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Links: Zum zweiten Mal nach 2006 triumphierte Manfred Nahrstedt (SPD) bei einer Landratswahl. Den Wiedereinzug ins Kreishaus machte er direkt im ersten Wahlgang perfekt.
Rechts: CDU-Kandidaten unter sich: Landratskandidatin Monika Scherf im Gespräch mit Dr. Stefan Porwol. Lüneburgs ehemaliger Erster Kreisrat hatte 2006 die Stichwahl gegen Manfred Nahrstedt verloren.
Links: Zum zweiten Mal nach 2006 triumphierte Manfred Nahrstedt (SPD) bei einer Landratswahl. Den Wiedereinzug ins Kreishaus machte er direkt im ersten Wahlgang perfekt. Rechts: CDU-Kandidaten unter sich: Landratskandidatin Monika Scherf im Gespräch mit Dr. Stefan Porwol. Lüneburgs ehemaliger Erster Kreisrat hatte 2006 die Stichwahl gegen Manfred Nahrstedt verloren.

Zurück ins Kreishaus

ml Lüneburg. Kurz war die Nacht für beide, doch durfte Sozialdemokrat Manfred Nahrstedt feiern, während CDU-Kandidatin Monika Scherf ihre Enttäuschung verarbeiten musste. Deutlicher als von vielen erwartet, hatte die 49-Jährige am Sonntag das Rennen um den Landratsposten gegen den Amtsinhaber gleich im ersten Wahlgang verloren.

Trotz wenig Schlaf sitzt der alte und neue Kreishauschef am Montagmorgen gut gelaunt wieder am Schreibtisch in seinem Büro, ist bereits gegen Mittag auf dem Sprung nach Hannover zu einem Treffen mit anderen SPD-Landräten und Kultusministerin Frauke Heiligenstadt. „Ganztagsschule, Inklusion und Konnexität“, listet Nahrstedt die Themen auf. Konnexität, dieses sperrige Wort, das der damalige CDU-Ministerpräsident Christian Wulff nach seinem Amtsantritt 2003 so oft wiederholt hat, dass es auch in den Köpfen der Sozialdemokraten hängen geblieben ist. Platt ausgedrückt, geht es ums Geld, darum, wie viel das Land von dem bezahlt, was es von den Kommunen fordert. „Immerhin wird uns allein die Inklusion rund 13 Millionen Euro kosten“, sagt Nahrstedt. „Auch wenn tatsächlich in jede Schule ein Fahrstuhl gehört.“

Unterdessen tritt Monika Scherf den geregelten Rückzug vom Wahlkampf an, schreibt Dankeskarten an ihre Unterstützer und ordnet Papiere. Die Kreisrätin hat noch einen Tag frei, bevor sie heute ins Kreishaus zurückkehrt in ihr Büro und zu ihrem Chef: Manfred Nahrstedt. Da liegt die Frage auf der Hand, wie sich zwei begegnen, die in den vergangenen Monaten um Wählerstimmen geworben, dem jeweils anderen bisweilen Konzeptlosigkeit vorgeworfen haben. Am Dienstag sitze sie wieder im Kreishaus, und was kommt, werde die Zeit zeigen, hatte Scherf noch am Wahlabend gesagt, und Nahrstedt pflichtet ihr bei: „Das hat sie genau richtig ausgedrückt. Frau Scherf hat einen Arbeitsvertrag, und ich erwarte, dass sie ihn erfüllt.“ Ansonsten berühre dies personelle Fragen der Kreisverwaltung, und die seien nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, fügt Nahrstedt unwirsch an.

Etwas entspannter wirkt Scherf. Die Basis für die künftige Zusammenarbeit sei bereits während des Wahlkampfes gelegt worden, trotz der ein oder anderen Missstimmung. „Wir haben uns einen fairen Wahlkampf geliefert, sind anständig miteinander umgegangen. Die Dinge, die im Kreishaus zu erledigen waren, haben wir erledigt.“ Deshalb habe sie auch keine Bedenken, an ihren Schreibtisch zurückzukehren. „Unterschiedlicher Meinung sind wir in der Zusammenarbeit auch früher schon mal gewesen, das ist kein Problem“, sagt die Kreisrätin.

Obwohl auch sie weiß, dass es eine Zusammenarbeit auf Zeit ist. In knapp zwei Jahren, am 30. April 2016, läuft nach acht Jahren ihr Vertrag in der Kreisverwaltung aus. 2008, noch zu Zeiten der schwarz-roten Mehrheit, als Wunschkandidatin der CDU geholt, sind ihre Tage im Kreishaus wohl gezählt. Zumal die aktuelle, rot-grüne Mehrheit dann immer noch am Ruder sein wird, die Kommunalwahl erst fünf Monate später ansteht. Auch nehmen es ihr einige Akteure noch immer übel, dass die Kreisrätin den eigenen Chef herausgefordert hat.

Dabei verkennen viele Kritiker, dass Nahrstedt als Kandidat noch gar nicht zur Debatte stand, als Scherf ihre Entscheidung längst getroffen hatte. Denn bis Anfang Dezember 2013 besagte das Niedersächsische Kommunalverfassungsgesetz, dass als Hauptverwaltungsbeamter nur kandidieren kann, wer das 65. Lebensjahr noch nicht vollendet hat. Zu diesem Zeitpunkt war Nahrstedt aber schon 65. Erst ein halbes Jahr vor der Landratswahl hievte Rot-Grün in Hannover Ende 2013 die Messlatte um zwei Jahre höher auf 67 und machte damit erst den Weg frei für Nahrstedts Kandidatur. Schon Monate vorher hatte der Landrat, getragen von der SPD-Kreistagsfraktion, erklärt, für eine erneute Kandidatur bereitzustehen: „Zunächst müssen aber die gesetzlichen Vorgaben dafür in Hannover geschaffen werden, und die Partei muss dies wollen“, sagte Nahrstedt Anfang August. Und wie die Partei wollte: Ein zweiter Bewerber ward nie gesehen. Doch das lässt sich schwerlich Monika Scherf anlasten.

Im Januar wurde der 65-jährige Sozialdemokrat in Reinstorf mit 55 von 56 gültigen Delegiertenstimmen zum Kandidaten nominiert. Vier Monate später sitzt Nahrstedt gut gelaunt an seinem Schreibtisch im Kreishaus und weiß: So er denn will, muss der alte und neue Landrat ihn erst 2021 wieder räumen.