Dienstag , 27. September 2016
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Universität will Millionen sparen

pm Hannover/Lüneburg. Die Universität Lüneburg will die Kosten für den Libeskind-Bau um einige Millionen abspecken. Nach entsprechenden Einsparvorschlägen etwa bei der technischen Gebäudeausstattung dürfte einer Freigabe der Landesmittel für das Prestigeprojekt nichts mehr im Wege stehen. Der Haushaltsausschuss des Niedersächsischen Landtags soll am Mittwoch, 21. Mai, den aktualisierten Zuwendungsbescheid bewilligen.

Eine lange Liste mit diversen Einsparpotenzialen hat die Uni-Spitze kürzlich an das Wissenschaftsministerium in Hannover geliefert. Es handele sich um „Vorschläge in Millionenhöhe“, bestätigte gestern ein Uni-Sprecher auf Anfrage unserer Zeitung. „Diese betreffen zum Beispiel Haustechnik und Außenanlagen.“ Nähere Einzelheiten werde die Leuphana „nach der Sitzung des Landtagsausschusses bekanntgeben“. Dem Vernehmen nach soll sich die Uni unter anderem zu Abstrichen bei der Lüftung und der Veranstaltungstechnik bereit erklärt haben. Die Summe aller vorgeschlagenen Maßnahmen beläuft sich nach Informationen unserer Zeitung auf 3,7 Millionen Euro.

Mittwoch wird Uni-Vize-Präsident Holm Keller noch einmal ,,uni intern“ über den ganzen Komplex Zentralgebäude informieren. Gestern war das Lüneburger Libeskind-Modell auf Seite 1 der International New York Times als Hingucker für einen Beitrag über grüne Technologie und Energiewende in Deutschland zu finden, in dem ausführlich Leuphana-Professor Dr. Thomas Schomerus zitiert wird.

Ursprünglich sollte das nach Entwürfen des Architekten Daniel Libeskind geplante Zentralgebäude 57,7 Millionen Euro kosten. Im Herbst 2013 legte Leuphana dann Ministerium und Landtag eine neue Rechnung über 76,055 Millionen Euro vor. Begründet wurde das mit allgemeinen Preissteigerungen in der Baubranche, unvorhergesehenen Verzögerungen und zusätzlichen energetischen Investitionen.

Durch die neue Einsparliste sinkt dieser Betrag jetzt immerhin wieder etwas: auf 72,355Millionen Euro. Nicht berücksichtigt sind darin allerdings mögliche Kostenrisiken. Diese gibt die Uni selbst mit rund acht Millionen Euro an. Oberfinanzdirektion und Landesrechnungshof gehen dagegen von mindestens 16 Millionen Euro aus und taxieren die Gesamtkosten des Libeskind-Baus dadurch auf 92 Millionen Euro.

Grundlage für die neue Zuwendungsunterlage Bau (Z-Bau) des Ministeriums, über die der Haushaltsausschuss in der nächsten Woche zu befinden hat, sind jedoch die 72 Millionen Euro ohne Risikozuschlag. „Die jetzt von der Leuphana Universität Lüneburg vorgelegte Kostenreduktion wird in der Nachtrags-Z-Bau Berücksichtigung finden“, erklärt Ministeriumssprecher Werner Nording. Ressortchefin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) hatte von der Uni-Leitung immer wieder einen eigenen Beitrag zum Sparen gefordert. Alles andere als ein positives Votum des Ministeriums und der rot-grünen Mehrheit im Ausschuss für den neuen Kostenplan wäre daher eine Überraschung. Durch die Bewilligung der neuen Z-Bau werden die Landesmittel für das Audimax in Höhe von 21 Millionen Euro freigegeben.

Zeit zum Durchatmen sieht Gabriele Heinen-Kljajic nicht. „Bei dem Bau besteht nach wie vor ein enorm hoher Termindruck“, sagt Ministeriumssprecher Nording. Die Zuschüsse der EU von 14 Millionen Euro seien nur gesichert, wenn bis zum 31. Dezember 2015 rund 60 Millionen Euro der gesamten Bausumme ausgezahlt würden. „Das bleibt weiterhin ein ambitioniertes Vorhaben.“ Die Gesamtfertigstellung des Gebäudes müsse die Uni im Hinblick auf die EU-Vorgaben der vergangenen Förderperiode bis Anfang 2017 realisieren.

