter gemacht. Denn zusätzliche Einnahmen durch Mieterhöhungen erwartet er nicht: „Aber ich finde es toll, wie sich das Viertel entwickelt.“ Und mit der Familiengeschichte hat es zu tun, er lebt in vierter Generation an der Ilmenau. Und so zeigt er stolz zwei Gemälde der Lüneburger Maler Hugo Friedrich Hartmann und Arthur Illies, die in den 20er- beziehungsweise 40er-Jahren Ansichten des prägnanten Hauses malten.

Die Handwerker haben den Sommer über gut zu tun: Zementfugen auskratzen und mit Gipsmörtel auffüllen, Zierbänder wieder herstellen, eine zugemauerte Tür zum Wasser wird geöffnet. Tischler arbeiten Fenster auf und setzen Kastenfenster ein. So soll auch eine neue Fensterreihe eingebaut werden, die ihr Vorbild in der Barockzeit hatte und die später verschwand. Ist alles fertig, dürfte sich das Haus so anmutig erheben wie in der Hanse-Zeit.

One comment

  1. So schön das Luhmann-Haus ist und hoffentlich bleiben wird, so häßlich ist der trostlose Hochbunker (ehemals Viskulenhof) dahinter. Kann man den nicht gleich mitsanieren?