Dienstag , 27. September 2016
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Dr. Klaus Winter (links) und Tomma Freesemann (rechts) von der Firma Eko Plant vollzogen gemeinsam mit Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Krause den symbolischen Spatenstich für die neue Klärschlammvererdungsanlage in Salzhausen.
Dr. Klaus Winter (links) und Tomma Freesemann (rechts) von der Firma Eko Plant vollzogen gemeinsam mit Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Krause den symbolischen Spatenstich für die neue Klärschlammvererdungsanlage in Salzhausen.

Erde aus Klärschlamm

se Salzhausen. Mit einem symbolischen Spatenstich begann jetzt eine neue Ära der Klärschlammentsorgung in Salzhausen. Der Bau der neuen Klärschlammvererdungsanlage hat begonnen. Insgesamt investierte die Samtgemeinde dafür 1,5 Millionen Euro.

Dabei legte die Samtgemeinde einen langen Weg zurück, wie Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Krause erinnerte. Im Zuge der erforderlichen Reparaturen an der Kläranlage warf die Samtgemeinde auch einen Blick auf die Entsorgung des Klärschlamms. Bisher hat die Samtgemeinde einen Vertrag mit einem Unternehmen, das den Klärschlamm zur Entsorgung abholt. Ein aufwendige und kostspielige Lösung, für die der Vertrag Ende 2014 ausläuft. Frühzeitig suchten Politik und Verwaltung Alternativen und stießen auf die Klärschlammvererdung. Nach dem Prinzip eines riesigen Komposthaufens entsteht aus Klärschlamm Erde, die später sogar wiederverwertet werden kann. Dadurch werden nicht nur die Fahrten von und zur Kläranlage zum Abtransport des Klärschlamms verringert, es entstehen auch weniger Unterhaltungskosten. Das nachhaltige, kostengünstigere Konzept überzeugte daher rasch den Rat.

Mit der Umsetzung wurde die Firma Eko-Plant aus Hessen beauftragt. Die Firma ist europaweit tätig und hat bereits rund 80 Anlagen errichtet. Vergleichbare Anlagen gibt es in Niedersachsen zum Beispiel in Schwarmstedt. Für die Klärschlammvererdungsanlage werden in direkter Nachbarschaft zur Kläranlage auf etwa zwei Hektar fünf Vererdungsbecken in den Boden gebaut. Die Becken sind nach unten abgedichtet und mit den erforderlichen Rohrleitungen, Pumpen und Schiebern für die Beschickung der Beete und Rückführung der Sickerwässer in die Kläranlage sowie die Steuerungstechnik für einen vollautomatisierten Betrieb versehen. Sie werden mit einer Filterschicht versehen und mit Pflanzensubstrat befüllt. Auf diese Beete werden Schilfpflanzen gesetzt, in Salzhausen rund 80000 Stück. Auf diese Beete wird künftig der Klärschlamm aufgebracht, etwa 21000 Kubikmeter pro Jahr. Die erste Fuhre wird im September ausgebracht.

Durch die Filterschicht kann das Wasser ablaufen und über ein Drainagesystem der Kläranlage wieder zugeführt werden. Der feste Teil des Klärschlamms bleibt hingegen im Beet und wird von den Schilfpflanzen mit Wurzeln und Rhizomen durchwachsen. Während die Pflanzen mit den Wurzeln Nährstoffe und Wasser aus dem Klärschlamm aufnehmen, führen sie über die Rhizome Sauerstoff zurück in den Boden, der dadurch mineralisiert wird.

Der Prozess wird dabei die ersten fünf Jahre von der Firma Eko Plant begleitet. Die Beete werden regelmäßig kontrolliert, damit der Vermarktung der entstandenen Erde später nichts im Wege steht. Acht bis zehn Jahre sind für den Prozess veranschlagt.