Donnerstag , 29. September 2016
Aktuell
Home | Lokales | Autos teilen wie die Lüneburger
Beim Car-Sharing wird ein Auto von mehreren Fahrern genutzt. Wie das System in Lüneburg funktioniert, lässt sich Prof. Dr. Akira Uchida (r.) von Klaus Hoppe erläutern. Foto: t&w
Beim Car-Sharing wird ein Auto von mehreren Fahrern genutzt. Wie das System in Lüneburg funktioniert, lässt sich Prof. Dr. Akira Uchida (r.) von Klaus Hoppe erläutern. Foto: t&w

Autos teilen wie die Lüneburger

us Lüneburg. Drei Autos seien normal, je nach Größe der Familie könnten es aber auch schon mal fünf sein, weiß Prof. Dr. Akira Uchida aus seiner Heimat Japan zu berichten. „Das Auto hat dort für die meisten Menschen einen hohen Stellenwert, doch das wird sich in den kommenden Jahren zunehmend ändern“, ist Prof. Uchida überzeugt. Ähnlich wie in Europa nehme bei der jüngeren Bevölkerung in Japan die Bedeutung des Autos als Statussymbol ab, „das Smartphone ist für sie wichtiger geworden“. Der japanische Gastprofessor, der an der Leuphana Universität im Rahmen des Innovationsinkubators Regionale Stadt- und Raumentwicklung lehrt, hat deshalb seinen Blick auf eine Einrichtung gerichtet, die auch in Lüneburg seit Jahren Autos auf Abruf anbietet: das Car-Sharing-Unternehmen Cambio.

„Wir unterstützen den Wissenstransfer nach Japan gern“, sagt Klaus Hoppe, Geschäftsführer der Lüneburger Campus Management GmbH. 1999 begann er mit „Campus Mobil“, erstmals Autos in der Stadt zu platzieren, die von einem festen Kundenstamm bei Bedarf genutzt werden können. 2009 schloss er sich der Cambio Mobilitätsservice GmbH & Co. KG an, von ursprünglich 90 ist die Zahl der Nutzer auf inzwischen 1200 Kunden allein in Lüneburg angewachsen, rund 59000 sind es firmenweit.

Für viele Nutzer liegen die Vorzüge des „Autos auf Abruf“ auf der Hand: Hohe Anschaffungskosten für ein eigenes Auto entfallen, ebenso laufende Kosten für Versicherung und Steuern. Da jedes Auto zudem einen eigenen Parkplatz hat, entfällt selbst die zeitraubende und oft nervenstrapazierende Parkplatzsuche. Auch für die Verkehrsentwicklungsplanung wird Car-Sharing immer wichtiger, „denn jedes Cambio-Auto ersetzt durchschnittlich elf private Pkw“, rechnet Hoppe vor. Und ergänzt: „Das eigene Auto wird im Mittel ohnehin nur etwa 40 Minuten am Tag genutzt. In den übrigen 23 Stunden bleibt es stehen, kostet Geld und besetzt wertvolle Flächen im Straßenraum.“

Die Vorteile von Car-Sharing-Systemen will Prof. Uchida auch seiner Heimatstadt Kitakyushu zugute kommen lassen. Ausreichend Potenzial für mögliche Nutzer sei durchaus vorhanden: Von den rund eine Million Einwohnern der Stadt im Südwesten Japans nutze immerhin etwa die Hälfte ein Auto. Und: Die Stadtverwaltung will den Verkehr aus Gründen des Umweltschutzes eindämmen, aber auch Kosteneinsparungen bei der Verkehrsinfrastruktur spielten eine Rolle. Noch aber setze sie verstärkt auf Elektroautos, „nicht zuletzt auch aus Rücksicht auf einen großen Autohersteller und die damit verbundenen Arbeitsplätze in der Stadt“, vermutet der Leuphana-Professor.

Doch diese Hindernisse hofft Prof. Uchida über kurz oder lang überwinden zu können. Dabei will er bei der Einführung von Car-Sharing-Systemen allerdings nicht stehen bleiben, sein Ansatz ist weiter gesteckt: Die Zukunft liege in sogenannten „vernetzten Systemen“, bei denen verschiedene Transportmittel wie Auto, Bahn oder Bus sinnvoll ineinander greifen. Dass Lüneburg mit dem Stadt-Rad, das ähnlich dem Car-Sharing-System funktioniert, auch hier mit gutem Beispiel vorangeht, ist ihm natürlich nicht verborgen geblieben.