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Nicolai-Küster Maik Ondra hält im Keller unter dem Gemeindehaus einen der Formsteine in der Hand, die für die Sanierung der Kirche benötigt wurden. Foto: ca
Nicolai-Küster Maik Ondra hält im Keller unter dem Gemeindehaus einen der Formsteine in der Hand, die für die Sanierung der Kirche benötigt wurden. Foto: ca

Ein Ausflug in die Unterwelt

ca Lüneburg. Schönheit kann in der Tiefe liegen und sich selten zeigen. Wie die alten Gewölbekeller des Scharnebecker Hofs aus dem 14. Jahrhundert. Heute stehen darüber die Pfarrhäuser von St. Nicolai. Wer genau hinschaut, entdeckt den alten Brunnenring, aus dem einst Mönche Wasser schöpften. Dort liegen aber auch zu Hunderten Form- und Ziersteine, die Handwerker möglicherweise noch brauchen, wenn wieder Arbeiten an der benachbarten Schifferkirche anstehen. Küster Maik Ondra kennt sich in diesem Schattenreich bestens aus, weiß, dass ein brauner glasierter Schlussstein als Kappe auf die Strebebögen gesetzt werden kann. Der handgefertigte Stein liegt als Reserve gut aufbewahrt in einem Karton.

Zu einem Ausflug in die Unterwelt und zu anderen Sehenswürdigkeiten laden Stadtführer in den kommenden Wochen ein. Den Erlös will die Gruppe der Nicolaigemeinde als Dankeschön spendieren, denn die lässt die Führer Sabine Büschelberger, Adelheid Person, Marion Semrau, Conny Siebert, Klaus Niclas und Verena Fiedler mit ihren Gruppen in die Kirche. Neben den Resten des Scharnebecker Hofs geht es auch um ein verborgenes Fachwerkhaus, ein Gebäude hinter dem Landgericht, das in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts gebaute Fernsprechamt, heute sitzt dort das Bürgeramt, und ein Salzsäureattentat auf einen Kunstschatz.

Der Scharnebecker Hof war Stadtsitz des Klosters Scharnebeck. So eine Niederlassung wie die Zisterzienser-Mönche betrieben auch andere Klöster in der Stadt. Sie waren nicht nur Herberge für Geistliche und ihre Gäste, sie dienten auch als Zufluchtsorte in unruhigen Zeiten in den Mauern der Stadt war man besser geschützt als vor den Toren draußen auf dem Land. Doris Böker notiert in ihrer Denkmaltopographie Lüneburgs, dass die Höfe zudem „der Versorgung des Klosters dienten und in der Stadt einen Wirtschaftsfaktor bildeten, indem sie selbst mit Produkten beziehungsweise Kapital in die Wirtschaft und die Versorgung der Städte eingriffen“.

Zwischen Baumstraße und Kirche lag das Anwesen, das 1889 einem Brand zum Opfer fiel. Die Reichenbachsche Fassfabrik stand in Flammen. Auch Nachbargebäude brannten ab. Stadtführerin Verena Fiedler erzählt, dass der Fabrikant sich von Architekt Franz Krüger auf den Überresten des Hofes eine Villa bauen ließ. Steht man vor dem Anwesen, ist es der rechte Teil, aber auch links entstand ein Neubau. Ein Garten verbindet das Ensemble, darunter liegen Gewölbe, sie wurden zugeschüttet. In den 90er-Jahren ging dort die Stadtarchäologie auf Spurensuche, um Stadtgeschichte zu dokumentieren.

Am Montag, 26. Mai, startet die erste 90-minütige Führung, weitere Termine: 30. Juni, 28. Juli, 25. August. Treffpunkt ist jeweils um 18.30 Uhr in der Nicolaikirche. Die Stadtführer bitten um Spenden.