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Sichtlich Spaß beim Wahlkampf in der Bäckerstraße haben Rebecca Harms (r.), Spitzenkandidatin der Grünen für die Europawahl, und ihre Parteikollegin Claudia Schmidt, die Oberbürgermeisterin Lüneburgs werden möchte.
Sichtlich Spaß beim Wahlkampf in der Bäckerstraße haben Rebecca Harms (r.), Spitzenkandidatin der Grünen für die Europawahl, und ihre Parteikollegin Claudia Schmidt, die Oberbürgermeisterin Lüneburgs werden möchte.

„Zu viele Zugeständnisse für die Kohle“

ahe Lüneburg. Am 25. Mai möchte sie erneut gewählt werden, um die Interessen der Region im Europaparlament zu vertreten. Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Amerika ist eines der zentralen Themen, mit denen sich die Grünen-Politikerin aktuell beschäftigt und über das sie jetzt auch in Lüneburg beim Wahlkampf in der Bäckerstraße mit Bürgern ins Gespräch kam. Doch eines ist gewiss, wenn Rebecca Harms nach Lüneburg kommt: „Egal vor welcher Wahl ich in der Region unterwegs bin, Gorleben ist immer Gesprächsthema“, sagt die Wendländerin.

Die ungeklärte Frage der Atommüllendlagerung ist natürlich auch eines ihrer Spezialthemen, wie kaum ein anderer Politiker steht Rebecca Harms für die hiesige Anti-Atomkraft-Bewegung. Deshalb war auch jetzt wieder eine häufige Frage der Passanten an sie, wie es weitergeht mit der Atomkraft. Aus Sicht von Rebecca Harms verläuft die Energiewende weg von den fossilen und hin zu den erneuerbaren Energien nicht schnell genug. „Ich kann derzeit keine gute politische Linie erkennen, gerade für die Kohle werden zu viele Zugeständnisse gemacht.“ Das zu ändern sei keineswegs nur eine Sache für die Bundespolitik. „Wir brauchen eine kluge Strategie für die ganze EU, am besten einen neuen Zukunftspakt, wie es ihn früher für Stahl und Kohle gab. Diesmal aber für erneuerbare Energie, Energieeinsparung und -effizienz.“ Es passiere zu wenig in diesem aus ihrer Sicht so wichtigen Feld der Klimapolitik. „Die Stimmen der Klimawandelskeptiker werden wieder lauter, aber wir kommen an einem wirksamen Klimaschutz nicht vorbei, dafür versuche ich einzutreten.“

Rebecca Harms gehört dem EU-Parlament bereits seit zehn Jahren an, ist seit 2009 Vorsitzende ihrer Fraktion, doch es dürften gern noch ein paar Jahre mehr werden, findet sie, denn es gebe auch noch genug zu tun. Zum Beispiel für die Wirtschaft: „Wir müssen endlich bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen schaffen für Unternehmen, die mit ihren Produkten das Klima und Ressourcen schonen.“ Oder für die Landwirtschaft: „Als ausgebildete Gärtnerin habe ich mich früher schon beruflich mit Pflanzenzucht beschäftigt. Ich kann bis heute nicht verstehen, warum wir zum Beispiel Genmais brauchen und uns nicht auf die natürliche Pflanzenzucht beschränken. Kein einziges gentechnisch verändertes Produkt ist besser als die Natur. Wer keine Gentechnik will, muss Grün wählen.“ Zur Unterstützung ihres Anliegens reichte sie in der Bäckerstraße gentechnikfreies Popcorn.

Auch an der Universität schaute die EU-Parlamentarierin vorbei, die Energiewende war dort ebenfalls Thema. „Der Nachhaltigkeitsgedanke der Leuphana fasziniert mich. Und ich bin immer wieder erstaunt, wie gut die Studenten im Thema sind.“