Fotogalerie: Der Bau des neuen Zentralgebäudes in Bildern

 

8 Kommentare

  1. Hier sieht man sehr schön: Ein einziges Wort kann den Unterschied zwischen einem Werbetext und einer Nachricht machen.

    Das Präsidium der Leuphana WILL nicht, es MUSS „Millionen einsparen“! Es wurde dazu gezwungen, „einen Beitrag zur Kostenminderung zu leisten“. Im Hinblick auf die dräuenden Gesamtkosten von über 100 Millionen und die möglichen Konsequenzen für die Aufrechterhaltung des Lehr- und Forschungsbetriebs ist dieser „Beitrag“ winzig genug. Dass „sich die Uni unter anderem zu Abstrichen bei der Lüftung und der Veranstaltungstechnik bereit erklärt“ hat, ist deshalb keine frohe Botschaft, sondern ein unfreiwilliges Eingeständnis vorangegangener Verantwortungslosigkeit und Großmannssucht in Angelegenheiten des „Kalkulierens“ mit fremden Geld.

    Einen Nachschlag öffentlicher Gelder schließen sowohl das Land als auch die Stadt und der Landkreis Lüneburg, die zusammen sieben Millionen Euro beisteuern, kategorisch aus. Die Uni hat immer wieder betont, die entstehenden Mehrkosten aus ihrem Etat und Rücklagen selbst tragen zu können. Allerdings zieht der Landesrechnungshof nach wie vor das gesamte Finanzierungskonzept der Uni in Zweifel. So seien die Erlöse für den Verkauf und die Vermietung von Uni-Liegenschaften viel zu schön gerechnet, heißt es in der jüngsten Stellungnahme der Prüfbehörde.

  2. Was die Uni-Führung hier froh zu Kund gibt ist nichts als eine Nebelkerze und ein Tropfen auf den heissen Stein. Vielmehr drückt die Termine von dem die Zuschüsse der EU abhängen. Hoffentlich kommt es durch diesen Termindruck nicht zu Baumängeln, die später hohe Zusatzkosten verursachen.

    Als bedenklich sehe ich die Einsparungen bei der Lüftungs- und Veranstaltungstechnik. Das kann durchaus auch die kalkulierten Einnahmen durch eine teilweise Vermietung des Gebäudes für Veranstaltungen negativ beeinflussen. Denn was nützen diese Einsparungen, wenn Veranstaltungen durch eine nervende Akustik und zu wenig Luft zum atmen zu einem Negativerlebnis führen. Dann kommt kein Besucher wieder. Ich frage mich, ob es nicht Einsparmöglichkeiten bei vielleicht luxuriösen Details gibt, die nicht Besuchern und Studenten dienen würden.

    Ich gehe ich davon aus, dass wir uns auf Herstellungskosten von insgesamt rund 100 Millionen einstellen müssen und hoffentlich die Verantwortlichen dann konsequent dafür gerade stehen, bzw. gehen müssen.

    Doch egal ob Stadt und Landkreis standhaft bleiben werden und keine weiteren Zuschüsse gewähren (was ich nicht glaube), es werden immer Steuergelder sein, die die finanzielle Fehlplanung ausgleichen müssen. Und das wäre eine Schande, weil der Steuerzahler nicht die geringste Verantwortung für die Fehler hat.

  3. Und als Randnotiz erscheint die Meldung, dass die Fertigstellung jetzt wohl nicht vor 2017 der Fall sein wird. Ob es wohl die letzte Verzögerungsmeldung sein wird? Fertigstellung 2011, 2012, 2013, 2014, 2015, 2016, 2017. Aber das auch nur „am Rande“ dieses Kommentars. 😉

