Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Lokales | Mehr Breitband oder weniger Schulden?
Stellten sich den Fragen von Prof. Dr. Ferdinand Müller-Rommel: (2.v.r.) Die Landrats-Kandidaten (v.l.) Jörg Venderbosch (Linke), Monika Scherf (parteilos, für die CDU) und Manfred Nahrstedt (SPD). Foto: nh
Stellten sich den Fragen von Prof. Dr. Ferdinand Müller-Rommel: (2.v.r.) Die Landrats-Kandidaten (v.l.) Jörg Venderbosch (Linke), Monika Scherf (parteilos, für die CDU) und Manfred Nahrstedt (SPD). Foto: nh

Mehr Breitband oder weniger Schulden?

us Lüneburg. Der Ausbau der Breitbandnetze steht für Manfred Nahrstedt ganz oben auf der Agenda, sollte er am 25. Mai als Landrat wiedergewählt werden. Rund 30 Millionen Euro will er investieren, um den Landkreis ans schnelle Internet zu bringen, „eine Investition in die Zukunft“, sagt Nahrstedt, der bei den Landratswahlen für die SPD antritt. Auch müsse weiter in die Bildung investiert werden, er denke an weitere Schulmensen und Sporthallen.

Investieren sei wichtig, findet auch Monika Scherf, Vorrang aber habe der Schuldenabbau. Immerhin sei der Landkreis Lüneburg noch mit 35 Millionen Euro verschuldet, sagt die parteilose Kandidatin, die für die CDU ins Rennen geht. Jörg Venderbosch, Kandidat der Links-Partei, will den Landkreis stärker sozial und ökologisch ausrichten und das Geld statt in Prestigeobjekte wie das Audimax lieber in den sozialen Wohnungsbau und die Einführung einer Sozial-Card fließen lassen. Die drei Kandidaten diskutierten am Dienstagabend in der Leuphana auf Einladung der studentischen Initiative „Policy Lab“ im Rahmen der Wahl-Veranstaltungsreihe „M(a)y Vote“, die Moderation hatte Prof. Dr. Ferdinand Müller-Rommel von der Leuphana.

Die von den Kandidaten vorgestellte Themenpalette war ebenso breit wie bunt: Die Reduzierung des Flächenverbrauchs und die Konzentration auf die „Innenentwicklung“ der Kommunen, die von Scherf und Nahrstedt gleichermaßen befürwortet wird, der Vorzug eines schneller getakteten metronom gegenüber einer S-Bahn-Verlängerung und die Verbesserung der ärztlichen Versorgung in der Fläche, für die sich Nahrstedt einsetzt, oder die Erhöhung des Mietkostenzusschusses für Hilfebedürftige und die Begrenzung des Dispo-Zinssatzes von Geldinstituten auf sechs Prozent, die Jörg Venderbosch am Herzen liegen, waren nur einige der vorgetragenen Punkte.

Finanzieren will Manfred Nahrstedt seine Ziele im Wesentlichen mit Hilfe der EU-Fördertöpfe, dort wolle er ran, wie er sagte. Monika Scherf auch sie will auf Fördermittel nicht verzichten will das Geld dort einsetzen, wo die besten Ideen sind und „wo der Schuh drückt“. Vom Gießkannen-Prinzip halte sie nichts.
„Emotional und schwierig“ sei das Thema Energiewende, findet Scherf. Sie setze neben den bereits eingeleiteten Schritten zur Förderung der regenerativen Energie auf Einsparung und Effizienzsteigerung auch in öffentlichen Gebäuden. Zu fragen sei aber auch, ob die Energie auch da ankomme, wo sie gebraucht werde, will heißen: Sind die Netze dafür entsprechend ausgelegt? Sie scheue sich nicht, die Netze wieder zurück in kommunale Hände zu legen, sollte sich dies nach kritischer Prüfung als der bessere Weg erweisen. Unterstützung bekam sie dafür von Jörg Venderbosch, der die Energieversorgung am liebsten gleich komplett verstaatlichen würde.

Beim Thema Wirtschaft setzt Manfred Nahrstedt weiter auf die Cluster-Ausrichtung für die Nahrungsmittelbranche, verstärkt aber auch auf den Gesundheitssektor. Zudem erhoffe er sich von sogenannten revolvierenden Fonds Vorteile für heimische Unternehmen. Cluster seien nicht alles, gute Wirtschaftspolitik beweise sich dadurch, dass die Region attraktiv ist, hielt Monika Scherf dagegen. Deshalb müsse alles daran gesetzt werden, Fachkräfte in die Region zu holen. Die Stärkung des wirtschaftlich schwachen Ostens des Landkreises will Jörg Venderbosch angehen, wie das geschehen solle, konnte er allerdings nicht sagen.

Mehr als zwei Millionen Euro werde der Landkreis für das neue Audimax-Gebäude der Leuphana nicht bezahlen, da waren sich Nahrstedt und Scherf einig. Über die Finanzierung mache Nahrstedt sich keine Gedanken. Ministerpräsident Stephan Weil habe ihm versichert, dass es ausreichend Mittel gebe, das Gebäude zu Ende zu bauen.

Nahrstedt blieb auch dabei, nicht mehr als zehn Millionen Euro als Landkreis für die geplante Elbbrücke zu zahlen. „Keine blühenden Landschaften im Osten“ verspricht sich Monika Scherf von der Brücke, aber eine Stabilisierung der Region. Über Geld aber wolle sie erst sprechen, wenn klar sei, was die Brücke tatsächlich kostet.

2 Kommentare

  1. Nicht genug Geld für die dringend notwendige Brücke, dafür weitere zig Millionen für den Libeskind-Pracht- und Luxusbau Audimax! Da sieht man, hier stimmt etwas nicht. Die grün-rote Landesregierung verschweigt, woher sie die fehlenden ca. 50 Millionen für den Audimax nehmen will: neue Steuern, mehr Schulden oder wieder Studiengebühren?
    Aus Hannover Funkstille. Bis zum 25. Mai? Da sollen Landrat Nahstedt und Bürgermeister Mädge wiedergewählt werden. Wie durchsichtig!

    • Ich kann mich meinen Vorredner nur anschließen. Millionen in den Unibau, aber kein Geld für die Brücke bei Neu Darchau. Von der Brücke können alle Bürger profitieren, von dem Protzbau nur die politische Elite. Die Lehre an der Uni wird durch das Gebäude auch nicht besser. Eigentlich sollten die Politiker aus dem Lang gejagt werden, so wie sie mit unserem Geld umgehen. Aber die Leute haben schon immer Mädge und Co. gewählt und werden es auch wieder tun. Während Straßen und Schulen verfallen, erstrahlen Innenstadt, Museen, Theater und der Uni Campus.