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Angeführt vom Geschäftsführer des Artlenburger Deichverbandes, Norbert Thiemann (M.), machten sich Vertreter von Landkreis, Deichverband, Kommunen und andere auf, um den Deich bei Walmsburg zu inspizieren.
Angeführt vom Geschäftsführer des Artlenburger Deichverbandes, Norbert Thiemann (M.), machten sich Vertreter von Landkreis, Deichverband, Kommunen und andere auf, um den Deich bei Walmsburg zu inspizieren.

Schlechter Schutz bei drohender Flut

emi Walmsburg. Düstere Wolken und etwas Sonne: Das Wetter spiegelte gestern die Stimmungslage bei der Frühjahrsdeichschau des Artlenburger Deichverbandes wider. Gemischte Gefühle hat etwa Hartmut Burmester beim traditionellen Kontrollgang über die Deiche zwischen Walmsburg und Hohnstorf. Zwar freut sich der Deichhauptmann des Art­lenburger Deichverbandes über das positive Signal aus Brüssel, wonach bereits im Oktober mit dem vorgezogenen Rückschnitt von Bäumen und Sträuchern im Deichvorland begonnen werden darf und zwar auch in Gebieten, wo diese Hochwasserschutzmaßnahme bisher tabu war.

Doch ein anderer Punkt treibt Burmester Sorgenfalten auf die Stirn: „Seit dem Hochwasser im vergangenen Jahr ist an unseren Deichen gar nichts passiert. Nur das, was die Deichverbände unmittelbar nach dem Hochwasser in Eigenleistung gemacht haben.“ Auf weiten Strecken, vor allem um Barförde, Radegast und Hohnstorf, seien noch immer Deichkronen, Auffahrten und Straßen kaputt. „Ob der Deich an diesen Stellen überströmfähig ist, wage ich zu bezweifeln.“

Doch den Deichschützern sind die Hände gebunden. Ihnen machen bürokratische Hürden bei der Finanzierung zu schaffen: „Die Anträge von unserer Seite an das Land sind gestellt, aber leider sind sie noch nicht bewilligt“, sagt Burmester. „Die Situation ist mehr als unbefriedigend.“ Mit rund einer halben Million Euro war der Artlenburger Deichverband für den Rückbau von Deichverteidigungsmaßnahmen in Vorleistung gegangen, verdeutlicht dessen Geschäftsführer Norbert Thiemann. Zwar habe das niedersächsische Umweltministerium (MU) den Betrag vorläufig erstattet, letztlich soll das Geld aber aus dem Aufbauhilfefonds 2013 fließen. Zwei weitere Anträge warten noch auf Bearbeitung: „Wir haben drei Halden mit Sandsäcken in Radegast und Bleckede. Rund 150000 Euro kostet es, das Material durchzuschreddern.“

Um die Deichverteidigungswege zu erneuern, fielen gar Baukosten in Höhe von sieben Millionen Euro an. „Ein viertes Paket wollten wir im Verlauf des dritten Quartals schnüren, um bis zum Jahr 2016 die Restschäden zu beseitigen.“ Doch Thiemann ist ratlos: „Wie soll das passieren, wenn wir uns ein Jahr nach dem anderen mit Formalien beschäftigen müssen?“

So düster die Situation an den Deichen im linkselbischen Bereich des Landkreises derzeit auch aussehen mag, einen Hoffnungsschimmer stellt der nun von den EU-Verantwortlichen genehmigte, vorgezogene Rückschnitt der Verbuschung auch in Naturschutzgebieten dar. Bisher waren die tabu und Gegenstand eines jahrelangen Streites zwischen Deichbauern und Naturschützern: Den sofortigen Rückschnitt von Bäumen und Sträuchern im Deichvorland forderten die einen, den Erhalt von geschützten Auwäldern die anderen. Nun sollen im Gegenzug für den Rückschnitt Auwälder als Ausgleich an anderer Stelle gepflanzt werden.

Wie wichtig der Rückschnitt etwa für Walmsburg ist, stellte Ortsvorsteher Wilhelm Kastens klar. In den vergangenen 25 bis 30 Jahren seien in dem Gebiet dicht geschlossene Baumreihen aufgewachsen, die bei Überflutung den Wasserabfluss behindern. „Beim Hochwasser im Juni 2013 hatten wir beim Klärwerk nur noch ein Freibord von einem halben Meter.“ Umso mehr freue er sich jetzt über das grüne Licht aus Brüssel.

Doch der Rückschnitt allein reicht nicht aus, ist Deichhauptmann Burmester überzeugt. In einem Gespräch mit Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) gestern Abend wollte er auf die prekäre Situation hinweisen. Seine Hoffnung: „Dass mehr Dynamik in die Sache kommt und wir zügig Baumaßnahmen einleiten können.“

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