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Zum Thema ,,Gesundheit im Beruf forschen Prof. Dr. Mirella Cacace (r.), ihre Kollegin Patricia Weinert und Prof. Dr. med. Swen Malte John (Universität Osnabrück).  Jetzt stellten sie ihre Studie ,,Healthy At Work an der Leuphana-Universität vor. Foto: t&w
Zum Thema ,,Gesundheit im Beruf forschen Prof. Dr. Mirella Cacace (r.), ihre Kollegin Patricia Weinert und Prof. Dr. med. Swen Malte John (Universität Osnabrück). Jetzt stellten sie ihre Studie ,,Healthy At Work an der Leuphana-Universität vor. Foto: t&w

Ein „Kümmerer“ für die Betriebe

kre Lüneburg. ,,Gesundheit ist für jeden Menschen das höchste Gut. Die Unternehmen brauchen gesunde und zufriedene Mitarbeiter, um im Wettbewerb zu bestehen. Deshalb dient die betriebliche Gesundheitsförderung sowohl den Interessen der Beschäftigten, als auch dem ureigensten wirtschaftlichen Interesse des Unternehmens“: Hehre Worte, die die niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt am Freitagabend in Lüneburg formulierte. Nur und das musste auch die Landespolitikerin zugeben die Wirklichkeit sieht in vielen Betrieben anders aus. ,,Obwohl gesetzlich geregelt und unterstützt, ist die Förderung der Mitarbeitergesundheit für die meisten Klein- und Mittelständischen Betriebe nur ein Randthema“, erfuhr die Sozialdemokratin, die nach Lüneburg gekommen war, um sich als Schirmherrin der ,,Internationalen Konferenz zur Gesundheit im Beruf“ an der Leuphana-Universität über den Stand der Forschung zu informieren.

Rund 100 Unternehmer und Personalverantwortliche haben Prof. Dr. Mirella Cacace und ihr wissenschaftliches Team für die Forschungsarbeit interviewt, die Erfahrungen aus 75 Unternehmen flossen in die Studie ein, die jetzt während der Konferenz ,,Healthy At Work“ vorgestellt wurde.

Die Leuphana-Universität hat mit ihrer Forschungsarbeit nach eigenem Bekunden Neuland betreten: ,,Wissenschaftliche Arbeiten zu diesem Phänomen gab es bisher nicht“, heißt es selbstbewusst in der Pressemitteilung der Universität. Konzentriert haben sich die wissenschaftliche Leiterin des Projekts, Prof. Dr. Mirella Cacace, und ihr Team vor allem auf Kleinunternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern. ,,Hotels, Kitas, Friseure, mobile Pflegedienste, kleine Werkstätten, Bäcker…“, listet Patricia Weinert von der Leuphana-Uni auf.

Die erste Überraschung für die Wissenschaftler: Viele Betriebsinhaber fühlen sich beim Thema Mitarbeitergesundheit, obwohl sie dazu gesetzlich verpflichtet sind, alleine gelassen. ,,Je kleiner die Betriebe sind, desto schwieriger wird das Thema“, hat Prof. Dr. Mirella Cacace beobachtet. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Zeit- und Wettbewerbsdruck sind bei Kleinunternehmen offenbar ungleich höher als bei größeren Unternehmen.

Allerdings haben die Wissenschaftler auch Betriebe kennengelernt, in denen die Mitarbeitergesundheit schon eine deutliche größere Rolle spielt dem Konkurrenzdruck zum Trotz: ,,In den Pflegeberufen tut sich was“, stellt Cacace fest und glaubt auch, die Gründe dafür zu kennen: ,,Fachkräfte im Pflegebereich zu finden, ist schwer. Die Unternehmen haben erkannt, dass sie also etwas für die Gesunderhaltung ihrer Mitarbeiter tun müssen.“

Gleiches gilt auch für die Friseure: 35 Prozent aller beruflichen Hauterkrankungen in Deutschland wurden aus dem Friseur-Gewerbe gemeldet“, berichtet Prof. Dr. med. Swen Malte John von der Universität Osnabrück und fügt hinzu: Der Zentralverband des deutschen Friseurhandwerks und die Sozialpartner haben erkannt, dass hier dringender Handlungsbedarf ist. Der konzentrierte Blick auf die Mitarbeitergesundheit, Schulungen, Änderungen von Arbeitsabläufen und vor allem auch der Einsatz anderer Chemikalien haben die Krankheits- und Berufsunfähigkeitsmeldungen drastisch nach unten geschraubt.

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass gerade die Inhaber und Führungskräfte kleinerer Unternehmen das Fehlen qualifizierter Ansprechpartner und passender Beratungsangebote vor Ort bemängeln. ,,Gefragt sind Lotsen ,Kümmerer , die die Betriebe durch das Gesundheitssystem führen und ihnen Informationen, Schulungen und Beratungen anbieten“, sagt Cacace, und macht einen entsprechenden Vorschlag: Solche Fachkräfte bei Kammern und Verbänden vor Ort anzusiedeln, die die Betriebe bei Bedarf aufsuchen und qualifiziert beraten, das wäre doch was…