Donnerstag , 29. September 2016
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90 Prozent der Paare wünschen sich laut Hochzeitsrednerin Kathrin Wenzel eine Trauung unter freiem Himmel. Das sei ein Vorteil der freien Trauung: Sie könne stattfinden, wo und wie man will.
90 Prozent der Paare wünschen sich laut Hochzeitsrednerin Kathrin Wenzel eine Trauung unter freiem Himmel. Das sei ein Vorteil der freien Trauung: Sie könne stattfinden, wo und wie man will.

Begleiterin im bedeutenden Moment

emi Deutsch Evern. „Es war Fügung“, sagt Kathrin Wenzel im Rückblick auf ihren Weg zu einem nicht ganz alltäglichen Beruf. Als Hochzeitsrednerin gestaltet die 51-Jährige die Trauzeremonie für Paare, denen die standesamtliche Trauung nicht genügt, die bewusst nicht kirchlich heiraten wollen oder die aus der Kirche ausgetreten sind. Sie moderiert die Feier, hält eine persönliche Traurede und führt Rituale vom Treueversprechen bis zum Ringtausch durch. Von Jahr zu Jahr stellt die Deutsch Evernerin mehr Interesse an dieser individuellen Form der Hochzeit fest. „Ein Vorteil der freien Trauung ist, dass sie stattfinden kann, wo und wie man will. 90 Prozent der Paare wünschen sich eine Trauung unter freiem Himmel.“

Vor zwei Jahren fügte sich für Kathrin Wenzel alles, was sie bis dahin getan hatte, zu einem runden Ganzen. Anfang 2012 arbeitete sie in einem Brautmodengeschäft, hatte täglich mit Paaren zu tun, die bereit waren, sich das Ja-Wort zu geben. Zuvor hatte die Deutsch Evernerin eine Hochzeitsrednerin kennengelernt, der sie hin und wieder aushalf. Eines Tages sprachen die Geschäftsinhaber Kathrin Wenzel an, ob ihre Freundin nicht Trauungen in Lüneburg übernehmen wolle. Die Freundin war ausgebucht, Wenzel sprang ein und fand ihre Berufung. „Ich hatte etwas gefunden, das meine Fähigkeiten perfekt verband: Die Begeisterung fürs Schreiben, für Menschen und die Tätigkeit als Brautmodenausstatterin.“

Kathrin Wenzel, elegantes, blaues Kleid, dezentes Make-up, hat auf einem antiken Stuhl Platz genommen, dessen dunkle Holzlehne mit Schnitzereien verziert ist. „Ein Worpsweder Pastorenstuhl“, erzählt sie mit warmer, dunkler Stimme. Beim Sprechen machen ihre Arme einladende Gesten. „Die Schnitzereien symbolisieren Glaube, Liebe, Hoffnung.“ Es sind Werte, mit denen Kathrin Wenzel in ihrem Berufsalltag zu tun hat wenn ihre angebotene Hochzeit auch eine Alternative zur kirchlichen Trauung ist.

Viele Paare, die zu Wenzel kommen, gehören unterschiedlichen Religionen und Kulturen an. Wie sich Menschen in einem fremden Land fühlen, weiß die 51-Jährige aus eigener Erfahrung. Sie lebte 17 Jahre lang in Frankreich, machte dort eine Ausbildung zur Schnittdirektrice und arbeitete in der Eventorganisation. Später entschied sie sich für ein Studium der Angewandten Kulturwissenschaften an der Leuphana Universität Lüneburg, machte anschließend eine Weiterbildung zur interkulturellen Trainerin. So habe sie gelernt, vorurteilsfrei und offen auf andere zuzugehen.

„Sich schnell auf unterschiedliche Menschen einzustellen, zu sehen, wie sie reagieren und interagieren, das ist eine Gabe, die ich habe“, sagt Kathrin Wenzel. Damit die Hochzeitsrede das jeweilige Brautpaar möglichst treffend beschreibt, ist gute Vorbereitung gefragt. „Beim Termin vier Wochen vor der Hochzeit stelle ich einen Haufen Fragen. Im Gespräch ergibt sich immer eine Besonderheit, die heraussticht“, erzählt Wenzel. Hobbys, Kennenlerngeschichte, philosophische Zitate all das fließt in die höchstens zehnminütige Rede ein. Obwohl sie jedesmal bis zum Schluss aufgeregt sei, ob sie die Paare „richtig getroffen“ habe, überwiege „der Spaß, Menschen in ihrem emotionalen, intimen, sehr bedeutenden Moment begleiten zu dürfen“.

Kathrin Wenzel war selbst einmal verheiratet. „Hätte es die freie Trauung vor 26 Jahren schon gegeben, wäre das ein Traum gewesen“, sagt sie. Auf Umwegen gelangte sie doch noch zu dieser Form der Hochzeit und zu einem nicht ganz alltäglichen Beruf, ihrem Traumberuf.