  4. Der Bürger fühlt sich auf ganzer Front verschaukelt: der Audimax kostet plötzlich nur noch 92 Millionen? Immerhin wird angedeutet: es bleibt wohl nicht dabei, denn 8 Millionen-„Kostenrisiken“ sind nicht berücksichtigt. Und auch die sind wahrscheinlich vom Duo Spoun/Keller schöngerechnet: die Oberfinanzdirektion geht von „mindestens“ 16 Millionen aus. Wer trickst hier? Die Uni spricht von „Kostenreduktion“, die berücksichtigt werden soll. Das ist aber alles andere als „Sparen“. Nun, Herr Keller, sagen Sie doch, was und in welcher Höhe soll denn „gespart“ werden? Doch nicht der „Raum der Ruhe“, oder?
    Und schließlich: woher nimmt das total verschuldete rot-grün regierte Land Niedersachsen die 21 Millionen für die neue „Zuwendung“, also den verlorenen Zuschuss? Neue Steuern, weitere Schulden? Andere dringend notwendige Projekte können deswegen jedenfalls nicht gebaut werden, so etwa die Elbbrücke bei Darchau. Viele Fragen, keine Antworten.
    Nachdem der Prachtbau nicht pünktlich zur Bürgermeister-/Landratswahl fertig geworden ist: jetzt ist ein neuer Termin angesagt, das Jahr 2017! Mit anderen Worten: pünktlich zur nächsten Bundestagswahl soll das prächtig-hässliche Millionengrab den Politik-Akteuren teuren Glanz verschaffen. So verscherzt sich Politik das Vertrauen der Bürger.

  5. .. eine ziemliche witzige Überschrift : Universität will Millionen sparen … da werden zu geringe Baukosten ermittelt, dann erhöhen sich die voraussichtlichen Baukosten auf 125 Millionen und nun die freudige Nachricht , die Uni spart genau 3,7 Millionen Euro .. hhuurrraaaaa .. Witz du bist umzingelt … was aber nicht geschrieben wird ist, warum sich die Baukosten auf 125 Millionen erhöht haben, wer für diese Mehrkosten die Verantwortung trägt , welche zusätzlichen Mehrkosten noch kommen werden , denn die Baufirmen verlangen doch schon Mehrkosten, diese Mehrkosten aber nicht von der UNI ans Tageslicht gebracht werden und dann brüstet man sich mit 3,7 Millionen Einsparungen , das sind von 125 Millionen ja gerade mal 3 % , lächerlich , denn die wirklichen Baukosten werden sich am Schluß auf ca. 150 Millionen Euro anhäufen , na ja neben dem BER und der Hamburger Elbphilharmonie haben wir nun eben auch die Ilmenau-Philharmonie , alle Beteiligten wissen es , doch alle halten schon sauber den Mund

    • „…das sind von 125 Millionen ja gerade mal 3 %…“ Das sind wahrscheinlich die 3% Skonto bei pünktlicher Rechnungsbegleichung. Aber ob der Bau am Ende wirklich 125 Mio., oder mehr, oder weniger kostet, wissen wir noch nicht. Es ist auf jeden Fall jetzt schon ein Schmierentheater mit mehreren Akten und open end.

  6. Ich verstehe nicht warum Landkreis und Stadt sich mit soviel Geld an einem Uni Gebäude beteiligen. Müssen sie das, oder ist es eine freiwillige Leistung? Das windschiefe Gebäude sieht aus wie eine Kindergartenzeichnung, wo die 100 oder vielleicht 150 Millionen verbaut werden sollen entzieht sich meiner Kenntnis.

    • An der Architektur will ich gar nicht mäkeln. Ich finde es ist ein zwar gewagter, aber dennoch gelungener Entwurf. Moderne Architektur mit Mut zum Extravaganten. Entsprechend ist die Statik und die technische Umsetzung mit einem entsprechend hohen Aufwand und somit Kosten verbunden.

      Die Frage ist doch: Warum muß es ein derart ungewöhnliches und auffallendes Zentralgebäude sein? Andere Universitäten begnügen sich mit weitaus bescheideneren und unauffälligeren Bauten und investieren dafür vielleicht mehr in eine sinnvolle, bedarfsgerechte Innenausstattung. Letztlich mit deutlich geringerem Kostenaufwand.

      Mein Eindruck ist, das manche sich hier einen Kindheitstraum erfüllen wollen und mit leuchtenden Augen aufgeregt die Fertigstellung ihres „Spielzeuges“ kaum erwarten können.