Donnerstag , 29. September 2016
Aktuell
Home | Lokales | Das fliegende Auge ist startklar
Der Feuerwehrflieger ist einsatzbereit: Beim traditionellen Anfliegen gingen die Besatzungen in dieser Saison das erste Mal in die Luft. Foto: t&w
Der Feuerwehrflieger ist einsatzbereit: Beim traditionellen Anfliegen gingen die Besatzungen in dieser Saison das erste Mal in die Luft. Foto: t&w

Das fliegende Auge ist startklar

kre Lüneburg. Das fliegende Auge ist wieder einsatzbereit: Mit dem traditionellen „Anfliegen“ startete am Sonnabend der Feuerwehrflieger in die ,,heiße“ Saison. Momentan freilich noch zu Übungszwecken: Denn überall bricht das frische saftige Grün hervor ,,da ist die Waldbrandgefahr doch recht gering“, beruhigt der Lüneburger Kreisbrandmeister Torsten Hensel. Im Frühjahr und Sommer, bei steigenden Temperaturen und längerer Trockenheit, kann sich die Situation jedoch schnell ändern. Dann sind Chefpilot Thomas Reunert und sein Pilotenteam gefragt, um die Kameraden am Boden bei der Brandbekämpfung aus der Luft zu unterstützen.

Es gab Sommer, da musste der weiß-rote Feuerwehrflieger fast täglich zum Patrouillenflug aufsteigen. Im vergangenen Jahr dagegen wurden die Luftbeobachter geschont „da hatten wir nur einen einzigen Einsatztag“, berichtet Hensel. Grund dafür war zum einen der lange Winter und der feuchte Frühling. Zum anderen das ,,Automatisierte Waldbrandfrüherkennungs-System (AWFS), das vor wenigen Jahren seine Arbeit aufgenommen hat. Mithilfe von 20 hochauflösenden Kameras an 17 Standorten überwachen geschulte Forstleute an ihren Monitoren mehrere Tausend Quadratkilometer Wald in sechs Landkreisen. Die Kameras jede in einer Höhe von rund 50 Metern installiert und jede mit einer Reichweite von bis zu 20 Kilometern haben die alten Feuerwachtürme abgelöst, von denen aus früher nach Waldbränden Ausschau gehalten wurde. Als 2011 aber das AWFS eingeführt wurde, fürchteten viele, dass damit auch das Startverbot für den Feuerwehrflieger einher gehen würde (LZ berichtete).

Doch diese Gefahr besteht nicht. Im Gegenteil: Das Kamerasystem und der Feuerwehrflieger sind keine Konkurrenz, sie ergänzen sich: Die Kameras sind für die Waldbrand-Prävention bestens geeignet, die sechs Jahre alte Cessna mit der Kennung D-ENDS für das Führen der Einsatzkräfte. ,,Aus der Luft können wir viel besser erkennen, wo der Brandherd ist, wohin sich das Feuer bewegt und so die Einsatzkräfte optimal an das Feuer heranführen“, erklärt Hensel.

Zwei Feuerwehrflieger gibt es noch in Niedersachsen: Einer ist in Hildesheim stationiert, der andere in Lüneburg. Ein Patrouillenflug dauert etwa 1,5 Stunden, geht von Lüneburg über Bleckede, Neuhaus, über Dannenberg und Lüchow Richtung Gartow, Bodenteich und weiter nach Nordheide, Sprötze und Buchholz zurück nach Lüneburg. Sechs Stunden kann die Cessna 1206 H in der Luft bleiben, ,,nach dem ersten Kontrollflug tanken wir aber zur Sicherheit wieder auf“, berichtet Hensel. Danach geht es gleich wieder in die Luft zweimal wird jetzt die gleiche Route abgeflogen, ohne Zwischenstopp. Und bevor es Abend wird, steigt die Maschine dann noch ein drittes und letztes Mal zur ihrem Kontrollflug auf.

Neben dem Piloten sind zwei Beobachter mit an Bord. Jeweils einer von der Feuerwehr, der andere von der Forstverwaltung. ,,Ihre Zusatz-Ausbildung zum Flugbeobachter haben die Kräfte an der Akademie für Brand- und Katastrophenschutz in Celle gemacht“, berichtet Hensel, der nicht nur Kreisbrandmeister, sondern auch der Stützpunktleiter für den Lüneburger Feuerwehrflieger ist.

Ernst wird es für die fliegenden Brandschützer aber erst ab der höchsten Waldbrandwarnstufe V, schon ab der Waldbrandwarnstufe III aber nehmen die Bediener vor den Monitoren des AWFS ihren Dienst auf. Beide Systeme mit dem gleichen Ziel: Einen Waldbrand zu verhindern.