Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Hohnstorfs Bürgermeister André Feit mit Zylinder und Bürgermeisterkette: Das Schreiben eines Bremer Patentanwaltes hat die Freude des Zeremonienmeisters an der Hohnstorfer Eiswette merklich getrübt. Foto: t&w
Hohnstorfs Bürgermeister André Feit mit Zylinder und Bürgermeisterkette: Das Schreiben eines Bremer Patentanwaltes hat die Freude des Zeremonienmeisters an der Hohnstorfer Eiswette merklich getrübt. Foto: t&w

Die Mutter aller Eiswetten

kre Hohnstorf/Bremen. Endlich ist der Sommer da, und doch herrscht Eiszeit zwischen Bremen und Hohnstorf. Eiswettenzeit genauer gesagt. Denn Ende vergangener Woche erreichte Hohnstorfs Bürgermeister André Feit das Einschreiben einer Bremer Patentanwalts-Kanzlei: Darin geht es um nichts weniger als die Eigenständigkeit der Hohnstorfer Eiswette laut Eigenwerbung der ,,ältesten“ in Niedersachsen. Trotzdem zeigen sich die Bremer davon wenig beeindruckt. Im Gegenteil: Sie fordern Feit auf, einen Lizenzvertrag zu unterzeichen, denn: Die Bremer haben sich die ,,Eiswette“ als Wortmarke patentrechtlich schützen lassen. Feits erster Kommentar: ,,So ein Schreiben kann einem den Tag verderben.“

Seine zweite Reaktion ist deutlich kämpferischer: „Ein Lizenzvertrag kommt gar nicht in Frage. Wir werden das rechtlich prüfen lassen…“ Immerhin haben die Hohnstorfer in den vergangenen 21 Jahren illustre Persönlichkeiten als Überraschungsgäste an der Elbe begrüßen können: von den Ministerpräsidenten David McAllister und Christian Wulff über den ehemaligen Kultusminister Bernd Althusmann bis hin zur grünen Landtagsabgeordneten Miriam Staudte. Auch Landräte, Bürgermeister und Journalisten mussten sich schon beim anschließenden Matjes-Essen wortreich und schlagfertig zu Wehr setzen.

Die Hohnstorfer Eiswette immer wieder ein großer Spaß. Und damit soll jetzt Schluss sein? Hohnstorf, das gerne auch als gallisches Dorf tituliert wird, soll durch einen Bremer Patentanwalt in die Knie gezwungen werden?

Fast wirkt es wie der Kampf David gegen Goliath: Auf der einen Seite der Bremer Verein ,,Eiswette von 1829″, eine honorige „Eiswettgesellschaft“ mit noch honorigeren Persönlichkeiten. Auf der Internetseite des Vereins Eiswette von 1829 heißt es unter anderem: ,,Präsident der Eiswette dieser Titel hat in Bremen Gewicht. Zeichnet er doch Männer aus, die sich um die Hansestadt und die Gemeinschaft der Eiswett-Genossen verdient gemacht haben… Jede Präsidentschaft steht für ein Stück Bremische Geschichte, in der die Eiswette seit über 185 Jahren ihren festen Platz hat.“ Auf der anderen Seite: das kleine Hohnstorf an der Elbe.

Dass der Begriff ,,Eiswette“ in Hohnstorf bereits ein Begriff war, lange bevor die Bremer diesen Namen schützen ließen, ,,spielt rechtlich gesehen keine Rolle“, klärt Patentanwalt Günter Eisenführ auf, der übrigens von 1993 bis 1996 selbst Präsident der Bremer Eiswette war und noch heute dem Präsidium angehört. Trotz seines Schreibens bemüht sich der Patent­antwalt um einen freundlichen Ton: „Es geht uns nicht darum, die Eiswette zu monopolisieren oder anderen die Eiswette zu verbieten.“ Das werde schon daran deutlich, dass die Lizenz­erteilung kostenlos erfolge. ,,Aber wir wollen und müssen unsere Marke ,Eiswette schützen“, fährt der Bremer Hanseat fort und dazu muss sich der Lizenznehmer unter anderem dazu verpflichten, ,,Zuschnitt und Durchführung (der eigenen Veranstaltung, Anmerkung der LZ-Redaktion) so zu gestalten, dass den anständigen Gepflogenheiten Genüge getan wird und das Ansehen der Lizenzgeberin … nicht beschädigt werden kann.“

Das dürfte den Hohnstorfern wohl nicht allzu schwer fallen gesittet geht es schließlich immer zu bei ihrer Eiswette.

Viel problematischer ist für André Feit die Forderung, dass er künftig immer einen Lizenzvermerk anbringen soll, wenn er die Hohnstorfer Eiswette bewerben will. ,,Das geht gar nicht“, sagt er. Eher könnte er sich vorstellen, die Hohnstorfer Eiswette umzubenennen, statt vor den Bremer Hanseaten zu Kreuze zu kriechen.

Doch so weit ist es noch nicht, und auch in Bremen glaubt man an eine gütliche Regelung: ,,Die Hohnstorfer Eiswette kann ruhig weiter so heißen. Die Veranstalter müssen sich nur an die Regeln halten.“ Oder anderes ausgedrückt: Die Mutter aller Eiswetten sei nun einmal die Bremer Eiswette von 1829, alle anderen ihre Ableger. Ein Gedanke, der aber nicht nur André Feit gar nicht gefällt.

Auch einige Kilometer weiter flussaufwärts, in Neu Darchau, staunt man über die Lizenzierungswut der Bremer. Schließlich findet auch in Neu Darchau jährlich seit vielen Jahren eine Eiswette statt. ,,Ein solches Schreiben ist meines Wissens bei uns noch nicht eingegangen“, sagt kopfschüttelnd Klaus-Peter Dehde, Mitglied im Verwaltungsausschuss und designierter Neu Darchauer Bürgermeister, der in der Sitzung am Donnerstag, 22. Mai, zum neuen Gemeindeoberhaupt gekürt werden soll. ,,Haben die nichts Besseres in Bremen zu tun?“, wundert sich der Sozialdemokrat.