Dienstag , 27. September 2016
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Christel Bergmann pflegt seit 40 Jahren ihren wilden Bauerngarten in Govelin. Ab Juni werden darin sowie auf den Feldern rund um das Dorf auch wieder die seltenen Feuerlilien blühen. Foto: t&w
Christel Bergmann pflegt seit 40 Jahren ihren wilden Bauerngarten in Govelin. Ab Juni werden darin sowie auf den Feldern rund um das Dorf auch wieder die seltenen Feuerlilien blühen. Foto: t&w

Feuerlilien und japanische Kunst +++ Mit Karte

emi Rullstorf/Govelin. Rosarote Fuchsien, geheimnisvolle Orchideen und duftende Rosen: Eine wahre Blüten- und Farbenpracht verbirgt sich in zahlreichen Gärten von Winsen bis Lüchow. Einen Blick hinter die Gartentore ermöglicht der neue Gartenführer „Erlebnis Garten“ der Flusslandschaft Elbe GmbH. In dem kostenlosen Magazin stellen Gärtner ihre ganz privaten Naturparadiese, öffentlichen Parks und Gärtnereien im Land der Elbe und des Wendlands vor, die sie täglich oder zu bestimmten Terminen öffnen. Die Gärten sind dabei so unterschiedlich wie ihre Besitzer. Zwei von ihnen hat sich die LZ näher angesehen: Ganz akkurat im Japanischen Stil hat Matthias Naß aus Rullstorf seinen Garten gestaltet. Ein wildes Blütenmeer bändigen dagegen die Landwirte Christel und Harry Bergmann in Govelin von Akeleien über Fingerhüte bis hin zu Feuerlilien im Feld, die das Ehepaar über das Wendland hinaus bekannt gemacht haben.

Im April 1973 heiratet Christel, damals 21 Jahre alt, in Harry Bergmanns Elternhaus ein. Seitdem kümmert sie sich um den Garten. „Ich habe einfach ausprobiert, welche Pflanzen schön aussehen und welche Farben passen.“ Im Laufe der Jahre verbreiteten sich die Blumen ganz von allein. Heute zieren rosa, lila und weiße Akelei die Beete neben zartlila Nachtviolen und üppigen Rhododendren die Beete. „Ich arbeite nur sporadisch im Garten“, sagt Christel Bergmann. „Es ist schön zu sehen, wie alles wächst und blüht.“ Rindenmulch sorgt dafür, dass das Kraut nicht allzu üppig sprießt.

Ein Stück weiter unten im Garten befindet sich, neben einem großen Gemüsebeet voller Feldsalat, Rhabarber und Bärlauch, auch ein Findlingslehrpfad. „Dafür hat Harry Steine vom Feld gesammelt“, erzählt die 62-Jährige. „Im April 2006 ist der Geologe Harry Huismann mit seinem Team losgezogen, die Steine wurden auf Kieferstämme gestellt und mit Info-Tafeln versehen.“ Auch Klangschalen des Diplom-Ozeanographen Dr. Erich Bäuerle sind im Bergmannschen Garten zu bewundern.

Besonders stolz sind Christel und Harry Bergmann aber auf ihre orange-roten Feuerlilien. Seit 1999 kümmern sich die Landwirte im Rahmen des Vertragsnaturschutzes um die selten gewordene Naturschönheit, die auf 80 Hektar Feldlandschaft ab Juni wieder rund um ihren Garten blühen wird. Vom 7. bis 22. Juni finden auf dem Hof Bergmann deshalb die Feuerlilientage mit Führungen, Vorträgen und einem bunten Rahmenprogramm statt.

Weniger Trubel herrscht dann vermutlich im 1450 Quadratmeter großen Garten von Matthias Naß in Rullstorf. Und das liegt auch ganz im Sinne des Besitzers. „Beruhigend und harmonisch“ soll das Naturparadies des Rullstorfer Bürgermeisters im japanischen Stil wirken. Zwei große Kiefern sind nach alter fernöstlicher Bonsai-Gartenkunst terrassenförmig durchgestuft, eine penibel geharkte Kiesfläche imitiert Wasser und hier und da laden große Steine zum Verweilen und Sinnieren ein. „Der Garten ist in kleine Räume gegliedert. Aus jeder Perspektive wartet wieder eine überraschende Ansicht“, erklärt der 50-jährige Gartenliebhaber.

Schon sein Vater hatte einen japanischen Garten Matthias Naß kam also schon früh in Berührung mit der asiatische Gartenkunst. Doch sein Interesse wurde erst Jahre später geweckt. „Ich habe die japanische Kampfkunst Aikido gemacht und mich daraufhin auch mit japanischer Literatur und Gartenkunst auseinandergesetzt“, sagt Naß. Als er im Jahr 1994 sein Haus baute, kam für ihn nur ein japanischer Garten in Frage.

Doch auch, wenn der Garten zum Meditieren einlädt lange kann der 50-Jährige nicht stillsitzen. „Die Gartengestaltung ist für mich ein Ausgleich: Ich liebe es, Ideen zu entwickeln und sie umzusetzen. Ich muss immer etwas tun.“

Das Magazin „Erlebnis Garten“ der Flusslandschaft Elbe GmbH gibt es ab sofort bei allen Tourist-Informationen der Region, im Büro der Flusslandschaft Elbe GmbH in Bleckede, der Elbtalaue-Wendland-Touristik in Lübeln, bei Gärtnereien und in den Gärten.